Herzogenrath: Nachbarschaftshilfe: Ein freundliches Lächeln, und alles ist gut

Herzogenrath: Nachbarschaftshilfe: Ein freundliches Lächeln, und alles ist gut

Vor etwa einem Jahr hatte Nicole Kasper-Kuklik (45) gemeinsam mit Ursula Kreutz-Kullmann vom Quartiersbüro „Mitten in Merkstein“ die Idee, die Nachbarschaft greifbarer zu machen und sie mit Leben zu füllen. Heißt konkret: Sie wollte, dass der Austausch und das Miteinander in ihrer Straße und Umgebung besser wird.

Aus dem Wunsch ist mittlerweile ein Zusammenschluss einiger Ehrenamtler geworden, die sich in ihrem Quartier engagieren und für Fragen zur Verfügung stehen. Kasper-Kuklik ist ein sogenannter „Infopunkt“. Sie ist Ratgeberin, Helferin und Vermittlerin in einem.

Die 45-Jährige hat zwei Kinder — sechs und neun Jahre alt. Sie hat zwar einen Minijob, wegen der Kinder ist sie aber nicht Vollzeit berufstätig. „Ich wollte mich sozial engagieren“, sagt sie — um aktiv zu bleiben und sich mit anderen Menschen austauschen zu können.

Sie hat in den vergangen Monaten kleine Flyer gebastelt und sie in die Briefkästen ihrer Nachbarn an der Johanesstraße geworfen. Grundsätzlich wurde das Projekt positiv angenommen, auch wenn die Nachfrage manchmal noch etwas besser sein könnte. Man dürfe eben auch nichts Großes erwarten. Und so sind es die kleinen Dinge, die Kasper-Kuklik bei ihrer Arbeit für die Nachbarschaft so schätzt. Blumengießen, Gartengeräte ausleihen, Kuchenbacken oder einfach mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn Fragen sind. Und die gibt es zur Genüge.

Was muss ich beachten, wenn ich eine Gartenparty veranstalten? Muss ich in jedem Fall Gema-Gebühren bezahlen und muss ich eine Veranstaltung in meinem Garten anmelden? Wer holt meine Post, wenn ich mit meinem gebrochenen Bein keine Treppen steigen kann? Wer hilft mir bei meinen Einkäufen? Woher weiß ich, welche Pflegestufe mein Mann haben könnte? „Wir stellen schon fest, dass viele eigentlich nur auf die Organisation der Nachbarschaft gewartet haben“, sagt Kasper-Kuklik.

Alle Fragen, die bislang aufgetaucht sind, hat Kasper-Kuklik gesammelt. Daraus will sie eine Informationsbroschüre erstellen. In den kommenden Wochen soll diese in den Druck gehen. „Kleinigkeiten“ fehlten noch. Aber Kreutz-Kullmann will sich beeilen, sagt sie. Dass diese Broschüre längst überfällig ist und ein großer Gewinn für die Bürger sein könnte, daran hat auch Kreutz-Kullmann keinen Zweifel. Die Broschüre soll Abhilfe schaffen und die Fragen der Bürger beantworten. Es werden Ansprechpartner und Adressen aufgelistet. Der persönliche Kontakt zu den Ehrenamtlern bleibt aber weiterhin bestehen. Die beiden Damen verstehen die Broschüre als Ergänzung.

Kasper-Kuklik und Kreutz-Kullmann haben sich Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe auf die Fahne geschrieben. „Manchmal wirke ich vielleicht etwas aufdringlich. Aber ich setze mich für ein gutes Miteinander und eine harmonische Nachbarschaft ein“, sagt Kaper-Kuklik. Und nur weil jemand nicht den Mut hat zu fragen, heißt es ja nicht, dass er keine Hilfe braucht, glaubt Kasper-Kuklik. „Keiner schreit nach Hilfe. Das ist nun mal so in unserer Gesellschaft“.

Internet nicht immer die Lösung

Kasper-Kuklik handelt nach einem bestimmten Motto . „Wenn ich es nicht weiß, weiß ich zumindest jemanden, der es weiß“. Das Motto hat auch Heinz Bekeschus (61). Er hatte eigentlich nie etwas mit Nachbarschaftshilfe am Hut. Bis zu dem Zeitpunkt, als der Mann einer Bekannten plötzlich gestorben ist und die 86-Jährige Dame überfordert war und nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Bekeschus hat sich damals um die Angelegenheiten der Bekannten gekümmert. Er hat die Konten des Mannes gekündigt, Versicherungen kontaktiert, Auskünfte bei der Rentenversicherung eingeholt.

„In Zeiten des Internets hätten die meisten das vermutlich gegoggelt“, sagt Bekeschus. Und ergänzt: „Viele vergessen, dass es beinah eine ganze Generation gibt, für die die Suche via Internet nicht so einfach ist“. Umso wichtiger sei es, dass sich Alt und Jung vernetzten.

Bekeschus hat in der Situation damals erkannt, dass Themen wie Pflegeversicherung, Medizinischer Dienst und Heimplatz, so lange aufgeschoben werden, bis es schon fast zu spät ist. Er verstehe das auch. Aber daher sei es auch nicht verwunderlich, dass viele Menschen von einigen Themen rund ums Älterwerden keine Ahnung haben. Seitdem läuft Bekschus mit offenen Augen durch die Welt. Er fragt mehr nach. Er bietet häufiger seine Hilfe an. Und stößt dabei immer wieder auf Menschen, die ihm dafür dankbar sind.

Bekeschus, Kasper-Kuklik und Kreutz-Kullmann haben noch einen langen Weg vor sich. Aber egal, wie oft ihr Angebot auch abgelehnt wird, mit jedem Lächeln, das sie bekommen, sehen sie sich bestätigt.

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