Mutter muss ins Gefängnis, nachdem sie ihr Baby geschüttelt hat

Schütteltrauma : Gericht verurteilt Mutter aus Herzogenrath zu Gefängnisstrafe

Eine 27-Jährige Herzogenratherin schüttelte ihr Baby so heftig, dass es erblindete. Nun ist sie zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Drei Jahre und sechs Monate Haft wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzung hielt die Aachener Schwurgerichtskammer für schuldangemessen angesichts der Tat einer 27-jährigen dreifachen Mutter aus Herzogenrath. Die Mutter, da war  sich der Vorsitzende Richter Roland Klösgen in der Urteilsverkündung sicher, hat am frühen Nachmittag des 19. Dezember 2016 ihren damals drei Monate alten Sohn so massiv geschüttelt, dass er mit starken Blutergüssen im Schädelinnenraum durch einen Notarzt in die Aachener Uniklinik gebracht werden musste.

Dort konnte zwar mit einer Notoperation das Leben des kleinen Kindes gerettet werden, jedoch hat es nach Einschätzung der Gutachter sein Augenlicht für immer verloren. Das Gericht war sich nach der zweitägigen Beweisaufnahme „im Gegensatz zu anderen Fällen, in denen es um Schütteltraumata bei Säuglingen geht“ (Richter Klösgen) absolut sicher, die Schuld der Angeklagten nachgewiesen zu haben, obwohl sie selbst die Tat nicht gesteht. Die Mutter hatte während der gesamten Verhandlung geschwiegen, jedoch hätte niemand anderes, so das Gericht, die Möglichkeit gehabt, dem Kind die schweren und für ein Schütteltrauma absolut typischen Verletzungen beizubringen. Der Vater des Kindes und Ehemann der Mutter kam als Täter nicht in Betracht, weil er seit dem Morgen jenes Tages seiner Mutter bei der Renovierung ihrer Wohnung geholfen hatte, diverse Zeugen bestätigten dies.

Die 27-Jährige war am Morgen vor den traurigen Ereignissen aus der Wohnung der Familie zu einer U4-Untersuchung beim Kinderarzt aufgebrochen. Auch ihre beiden anderen Kinder nahm sie mit. Die Kinderärztin stellte eine Bronchitis fest, aber keine sonstigen körperlichen Beeinträchtigungen des Säuglings, insbesondere keine Sehstörungen. Als die Mutter aber zwischen drei und halb vier am Nachmittag den Notarzt alarmierte, sah es bereits schlecht aus für das Kind, es krampfte stark und verdrehte die Augen. Die kinderärztliche Untersuchung war also ein wichtiges Indiz, das zum Schuldspruch des Schwurgerichts führte.

Ältere Blutungen entdeckt

Bei der Schwurgerichtskammer hatte die Staatsanwaltschaft den erheblichen Vorwurf der versuchten Tötung des Säuglings angeklagt. Die Ärzte hatten auch bei der klinischen Untersuchung des Kindes bereits ältere Blutungen in seinem Kopf diagnostiziert, es könnte also einen weiteren Vorfall des Schüttelns gegeben haben, der allerdings nicht angeklagt war.

Die Kammer hielt der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit dem dritten Kind heillos überforderten Mutter zugute, dass sie nach ihrer Tat umgehend den Notarzt angefordert hatte. Juristisch wird diese unmittelbare Handlung nach dem Vorfall als ein strafbefreiender Rücktritt von der Tötungsabsicht gewertet, die lebensgefährliche schwere Körperverletzung an dem Kind mit drohender Lebensgefahr blieb selbstredend bestehen – und führte zu der verhängten Freiheitsstrafe.

Ausdrücklich stellten die Richter fest, dass die von allen Zeugen als fürsorglich und aufopferungsvoll beschriebene Mutter durchaus gut mit ihren beiden anderen Kindern umgegangen sei. Zweifellos sei sie allerdings mit einem Ehemann, der nichts zu Hause getan habe und zudem als Schichtarbeiter auch tagsüber seine Ruhe einforderte, mit ihren zwei größeren Kindern und dem oft schreienden Baby überfordert gewesen.

 „Gerade Mütter, die eine solche Fürsorge an den Tag legen, können sich oftmals selber nicht eingestehen, dass sie solch eine Handlung  zugelassen haben“, widmete sich Klösgen dem Schweigen der Angeklagten, die in den polizeilichen Ermittlungen die Tat bestritten hatte.

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