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Würselen: Mittelalterliche Tafel bald mit neuem Glanz

Würselen : Mittelalterliche Tafel bald mit neuem Glanz

Restauratorin Carmen Seuffert bezeichnet sie als absoluten Glücksfall. „Eine so gut erhaltene mittelalterliche Tafel begutachten und restaurieren zu können ist auch für mich nicht alltäglich”, sagt sie mit Blick auf das vor ihr aufgeklappte Triptychon.

Es ist 99 Zentimeter hoch und 85,5 (geschlossen) beziehungsweise 171,5 Zentimeter (geöffnet) breit und zeigt als Hauptthema die Anbetung der Heiligen drei Könige. Auf den Seitenflügeln sind die Petrus mit Schlüssel, Andreas mit dem Balkenkreuz, Jakobus der Ältere mit dem Pilgerstab und der Heilige Nikolaus von Myra dargestellt.

Altarbild in der Kirche

Das Kunstwerk aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts gehört der Würselener Gemeinde St. Sebastian, die ihren Schatz wieder in altem Glanz erstrahlen lassen und zukünftig gerne besser vor dem Zahn der Zeit schützen will. „Das Bild hat zuletzt viele Jahrzehnte lang weitgehend unbeachtet im Pfarrhaus gehangen. Wir würden es nun wieder gerne in die Kirche hängen, weil durch die stärkere Nutzung der Räumlichkeiten der Platz im Pfarrhaus nicht mehr günstig ist und weil es als Altarbild auch in die Kirche gehört”, erläutert Gemeindemitarbeiter Hubert Wickerath.

Dazu ist das Triptychon im März nach Köln umgezogen, in die Werkstatt von Carmen Seuffert. Sie hat das Bild zunächst untersucht und die Malschicht gesichert. „Holz arbeitet, und ist die Luft zu trocken, schrumpft es und die Malschicht bekommt lauter kleine Risse und hebt sich ab”, erläutert sie. Insgesamt, so Seuffert nach ihren Untersuchungen, hat das Triptychon aber Glück gehabt.

Sie hat das Bild einer vorsichtigen Oberflächenreinigung unterzogen und unter UV-Licht auf starke Übermalungen hin untersucht. Diese Stellen zeigen, wo in der Vergangenheit kaputte Stellen mit Farbe repariert worden sind und wie viel vom Original darunter noch vorhanden ist. Ergebnis: Erfreulicherweise sind offenbar besonders die Gesichter kaum angetastet worden. Auf der Mitteltafel ist laut Seuffert vor allem die Hintergrundarchitektur übermalt worden, und auf den Außenseiten wurde stellenweise „viel drüber gepampt”.

Um den Schäden genauer auf den Grund zu gehen, hat sie an der Außenseite den Firnis und die Übermalung abgetragen. Das Ergebnis stimmt hoffnungsfroh, es ist noch genügend Original darunter erhalten, das restauriert werden kann. „Wichtig ist, zu sehen, ob ich eine Ruine freilege. Dann macht das bei einem Bilde, das in einer Kirche hängt, wenig Sinn. Die Leute würden das nicht verstehen”, erklärt die Restauratorin.

Begleitet werden die Arbeiten von der Rheinischen Denkmalpflege. Das Würselener Triptychon ist auch kunsthistorisch ein besonderes Stück. „Das Wallraff-Richartz-Museum würde unser Triptychon sofort ausstellen”, erklärt Hubert Wickerath nicht ohne Stolz. Die Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass der Künstler etwas von seinem Fach verstanden hat. „Man findet kaum Vorzeichnungen, er war seiner Sache sehr sicher”, erläutert Expertin Carmen Seuffert. Die Tafel sei auch künstlerisch von großartiger Qualität. Ein Glücksfall eben, für die Gemeinde und die Restauratorin.