Herzogenrath: Multifunktionale Kirche nimmt Form an

Herzogenrath: Multifunktionale Kirche nimmt Form an

Aus einem kleinen Baustellenradio ertönt der aktuelle Hit von Coldplay und The Chainsmokers „Something just like this“. Ein Bauarbeiter steht rund zehn Meter in der Höhe auf einer Hebebühne und schraubt einige Lampen an. An anderer Stelle wird vermessen, geschraubt, und geschliffen. Noch kommt die Musik nur aus dem Radio. Das könnte bald anders sein.

Seit Januar wird die katholische Kirche St. Mariä Verkündigung in Bank saniert und so umgebaut, dass das Gotteshaus voraussichtlich ab August multifunktional nutzbar sein wird. Eigentlich ist die Kirche ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen — zum Beten oder um einen Moment innezuhalten.

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Dass Kirche aber auch ein Ort sein kann, an dem zum Beispiel ein DJ vor dem Altar an seinen Plattentellern dreht, eine Balletttruppe ihre Tänze aufführt oder in der Jugendliche für ältere Menschen ein Konzert veranstalten, ist für viele Kirchgänger unvorstellbar. In St. Mariä Verkündigung soll das aber bald Realität und Alltag werden.

Als am 16. Januar die ersten Bagger in der Kirche rollten, war das für viele Gemeindemitglieder ein harter Schlag, erinnert sich Projektleiter Arnold Dohmen, der selbst seit 76 Jahren der Gemeinde angehört. „Das war bei vielen vor allem eine emotionale Sache“, sagt er. Denn die meisten Besucher kennen die Kirche seit Kindertagen. Veränderungen habe es in den vergangenen Jahren kaum gegeben. Dass plötzlich ganze Böden herausgerissen und neue Wände aufgezogen werden, sei für viele Kirchgänger eine ganz neue Erfahrung gewesen, mit der sie erst einmal zurechtkommen mussten.

Aber: „Mittlerweile kommen viele hierhin und schauen, wie die Umbauarbeiten laufen. Wir zeigen ihnen gerne, was wir vorhaben“, sagt Pfarrer Rainer Thoma. Unter dem Stichwort „Kirchliches Immobilienmanagement“ (KIM) war im vergangenen Jahr beschlossen worden, welche Objekte das Bistum Aachen noch weiter unterhalten könnte und welche nicht. Für St. Mariä kam die Idee der Umstrukturierung also gerade noch rechtzeitig. Das angrenzende Jugendheim hätte ohnehin abgerissen werden sollen.

Außer den Fenstern erinnert im Inneren der 1953 erbauten Kirche heute so gar nichts mehr an ihr ursprüngliches Aussehen. Bänke wird es nicht mehr geben, Stühle sollen her, weil die weniger Platz wegnehmen. Es wird Parkett verlegt. Die Decke wurde bereits mit einer speziellen Akustik und neuen Lampen ausgestattet. Auch das alte Taufbecken verschwindet.

Ein neues, moderneres Konstrukt soll her. Das kann St. Mariä Verkündigung aus Geilenkirchen übernehmen — die Kirche dort wird nämlich bald schließen. So wäre es vermutlich auch St. Mariä gegangen, hätte es die Idee der multifunktionalen Kirche nicht gegeben, glauben Dohmen und Thoma zu wissen. Für beide ist die neue Nutzung der Kirche ein Schritt nach vorne. Selbst der Kreuzweg, der auf Bildern an der linken und rechten Kirchenseite zu sehen ist, wurde modernisiert.

So sind die Bilder in Holz gerahmt worden. „Jetzt kommen die Farben der Bilder viel besser zur Geltung“, sagt Thoma und ist sich seiner Sache sehr sicher. Das neue Gotteshaus hat sogar einen Beamer, Wlan-Zugang und einen Aufzug. Richtig modern also.

Der ehemalige Altarbereich mit seinen 70 Quadratmetern ist weitestgehend unberührt geblieben. Lediglich der Altar wurde um etwa 85 Zentimeter versetzt — so ist mehr Platz und der Ambo wird in Zukunft drehbar sein. Der Bereich wird, außer an den Tagen, an denen in der Kirche ein Gottesdienst stattfindet, mit einem Metallvorhang abgetrennt, damit für Veranstaltungen, wie etwa Konzerte, Vereinstreffen oder Lesungen genügend Platz bleibt. Das neue Gemeindehaus bietet sogar Platz für private Veranstaltungen — so können zwei Räume für bis zu 60 Personen gemietet werden.

Für Dohmen und Thoma ist alles vorstellbar. „Die neue Nutzung der Kirche wird das Gemeindeleben beleben. Hier in Bank ist ja nichts. Kein Café, keine Geschäfte“, sagt Dohmen. Die Kosten für das Bauvorhaben liegen bei rund 650.000 Euro. Derzeit liege man absolut im Kostenrahmen, sagt Dohmen.

Auch um die Kirche herum wird sich einiges verändern: Die angrenzende Wiese wurde verkauft. Dort sollen in Zukunft Eigentumswohnungen entstehen. Sorge, dass Pfarrfeste nicht mehr stattfinden können, bräuchten die Gemeindemitglieder aber nicht haben, sagt Thoma. Es sei auch so genügend Platz, um auch weiterhin im Schatten des Kirchturms von Sankt Mariä feiern zu können.