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Baesweiler: Mit elegantem Bogen pfeilschnell ins Ziel

Baesweiler : Mit elegantem Bogen pfeilschnell ins Ziel

Es sieht fast spielerisch aus, was Timo Seifert mit seinem Bogen macht. Behutsam legt der Jungschütze einen Carbonpfeil in die Sehne, spannt sie, visiert die 70 Meter entfernte Zielscheibe an und trifft genau in die Mitte.

Der Bogen, mit dem er schießt, erinnert nicht mal mehr von der Form an Robin Hood - vorne schaut eine lange Stange am Sportgerät hinaus, sie soll den Bogen nach dem Schuss stabilisieren, damit der Pfeil nicht abgefälscht wird.

Bis zu 130 Stundenkilometer erreicht ein Pfeil, der aus einem modernen Bogen geschossen wird, genug Geschwindigkeit um Distanzen von 50, 70 oder auch 90 Metern zu überwinden. Doch auch dieser moderne Bogen versprüht irgendwie etwas Elegantes. Filmfans denken sofort an Legolas aus dem „Herrn der Ringe” oder eben an Robin Hood, wenn sie das sehen.

Bis man soweit ist, erfordert es natürlich viel Übung. Timo steht im Jugendnationalkader, ist mit der Nationalmannschaft bei der EM in Portugal Vizeeuropameister geworden. Neben ihm stehen allerdings heute Schützen, vor denen bis dahin noch ein langer Weg liegt.

Zum Jugendprobetraining hat der Bogenschützenverein Baesweiler (BVB) auch in diesem Jahr im Aktivurlaub eingeladen. Es ist eine willkommene Gelegenheit für alle, die von der Jahrtausende alten Waffe genauso fasziniert sind wie Timo. Vor allem junge Menschen sind es, die Interesse am Sport entwickeln - 52 Mitglieder zählt der Verein zur Zeit, die Hälfte der Aktiven sind Jugendliche.

Neugierig auf den Sport ist auch Birte, die bereits in den beiden Vorjahren hier war. „So ein Bogen ist einfach elegant”, schwärmt die 17 Jährige, „einfach etwas ganz anderes als Fußball oder die Sportarten, die man sonst so kennt.” Auch ihr Freund Dennis, ebenfalls 17, ist mit von der Partie. Er hält heute zum ersten Mal einen Sportbogen in der Hand: „Das macht wirklich Spaß.”

Aus Aluminium oder Carbon

Mehrere Mitglieder des BVB sind da, um den neuen Schützen Hilfe zu leisten. Unter ihnen ist auch Karl-Heinz Drexler, der gerade die verschiedenen Pfeilarten vorführt: „Da gibt es verschiedene Materialien, etwa Pfeile aus Aluminium oder aus Carbon.” Überhaupt ist das Material, mit dem man schießt, sehr wichtig. Verschiedene Hilfsmittel gibt es am Bogen, die den Pfeil vor allem stabilisieren, oder aber das Zielen erleichtern.

Die Bogensehne ist nicht einfach nur eine Schnur - aus bis zu 16 einzelnen Kunstfasern wird sie zusammengedreht. Bögen wie der, mit dem Timo Seifert schießt, erfordern bis zu 40 Pfund Zuggewicht. „Das ist, als ob man einen vollen Kasten Bier mit einer Hand zieht”, erläutert Drexler. Einige Kraft braucht man schon, um dabei auch noch das Gerät ruhig zu halten. Einsteiger können aber beruhigt sein: Auch Bögen mit 18 Pfund Zugkraft gibt es.

Bei allem Wissen über die Technik, die dahinter steckt, gibt es auch eine viel wichtigere Regel, die schon die jungen Neulinge heute beherzigen müssen: Geschossen wird nur, wenn alle Mitschützen hinter der Schusslinie stehen. Pfeile werden immer gemeinsam geholt. Um verfehlte Pfeile im Gras zu finden, hat der BVB sogar einen Spezialisten ausgebildet: Mandy, die Hündin des Trainers, ist ganz wild aufs Pfeilesuchen.

Gerade legt Jonas einen neuen Pfeil in seinen Bogen. Der Elfjährige schießt heute nicht zum ersten Mal: „Mein Bruder hat einen Kohlefaserbogen, damit durfte ich schon mal üben.” Mitmachen im Verein - das könnte er sich durchaus vorstellen: „Ja, denn das macht mir viel Spaß.” Neben ihm steht Sven, dem Karl-Heinz Drexler gerade hilft.

Genau parallel muss man seine Füße ausrichten, den Arm strecken, den Ellenbogen des anderen Arms, mit dem man die Sehne spannt, ganz weit zurücknehmen. Und auch das Zielen erfordert Übung: „Das Korn hat man vorne am Visier, doch die Kimme muss man mit dem Körper nachbilden. Die Sehne zieht man bis zum Kinn, so dass Nase und Kinn sie berühren”, erklärt Drexler.

Beim Schießen wird übrigens ein Armschutz getragen, denn wenn die Kunstfaser beim Zurückschnellen den Arm streift, endet dies überaus schmerzhaft. Körperbeherrschung ist also gefragt, Bogenschießen erfordert nicht nur Konzentration, sondern auch Fitness. Doch um die Faszination des Sportes zu beschreiben, fehlen oft einfach die Worte, wie Sven sagt: „Ich weiß nicht, es ist einfach - einfach nur Spaß, die Pfeile so zu schießen.”