Nach der Insolvenz von Thomas Cook haben die Reisebüros Stress

Reisebüros unter Dauerstress : „Uns hat die Insolvenz eiskalt erwischt“

Die Reisebüros haben derzeit alles andere als Urlaubsstimmung im Kopf. Ratlosigkeit und Sorgen herrschen nach der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook. Die Kunden sind verunsichert.

Eigentlich ist die Arbeit im Reisebüro damit verbunden, den Kunden möglichst alle Wünsche erfüllen zu können und für Vorfreude zu sorgen. Vorfreude auf Erholung, eine Abenteuerreise oder einen Städtetrip. Von Urlaubsstimmung und Erholung ist auch in den Reisebüros im Nordkreis aber derzeit wenig zu finden. Stress, Ratlosigkeit und Sorgen herrschen hier in diesen Tagen in der Touristik. Schuld ist die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook, dessen deutsche Tochtergesellschaft mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen ebenfalls pleite ist.

„Die Situation ist zurzeit schwierig“, sagt Claudia Hermanns, Büroleiterin im Baesweiler Reisebüro Daniel Plum. Das Telefon stehe nicht still, vor Ort werden pausenlos verunsicherte Kunden beraten. Genaue Informationen zu bekommen, sei auch für das Reisebüro schwierig. „Wir gucken im Minutentakt auf Newsticker, haben Kontakt zu Kollegen und gucken ständig, ob es neue Informationen vom Veranstalter gibt. Wir kriegen auch nur stückchenweise Infos“, sagt Hermanns.

 In diesen Worten, so scheint es, spiegeln sich die Anstrengung der vergangenen Tage und auch die Unsicherheit wider, wie es weitergeht. Die Mitarbeiter im Reisebüro können nur auf die Lage reagieren, ihre Kunden oft nur vertrösten und die Infos weitergeben, die sie derzeit selbst bekommen.

Für Kunden, die ihre Pauschalreise noch nicht angetreten haben, besteht die Chance, aufgrund der Insolvenzversicherung ihr Geld zurückzubekommen. 110 Millionen Euro beträgt die gesetzliche Haftung für Pauschalreisen. Der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros geht aber davon aus, dass etwa dreimal so viel Geld nötig ist, um die Kosten abzudecken.

Bei denjenigen, die schon im Urlaub sind, gebe es laut Hermanns ebenfalls viel zu regeln. Hier komme es darauf an, ob der Urlaub intern schon abgerechnet und bezahlt ist. Wenn nicht, kann es vorkommen, dass Hotels die Kunden bitten, Geld zu zahlen. „Wir arbeiten in beide Richtungen. Die Kunden kommen einerseits natürlich auf uns zu. Aber wir versuchen auch, vorab schon viele telefonisch zu erreichen, um die aktuelle Lage zu erklären.“

Verständnis sei bei vielen Reisewilligen aber da und die Kooperation gegeben. „Die Kunden sind sehr nett und verständnisvoll. Sie wissen, dass die Reisebüros nicht für die Situation verantwortlich sind und wollen vor allem Gewissheit“, sagt Hermanns. Dennoch komme die Frage, ob die Pleite nicht absehbar gewesen sei und die Büros sich nicht hätten vorbereiten können. „Uns hat es eiskalt erwischt, als die Insolvenz-Bombe geplatzt ist. Hätten wir es geahnt, dann hätten wir uns die Arbeit, die wir jetzt haben, auch gerne erspart.“

200.000 Euro Provision fehlen

Provisionen für die Reisebüros bei Buchungen fallen nun weg. Nicht nur Hermanns sieht hier ein Problem. Der größte Reisevermittler im Nordkreis, der Reisebaron mit Sitz in Alsdorf, hat nun öffentlich mitgeteilt, dass ihm ausstehende Provisionen von 200.000 Euro nicht mehr ausgezahlt würden. „Leider sehen wir uns daher gezwungen, unseren kostenlosen Transfer und die Auszahlung der Rückvergütung bis zum 31.12.19 einzustellen.“

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