Würselen - „Muita Merda“: Kritische und komische Satire gezeigt

„Muita Merda“: Kritische und komische Satire gezeigt

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Ami – spy home! Katharina Lennartz und Jürgen Jansen nehmen den Abhörskandal durch die NSA und den „gläsernen“ Bürger in spitzer Parodie unter die Lupe. Foto: Yannick Longerich

Würselen. Auch wenn aus gutem Grund auf eine wörtliche Übersetzung des Namens der Künstlergruppe verzichtet wird – er war definitiv nicht Programm! Die Aachener Aktionsgemeinschaft „Frieden Jetzt“ durfte im Alten Rathaus die fünfköpfige Kabarettgruppe „Muita Merda“ präsentieren.

Mit ihrem Programm „Yes, we scan!“ boten die fünf Hobby-Kabarettisten eine kritische, wie schreiend komische Satire auf die aktuellen Entwicklungen bei bundes- und weltpolitischen Themen.

Wenn innerhalb weniger Jahre ein optimistisches „Yes, we can!“ zum „Yes, we scan!“ mutiert und von der einstigen Vision „I have a dream“ nur noch eine Obama-Karrikatur mit der Aufschrift „I have a drone“ übrigbleibt, sollte man selbst schon einmal die Wirklichkeit genauer „scannen“. Das unsichtbare und doch allgegenwärtige Gespenst der Totalüberwachung blieb der rote Faden im Programm, das seine spitze Satire beispielsweise über die Rüstungspolitik, die dubiose Lobbyarbeit oder das allzeit aktuelle Thema des Flüchtlingsstroms spannte.

Drittes Programm

Iris Witt, Jodie Bockholt, Jürgen Jansen, Katharina Lennartz, Kurt Lennartz und Lydia Hilgers (Piano) haben sich bei einem Kurs der Volkshochschule Aachen kennengelernt und bringen seit 2012 schon ihr drittes gemeinsames Programm auf die Bühnen der Städteregion.

Hervorzuheben ist die bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit aller Akteure. Die Merkel- und Gauck-Parodien konnten durchaus mit den Satire-Formaten in Funk und Fernsehen mithalten. Während Gauck in seiner knuffig-großväterlichen Art vor Lebenspartnerin Daniela Schadt einen großen Haufen politischen Nonsens in Bezug auf sein Lieblingswort „Freiheit“ schwadronierte, gab Merkel Einblick in private Telefonate mit Ehemann Joachim Sauer und ihrem alten Busenfreund Barack Obama. Garniert war natürlich alles mit einer gepfefferten Prise Sarkasmus, wenn Merkel beispielsweise ihren Mann versetzt, weil die Rüstungslobby zum unverbindlichen Plausch bei Hummer und Champagner geladen hat. Joachim Gauck hingegen zelebriert die „Freiheit“, während er zeitgleich der NSA Tür und Tor öffnet.

Die Sketche waren lose miteinander verankert, und jeder der Künstler steckte im Laufe der Vorführung in unzähligen Verkleidungen, vom Trenchcoat mit Sonnenbrille, über das Lobbyisten-Sakko bis hin zum Merkel‘schen „Hosenanzug“.

Wandelndes Wahrnehmungsbild

Besondere Anerkennung vom begeisterten Publikum bekam die groß angelegte Persiflage auf die undurchschaubare Umweltpolitik in Deutschland und allem auch im benachbarten Belgien. Fiktiv wurde im maroden Atomkraftwerk Tihange eine Kernschmelze verursacht. Als diese dann vermeldet wird, sehen alle Regierungsvertreter lediglich den dadurch sprunghaft ansteigenden Strompreis als die einzige Katastrophe an. Ein wütender Bürger wählt die Opposition – ein Toter wählt gar nicht!

In gemütlicher Runde plauderten die Künstler sichtlich erleichtert nach dem gelungenen Auftritt noch gegenüber unserer Zeitung über die Hintergründe ihres Programms. Iris Witt betonte, „dass der Wunsch nach der Möglichkeit zum Denkanstoß bei unseren Zuhörern immer eine große Motivation war und ist.“

Katharina Lennartz fügte hinzu, „dass bei allen Mitgliedern ein grundsätzlich tief verankertes Interesse an Politik vorhanden ist, was zwangsläufig dazu führt, strittige Entscheidungen kontrovers untereinander zu diskutieren. Dies bietet dann auch immer die Möglichkeit, das jeweils aktuelle Programm damit zu erweitern. Gerade die Aktualität ihres Programms führte schon des öfteren zu unterschiedlichen Reaktionen im Publikum.

Jürgen Jansen berichtete von einem Kurzauftritt im Spätherbst 2015 im Aachener Raum zum „Siedepunkt“ der „Willkommenskultur“: „Einige Sketche, die den mangelhaften Umgang der EU mit der Flüchtlingsproblematik karikieren, wurden zu dieser Zeit eher weniger vom Publikum angenommen. Es ist sehr interessant, wie sich das Wahrnehmungsbild der Öffentlichkeit schon innerhalb weniger Wochen ändern kann.“

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