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Alsdorf: Nach Regen Land unter auf der Baustraße

Alsdorf : Nach Regen Land unter auf der Baustraße

Sie haben sich ihren großen Traum erfüllt: Ein neues Haus im neuen Herzen der Stadt Alsdorf ist ihr Eigentum geworden.

Doch während drinnen hinter den roten und blauen Reihenhausfassaden im Schatten des altehrwürdigen Hauptschachts alles glänzt und liebevoll hergerichtet worden ist, um ein gemütliches Zuhause zu schaffen, siehts vor den Haustüren weitaus anders aus - schlimm und nicht mehr länger hinzunehmen, wie zahlreiche Neubürger in einem Ortstermin gegenüber der AZ energisch Klage führten: Die Anwohner der Straße Am Sägewerk sind stinksauer - aus nachvollziehbarem Grund.

Hinweisschild fehlt

Zwar hat sich ihre missliche Lage angesichts des sonnigen Wetters der letzten Tage zumindest in einem Kritikpunkt etwas entspannt. Aber das ist sozusagen nur eine vorübergehende Erscheinung.

Denn wenn der nächste Regen vom Himmel fällt, gehts unbarmherzig wieder los: Gummistiefel anziehen - und dann ab durch die „Alsdorfer Seenplatte”. Ohne das passende Schuhwerk drohen schon nach relativ bescheidenem Nass von oben auch noch nasse Füße.

Am Sägewerk: Es ist ein kleines Kunststück, die Straße überhaupt zu finden. Denn obwohl die ersten Siedler knapp zwei Jahre dort leben, warten sie bis jetzt immer noch auf ein Straßenschild. Man könnte meinen, der schlechte Zustand dieser Baustraße ist als „Hinweisschild” für Ortsunkundige gedacht... Aber das kanns ja nicht wirklich sein!

Einer der Zuzügler ist Raimund Scheiris mit seiner jungen Familie. Zuvor haben sie in Würselen gelebt, Scheiris arbeitet in Baesweiler.

„Wir fühlen uns eigentlich sehr wohl in Alsdorf”, bedauern die Scheiris ihre Entscheidung, aufs ehemalige Zechengelände zu ziehen, keineswegs: Das breitgefächerte Angebot mit kurzen Wegen zum Einkaufen, zu attraktiven Freizeitaktivitäten, zur Schule und zur Naherholung im Grünen waren gute Argumente, welche die Wahl des Wohnsitzes leichtgemacht hatten. Und mit dieser grundsätzlich positiven Überzeugung steht die Familie Scheiris nicht allein, wie mehrere Nachbarn gegenüber der AZ mit Überzeugung bekundeten.

Am Sägewerk: Das ist noch eine Baustraße. Doch längst hat der Aachener Investor Georg Quadflieg die letzte Baulücke geschlossen. Der Endausbau könnte eigentlich erledigt sein.

Auch die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) würde gerne das hässliche Bild der Straße aufpolieren, die Arbeiten in Auftrag geben. Doch LEG-Projektmanager Christoph Kemperdick zuckt mit den Schultern: Noch fehlt ihm das Geld, um die Baukolonnen in Marsch setzen zu können. Und wann es vielleicht fließen könnte, kann er nicht verlässlich sagen. Prinzip Hoffnung: Man strebe an, die Misere in diesem Jahr zu beenden. Aber garantieren kann er das nicht.

Das reicht Raimund Scheiris und seinen Nachbarn nicht. Scheiris, im August 2004 eingezogen, will „nicht noch einen dritten Winter hier im Schlamm verbringen müssen”. Nachbarin Julia Carstens pflichtet ihm bei.

Und auch Stefan Forster und all die anderen Mitbürger vom Anna-Gelände wollen schnellstens Fakten sehen. „Uns reichts!”, schimpfen sie unisono. „Wir sind ja geduldig”, fügt Scheiris an, aber genug sei eben genug! Wenn seine Frau an feuchten Tagen die Kinder zum Kindergarten auf dem Anna-Gelände bringen will, hat sie Mühe, mit dem Kinderwagen durch den Schlamm vorwärts zu kommen.

Es besteht also dringender Handlungsbedarf!