1. Lokales
  2. Nordkreis

Herzogenrath: Nach der Lesung im Schweigemarsch zum Mahnmal

Herzogenrath : Nach der Lesung im Schweigemarsch zum Mahnmal

„Das darf sich nie wiederholen!“, sind sich die Bürger an diesem Abend in Herzogenrath einig. Zum Gedenken an die schandhaften Ereignisse der Pogromnacht vom 9. November 1938 fand am Montagabend eine Mahn- und Gedenkveranstaltung statt, die von großer öffentlicher Anteilnahme begleitet wurde.

Zum Start mit einer szenischen Lesung mit Astrid Kempen, Michael Strack und Nele Kempen vom Aixpertentheater versammelten sich rund 50 Bürger im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen. Die drei Schauspieler trugen die Biografie von Olga Gutmann Benario vor, die in dem Buch „Olgas Raum“ von Dea Loher niedergeschrieben wurde. Mit ergreifenden Worten und ohne jede Kulisse oder Requisite brachten die Theaterleute das Schicksal der Frau dar, die mit noch nicht einmal 15 Jahren den Weg zur Schwabinger Gruppe der mittlerweile illegalen Kommunistischen Jugend fand.

Mit Entschlossenheit und Idealismus verließ Olga 1926 ihr jüdisches Elternhaus, um ihre Arbeit für die Kommunistische Partei in Berlin zu intensivieren. Über ihre Hochzeit mit dem legendären brasilianischen General einer Revolutionsarmee Luis Carlos Prestes und bis hin zur Verhaftung schildern die Schauspieler das Geschehen eindringlich. Im Gefängnis stellt Olga fest, dass sie schwanger ist. Das Kind kann gerettet werden. Doch Olga wird im Februar 1942 in der zu diesem Zweck eigens von den Nazis umgebauten Psychiatrischen Klinik in Bernburg vergast.

Tief beeindruckt von diesen Schilderungen begaben sich die Besucher der Lesung gemeinsam mit Bürgermeister Christoph von den Driesch und dem Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ auf einen Schweigemarsch zum Rathausvorplatz. Von der Dahlemer Straße aus ging es über Ritzerfeld zum Mahnmal für die Opfer des Holocausts.

Zum 77. Jahrestag der Pogromnacht erinnerten hier Schüler des Gymnasiums an das Schicksal von Herzogenrather Juden, die sich eine bessere Zukunft außerhalb von Deutschland erhofften. Massive Ausschreitungen gegen Synagogen, jüdische Geschäfte und Bürger versetzten sie in Angst und Schrecken, so dass viele flüchteten. Angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme wurde auch vor aufkeimendem Rechtspopulismus gewarnt.

In einer Ansprache erinnerte Bürgermeister Christoph von den Driesch an die ermordeten Juden Herzogenraths und alle Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Im Namen aller legte er ein Blumengebinde ab.

Nach einer Schweigeminute endete die Veranstaltung — nicht aber das Gedenken. Am Rande der Veranstaltung ergaben sich viele Gespräche unter den Bürgern, die in ihrer Familie noch Zeitzeugen haben. Aufgrund des hohen Alters der Betroffenen mehren sich die Ideen, das Erlebte schriftlich zu dokumentieren.