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Alsdorf: Modell der ehemaligen Alsdorfer „Castorkirche“ fertiggestellt

Alsdorf : Modell der ehemaligen Alsdorfer „Castorkirche“ fertiggestellt

An die Originalvorlage haben nur noch die älteren Jahrgänge eigene Erinnerungen. Die sogenannte „Blechkirche“ der Pfarre St. Castor — unmittelbare Vorgängerin der heutigen Pfarrkirche — ist längst nicht mehr allen Alsdorfern ein Begriff. Vom Gebäude, welches durch seine Zinkplatten-Verkleidung überregionale Bekanntheit erlangte, waren bis zuletzt nur noch einige wenige Fotos übrig geblieben.

Karl-Bernd Ghislain, Archivar des Geschichtsvereins Alsdorf, nahm in Absprache mit den Kollegen vor mehr als vier Jahren Kontakt zum begeisterten Modellbauer Dr. Christoph Meixner auf. Der pensionierten Physiker hat es sich während seines Ruhestands zur Aufgabe gemacht, historische Gebäude als Modell nachzubauen. Die „Blechkirche“ sollte dann einst ebenfalls als Miniatur wieder zum Leben erwachen.

Schutz vor Bergbauschäden

Bei der aktuellen Ausgabe des „Jour Fix“ konnte der Vorstand des Geschichtsvereins seinen Gästen nun endlich nach langer Wartezeit die 1962 abgerissene, alte „Castorkirche“ im Mini-Format präsentieren. Ehrenvorsitzender Rudi Bast führte die Zuhörer zunächst ein in die lange Historie des Kirchenstandorts an der Alsdorfer Burg.

700 Jahre reichen die vorliegenden Quellen zurück, vieles spricht jedoch dafür, dass schon viel länger eine Kirche dort ihren Platz hatte. „Vielleicht war es ein Holzbau, von dem keine Überreste gefunden werden können. Das ist ein wahrscheinliches Szenario“, erläuterte Bast. Von der mittelalterlichen Kirche, die noch an anderer Stelle errichtet wurde, sind heute noch Überreste in der Friedhofskapelle verbaut.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Grundstein der späteren „Blechkirche“ gelegt. Im Zuge des sich ausbreitenden Bergbaus setzten die Planer lediglich auf einen gemauerten Sockel. Darüber stand ein Fachwerk-Gebilde, dessen Fassaden mit den namensgebenden Zinkplatten verkleidet wurden. Grund dafür war die enorme Gewichtseinsparung. Um Bergbauschäden vorzubeugen, setzten die Architekten auf einen schlanken und leichten Bau.

Nachdem die Kirche sowohl den Bergbau als auch den Krieg ohne nennenswerte Schäden überstanden hatte, wurde sie Ende 1962 zugunsten eines größeren Gotteshauses an selber Stelle abgerissen. Meixner hatte über 50 Jahre später lediglich Zugriff auf 25 Fotoaufnahmen und drei gesicherte Maße, aus denen er die baulichen Parameter des Gebäudes rekonstruieren musste.

„An vielen Stellen musste improvisiert werden, beispielsweise konnte ich mir die Dachhöhe über eine Verlängerung des Giebels bis zum Kirchturm ableiten“, erklärte er. Fast zwei Monate an filigraner Arbeit steckte Meixner in dieses Projekt. Am Ende erreichte er sein persönliches Ziel — ein schlichtes „Ja, so sah die Kirche wirklich aus“ sei der höchste Lohn für seine Arbeit.

Ob das Modell künftig auch im Archiv des Geschichtsvereins ausgestellt wird, darüber beraten Meixner und Ghislain noch.