Herzogenrath: Nadelproduktion in Herzogenrath vor Aus

Herzogenrath : Nadelproduktion in Herzogenrath vor Aus

Dieser Schock dürfte erst einmal tief sitzen: Bei einer Betriebsversammlung sind die 70 Mitarbeiter der Schmetz Nadel Produktion GmbH (SNPG) am Dienstag darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass der Geschäftsbetrieb im Laufe des Jahres 2018 eingestellt werden soll.

Damit endet die Ära der einst so lukrativen Nähnadelproduktion nicht nur in Herzogenrath, sondern in ganz Deutschland.

Von dieser Entscheidung ausdrücklich nicht betroffen sind die anderen Firmen der Schmetz Gruppe in Herzogenrath und Stolberg. Weiter bestehen werden demnach die Verwaltungs- und Vertriebsgesellschaft in Herzogenrath mit rund 40 Mitarbeitern sowie das Entwicklungszentrum, die Schmetz Innovations Center GmbH mit rund 30 Mitarbeitern in Stolberg.

SNPG-Geschäftsführung und die Arbeitnehmervertreter werden nun zusammenkommen, „um über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die geplante Maßnahme zu verhandeln“, heißt es in der flankierenden Presseerklärung.

Wirklich überraschend dürfte diese Nachricht letztlich nicht gewesen sein, sagt Alexander Mesdaghi, Geschäftsführer der Schmetz GmbH an der Bicherouxstraße, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Spezialnadelfertigung in Herzogenrath war in den Jahren 2009/2010 in den Strudel der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise geraten. 2011 schließlich startete man einen Neuanfang, nachdem die Produktionsgesellschaft für metallische Erzeugnisse (PME) innerhalb der Firmengruppe hatte Insolvenz anmelden müssen.

In der Konzentration auf hochwertige Nischenprodukte zur Verarbeitung wertvoller Textilien sah man eine Chance zum Erhalt des im Jahre 1851 begründeten Nadelstandorts Herzogenrath, die Schmetz Nadel Produktions GmbH wurde gegründet. Doch diese „erheblichen Sanierungsbemühungen um die Spezialnadelfertigung in Deutschland aufrecht und stabil zu halten“, so Mesdaghi, seien nicht von Erfolg gekrönt gewesen.

Sechs Jahre später habe man sich der Realität stellen müssen. Die Entwicklung des Produktionsstandorts sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, möchte der Geschäftsführer sich zu den Dimensionen aber nicht weiter äußern: „Fakt ist, dass SNPG schon mehrere Jahre defizitär gefahren ist.“

Vor Jahresfrist erst war die Ferd. Schmetz Gruppe vom Albstädter Familienunternehmen Groz-Beckert übernommen worden. Dass sich an Marke und am Produktionsstandort nichts ändern werde, lautete die Zusage. „Die Akquisition komplettiert das bestehende Produktportfolio in der nähenden Industrie sowie die globale Präsenz“, hatte Groz-Beckert-Unternehmenssprecherin Birte Kleefisch unserer Zeitung seinerzeit dargelegt.

„Der Beitritt zur Groz-Beckert Gruppe ermöglicht Schmetz, seine technologische und regionale Reichweite zu erhöhen. Die Kombination von Ressourcen zweier großer europäischer Unternehmen wird einen nachhaltigen Mehrwert schaffen für Endverbraucher, Händler, Markeninhaber und Maschinenbauer“, hatte Mesdaghi damals ergänzend festgestellt.

Fest stand, dass das Unternehmen Schmetz innerhalb der Groz-Beckert-Unternehmensgruppe als eigenständiges Unternehmen fortgeführt wird. Jede Sparte sei weiterhin unabhängig und getrennt geführt worden, erläutert Mesdaghi denn auch jetzt noch einmal. Und habe deswegen auch ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Was dies in absehbarer Zeit für die SNPG-Mitarbeiter bedeutet, muss sich noch herausstellen: In den folgenden Monaten wird es um Sozialplan und Interessenausgleich gehen. Inwieweit alle 70 betroffen sind, sei nicht klar, sagt Mesdaghi. „Noch sind keine Gespräche geführt worden.“

Weshalb sich auch Achim Schyns, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Aachen, mit einer Beurteilung der Schließungsankündigung zurückhält und erst das für heute anberaumte Gespräch mit dem Betriebsrat abwarten will um zu sondieren, was für das Personal in Aussicht gestellt werden könne.

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