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Würselen: Nadelhersteller will Würselen ganz verlassen

Würselen : Nadelhersteller will Würselen ganz verlassen

Der Entlassungswelle aus dem Vorjahr folgt die Schließung. Der Nadelhersteller SNF (vormals „Singer”) will seinen Standort Würselen aufgeben. Rund hundert Arbeitsplätze sind von dem Entscheid der Geschäftsführung, der am Mittwoch bekannt wurde, betroffen.

Geschäftsführerin Ulrike Koch nannte verschiedene Faktoren für diesen Schritt. Nichts habe sich seit dem Vorjahr geändert, was die Verlagerung des Nadel-Marktes nach Asien betreffe.

Eine Erholung sei auch nicht eingetreten durch die Umlegung der Produktion von Industrie- und Filznadeln nach Portugal und in die tschechische Republik. Das forderte bereits etwa 80 Arbeitsplätze. Mit dem verbliebenen Anteil von Tuftingnadeln (für so genannte Teppich-Schlingenware) werde das Unternehmen, das zum Groz-Beckert-Konzern gehört, Anfang 2005 in seinen münsterländischen Standort Raesfeld abwandern (s. auch Wirtschaftsseite).

Zu einem Sozialplan bereit

Einem „nicht unwesentlichen Teil” der Belegschaft solle angeboten werden, den „Umzug” mitzumachen. Über eine besondere Beteiligung von SNF an den damit verbundenen Kosten könne man reden. So erfuhren es am Mittwoch auch der Betriebsrat und - am Nachmittag - die Mitarbeiter. Auch zu einem Sozialplan sei das Unternehmen bereit.

Die Verlagerung der Nadelherstellung ins Münsterländische könne auch die Lohnkosten deutlich senken, argumentierte Ulrike Koch. „Diese Begründung ist absurd”, reagierte gestern Franz-Peter Beckers, Geschäftsführer der Aachener IG Metall, auf Anfrage.

„Ein großer Teil der jetzt geplanten Verlagerungen, die Produktion der Aachener Nadelfabrik Zimmermann, ist in den beiden vergangenen Jahren wegen Probleme bei der Fertigung und der Qualität aus Portugal nach Würselen zurück verlagert worden. Raesfeld im Münsterland ist wohl kaum ein Billiglohnstandort”, sagte Franz-Peter Beckers.

Hoher verkaufserlös?

Der IG Metall-Bevollmächtigte vermutet eher, dass die Entscheidung des Konzerns von einem hohen Verkaufserlös des Firmengeländes in der Kernstadt Würselens geleitet sei. Angebote der Stadt zu einem Wechsel ans Aachener Kreuz waren nach Informationen der „Nachrichten” nicht umsetzbar. „Ob an dem neuen Standort die von Spezialkenntnissen abhängige Produktion realisiert werden kann ist fraglich”, meint Franz-Peter Beckers.

Groz-Beckert hatte im Dezember erst Vertrieb und Fertigungsanlagen der Aachener Firma „Rheinnadel” übernommen. Hier gehen bis zu 200 Arbeitsplätze verloren.

Betroffen reagierte Würselens Bürgermeister Werner Breuer - ehemaliger „Singer”-Mitarbeiter - auf die Absicht der SNF-Geschäftsführung. „Eine hundertjährige Tradition geht zu Ende. Schlimmer noch: Die Stadt kann kaum den Wegfall von rund 100 Arbeitsplätzen kompensieren!” Am Donnerstag will Werner Breuer noch einmal mit der SNF-Firmenleitung in der Bahnhofstraße an einen Tisch kommen.