Baesweiler: Mit der „Feuerwehrrente“ betritt Baesweiler Neuland

Baesweiler: Mit der „Feuerwehrrente“ betritt Baesweiler Neuland

Das hat es so wohl noch nicht gegeben. Dass eine Stadt hingeht und für ihre freiwilligen Feuerwehr in eine Rentenversicherung einzahlt, ist schon bemerkenswert. Mit der „Feuerwehrrente“ betritt Baesweiler Neuland.

Auch in Zeiten knapper werdender Finanzen. Oder gerade weil es beim Geld langsam eng wird. Denn nur wenn die Kommune auch künftig möglichst viele freiwillige Helfer hat, bleibt ihr die Einrichtung einer teuren hauptamtlichen Wache erspart.

Von einer Art Bezahlung spricht hier freilich niemand. Genau das soll — und darf — es nicht sein. „Wir wollen hier vor allem ein Zeichen setzen, welchen Stellenwert die Feuerwehr bei uns genießt“, sagt Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Dafür nimmt die Stadt viel Geld in die Hand. Für jedes aktive Mitglied sollen pro Monat künftig pauschal zwölf Euro in die Rentenversicherung fließen.

Hinzu kommt ein Beitrag von je 6,50 Euro pro geleisteter Einsatzstunde. Plus einem Jahresbeitrag von weiteren 100 Euro für alle, die an mindestens 60 Prozent der vorgesehen Übungen des jeweiligen Löschzugs teilnehmen. Unterm Strich werden hier um die 50.000 Euro per anno zusammenkommen, der Rat hatte das Vorhaben in nicht-öffentlicher Sitzung bereits im September abgenickt. Zwar können diese Beiträge auch ausgesetzt werden, wenn der Haushalt zu sehr in Schieflage gerät, doch rechnet Linkens nicht damit, dass dieser neue Posten so bald auf dem Prüfstand landen wird.

So dürfte bei manchem Helfer im Lauf der Jahre ein ganz ordentlicher Betrag zusammenkommen, der ab dem 65. Lebensjahr als monatliche Auszahlung fließen soll. Ein „Verwaltungsmonster“ habe die Stadt hier nicht geschaffen, heißt es auf Nachfrage, denn die nötigen Einsatzzeiten und andere Dinge werden auch jetzt schon akribisch genau festgehalten.

Das alles, damit die Bezirksregierung weiterhin ein Auge zudrückt. Eigentlich müsste Baesweiler mit seinen gut 28.000 Einwohnern eine hauptamtliche Wache haben — wie alle Kommunen mit mehr als 25.000 Menschen. Doch seit dem Jahr 2000 gibt es im Abstand von fünf Jahren unangekündigte Prüfungen durch die Bezirksregierung. Dann wird der Alarmknopf einmal tagsüber gedrückt und einmal nachts — und geschaut, ob schnell genug eine ausreichende Zahl an Helfern anrückt. Bislang war das jedes Mal so. Und die neue Rente dürfte die Motivation kaum schmälern.

Die Stadt tut auch hinter den Kulissen so einiges, um die Helfer nah am möglichen Einsatzort zu halten. So werden immer wieder Gespräche mit Firmen im Beggendorfer Gewerbegebiet geführt, um Feuerwehrhelfer dorthin zu vermitteln.

Und bewerben sich Mitglieder bei der Verwaltung selbst, wird das unter „Soziale Kompetenz“ als Pluspunkt verbucht, der bei gleicher Qualifikation von Bewerbern durchaus entscheidend sein kann. „Wir haben Löschzüge in allen Stadtteilen und sind gut aufgestellt“, sagt Linkens. Und an Ideen, um den Status Quo aufrecht zu erhalten, mangelt es offensichtlich auch nicht.

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