Naturdenkmal gefällt: Kastanie in Alsdorf drohte zu kippen

Naturdenkmal wird Sturmopfer : Das Ende der ältesten Rosskastanie der Städteregion

Es war, als schneite es. Dabei flogen Sägespäne durch die Luft. Sägespäne von der vermutlich ältesten Rosskastanie in der Städteregion – die Männer in orangefarbener Schutzkleidung am Dienstag seit dem Morgen vor der Grundschule Schaufenberg Stück für Stück zerlegten.

Das Todesurteil für den alten Baum hatte am vergangenen Sonntag Sturmtief „Eberhard“ besiegelt, als es über die Region rauschte und die Kastanie in gehörige Schieflage drückte. Der Sturm sorgte offenbar dafür, dass eine der Haltewurzeln zwischen Stamm und Schulgebäude aufgab. In der Folge neigte sich die Kastanie noch einen Meter weiter von der Schule weg als zuvor schon.

Seit Jahren kontrolliert

Der Baum stand vor der Fällung bereits unter Beobachtung, war mehr als einmal im Jahr kontrolliert worden, weil er seit Jahrzehnten eine Stammschräglage aufwies, erklärt Udo Thorwesten vom städteregionalen Umweltamt. Offenbar war nach dem Sturm in der offenen Baumscheibe auch ein bis zu 20 Zentimeter hoher Erdwulst entstanden, mit etlichen Rissen an der Oberfläche. Das sei ein unmissverständlicher Hinweis auf einen angehobenen Wurzelhorizont.

„Zudem ist davon auszugehen, dass dort bereits Wurzeln abgerissen sind und die restlichen intakten Wurzeln keinen vollständigen Bodenkontakt mehr haben.“ Die Gefahr sei groß gewesen, dass der Baum beim nächsten, bereits angekündigten Sturm aus dem aufgeweichten Boden gekippt wäre. „Aus diesem Grunde habe ich vor Ort den Naturschutzstatus aufgehoben und die Rosskastanie zur umgehenden Fällung freigegeben.“

Die alte Rosskastanie vor der Grundschule in Schaufenberg (Alsdorf) in besseren Tagen. Foto: Holger Bubel

Mit Zigarette im Mundwinkel und augenscheinlich ohne großartig von Emotionen geschüttelt zu werden, schwebte einer der Männer in Orange in der Kabine einer ausgemusterten Drehleiter der Feuerwehr um den Stamm herum. Rasseln und Husten der Kettensäge wird den Zuschauern, die das Schauspiel aufmerksam verfolgten, eher einen Schauer über den Rücken gejagt haben.

Die Schaufenberger kannten das Naturdenkmal Zeit ihres Lebens. Die alte Kastanie verschwand nicht unbemerkt. Etliche Zaungäste standen vor der Absperrung und beäugten kritisch, was hinter Bauzaun und Flatterband vor sich ging, ein Anwohner filmte die Szene von seinem Fenster aus. Auch an den Fenstern der Grundschule, vor der die Kastanie stand, lehnten Kinder und verfolgten, wie der Baum immer kleiner wurde.

Die Schaufenberger Rosskastanie ist rund 200 Jahre alt geworden. Es war mit 3,60 Meter Stammumfang der dickste Baum seiner Art in der Region.