Würselen: Mit der Schule das Abenteuer Lettland erleben

Würselen: Mit der Schule das Abenteuer Lettland erleben

Es wird kein normaler Austausch — dessen sind sich die Schüler der Realschule Würselen bewusst. Vielmehr werden die Tage in der lettischen Stadt Cesvaine (was auf Deutsch etwa „sechs Wege“ bedeutet), die etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt Riga entfernt ist, „ein Abenteuer“, verspricht Lehrerin Jana Maas.

Sie wird mit ihren Kolleginnen Christine Spreher und Bianca Luttermöller die 20 Schüler der Jahrgangsstufen acht und neun nach Lettland begleiten. Dass es tatsächlich ein Abenteuer werden wird, davon sind die Schüler selbst schon überzeugt. Denn einen Einblick in das Leben der Menschen in Lettland bekommen sie von Baiba Putnina. Die Lehrerin an der Kooperationsschule in Lettland unterrichtet in ihrer Heimat Deutsch und Lettisch; in Würselen gibt sie den Austauschschülern einen ersten Einblick in Sprache, Geschichte und Kultur. Mit diesem Wissen schätzen die Acht- und Neuntklässler die Menschen und das dortige Leben als „ganz anders“ ein. „Da werden zwei Welten aufeinander treffen“, schätzt Jana Maas.

Auch, weil die zehn Tage im November in Cesvaine nicht nur eine entspannte Zeit zum Kennenlernen wird, denn die Schüler werden miteinander arbeiten. Der Austausch findet im Rahmen des Comenius-Projekts statt, einem europäischen Programm für die schulische Bildung.

Eher zufällig entstand die Zusammenarbeit: Die Schulleiter aus Würselen, Lorenz Hellmann, und Cesvaine, Didzis Baunis, lernten sich auf einer Fortbildung kennen, tauschten sich aus und waren gleichermaßen angetan, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Eine Idee, die bei den Lehrern in den jeweiligen Schulen auf breite Zustimmung stieß.

Vor eineinhalb Jahren waren die Lehrer bereits in Lettland und haben mit den dortigen Kollegen gemeinsam den Antrag für die Förderung geschrieben. Als Aufgabenziel haben sie sich gesetzt, mit den Schülern unter dem Titel „Two parts, one story“ ein deutsch-lettisches Märchen zu schreiben und anhand von Volksgeschichten landestypische Merkmale zu erarbeiten.

Kein typisches Touristen-Land

„Es ist schön, dass wir mit den Schülern in ein Land reisen, das kein typisches Touristen-Land ist“, sagt Maas. „Dort können sie einen Eindruck bekommen, wie es anderen Schülern geht und was es dort bedeutet, zur Schule zu gehen.“ Zum Beispiel Handarbeitsunterricht zu haben. Oder nach Schulschluss noch eine Kunst- oder Musikschule zu besuchen. „Dort passiert viel mehr in der Gemeinschaft“, ist Maas‘ Eindruck.

Umgekehrt wird es aber auch besondere Eindrücke geben, ist sich Baiba Putnina sicher. „Die Schüler in Deutschland sind viel freier im Bezug auf die Lehrer. Eine Lehrerin in Jeans gibt es nicht und wir haben eine viel größere Distanz zu den Schülern.“ Von den Unterschieden können sich die 20 Schüler bald selbst ein Bild machen: Am 1. November steigen sie in den Flieger nach Lettland.