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Würselen: Mit Nuhr auf der Überholspur

Würselen : Mit Nuhr auf der Überholspur

Eigentlich ist er ein völlig unscheinbarer Typ - für einen Comedian zumindest. Marke: charmanter Schwiegersohn.

Doch wer glaubt, Dieter Nuhr könnte kein Wässerchen trüben, der irrt sich gewaltig. Denn einfach nur, so wie es der Titel seines neuen Programms „Ich bins Nuhr” vermuten lässt, ist bei ihm rein gar nichts.

Das stellten auch schnell die zahlreichen Zuschauer im restlos ausverkauften Rund der Bardenberger Freilichtbühne Burg Wilhelmstein fest. Da sage noch mal einer, dass ein geistreicher Komiker kein Publikumsmagnet sei.

Nuhr weiß, dass sich seine Gene als Mensch nur unwesentlich von denen eines Schimpansen unterscheiden. Deshalb bleibt er lieber auf dem Teppich und beschäftigt sich mit den wichtigen Fragen: Wie ist der Mensch? Und warum ist das nicht verhindert worden?

Doch wo findet Nuhr das wahre Wesen der Spezies Mensch? Ganz klar: auf der Überholspur der Autobahn - „bei Tempo 80 auf der linken Spur. Schauen sie dann einfach mal in den Rückspiegel. So ist er, der Mensch”. Und bei den nachmittäglichen Talkshows, da freut sich das Herz des Comedians, wenn er echte Sozialstudien betreibt.

Laute Töne sind seine Sache nicht. Doch dafür ist er in seinen Aussagen um so klarer. Hinter seinem netten Lächeln verbirgt sich ein tiefschwarzer Humor.

Nuhr befasst sich mit den großen Rätseln der Menschheit: mit Gott, dem menschlichen Gehirn und anderen Organen. Manchmal ungläubig steht er vor dem großen kosmischen Durcheinander aus Teilchenphysik, Paralleluniversen, Selbstmordattentätern und dummen Abiturienten.

Nuhr: „Unsere großartig gebildete Großelterngeneration hat damals Polen überfallen. Die Schüler von heute wüssten gar nicht mehr in welche Richtung sie laufen müssten.”

Dieter Nuhr begreift den Menschen als Krone der Schöpfung, auch wenn das Leben als Qualle sorgloser erscheint - oder als Schildkröte, Gürteltier oder Sportlehrer.

Seine eigenwilligen Theorien über die Evolution und die erdrückende Fürsorge von Müttern - „Fahr vorsichtig Junge. Wie meiner Mutter das bloß immer einfällt?” - sind einfach zum Schreien komisch.

Wie kaum ein zweiter schafft es Nuhr, geniale Stand-Up-Comedy mit bissiger Satire zu verbinden. Also nu(h)r noch ein Rat zum Schluss: „Beschränken Sie sich auf das Wichtigste - Grillen und Fortpflanzen. Gehen Sie positiv durchs Leben. Überleben ist zwar sinnlos, aber trotzdem extrem angesagt!”