Mikroplastik: EU plant auch Verbot für Granulat auf Kunstrasenplätzen

Granulat soll verboten werden : EU hat Kunstrasenplätze im Visier

Kippt ein beabsichtigtes Gesetz der Europäischen Union (EU) einen Sportplatzneubau in Baesweiler? Die Stadt nimmt den Wunsch einiger Fußballvereine einen Kunstrasenplatz – wie unter anderem von Concordia Oidtweiler gefordert – zur Kenntnis, kann aber derzeit noch keine Entscheidung treffen.

Nun kam im Ausschuss für Kultur-, Sport und Vereinsförderung Bürgermeister Dr. Willi Linkens mit schlechten Nachrichten herüber. Die EU-Kommission hatte die European Chemical Agency (ECAH) beauftragt zu prüfen, ob bestimmte Mikroplastiken, die bewusst in die Umwelt freigesetzt werden, nicht mehr zugelassen und insgesamt verboten werden müssen. Das soll ab 2022 geschehen. Unter dieses Gesetz würde dann auch das als Füllstoff (Infill) verwendete Kunststoffgranulat für Kunststoffrasensysteme fallen.

Kein Bestandsschutz

Willi Linkens erklärte den Ausschussmitgliedern, „das bedeutet, dass der Austrag des Granulats in die Umwelt ab 2022 vollständig verboten wird“. Bestandsschutz oder Übergangsfristen sind bisher nicht vorgesehen. Linkens: „Von dieser Regelung, die uns durch den Städte- und Gemeindebund schriftlich zugetragen wurde, wären die Städte und Gemeinden als Betreiber von entsprechenden Sportstätten erheblich betroffen“.

Zur Vorgeschichte, die Linkens dem Ausschuss detailliert vortrug: „Es hat nach Gesprächen mit verschiedenen Sportvereinen den Wunsch gegeben, einen Kunstrasenplatz zu bauen.“ Unter anderem schwang sich Concordia Oidtweiler mit einer großen Jugendabteilung zum Vorreiter auf. Linkens erklärte, dass die Stadt die Gespräche verschiedener Jugendabteilungen interessiert verfolge, zumal es bereits Gespräche verschiedener Jugendabteilungen untereinander gegeben hat, bei einem entsprechendem Platzangebot gemeinschaftlich ausbilden zu wollen. Ohne dabei zu fusionieren, wie die Vereinsvertreter betonten.

Diese Ausbildungsarbeit solle „an zentraler Stelle“ vorgenommen werden. Linkens: „Uns ist bekannt, dass gerade Concordia Oidtweiler zu wenig Platz für die erforderlichen Trainingseinheiten hat.“ In diesem Zusammenhang wies Linkens auch darauf hin, „der Sportplatz in Loverich könne beispielsweise genutzt werden“. Denn der SV 09 Loverich hat seinen Spielbetrieb schon seit längerer Zeit eingestellt und der den Platz nutzende Klub Gencerbirligi habe ebenfalls aufgegeben. So könne eine Nutzung ergänzend an dieser Stelle erfolgen.

Deutliche Verbesserungen in Sachen Sportstätten wird es ab 2020 im Rahmen des innerstädtischen Entwicklungskonzepts auch am Sportpark in Baesweiler geben. So werden unter anderem das Stadion und der Nebenplatz ertüchtigt und dort ebenfalls neue Freiräume für den Trainingsbetrieb geschaffen.

Linkens mahnte zum Thema Neubau eines Kunstrasenplatzes: „Wenn dieses Gesetz kommt, wäre es verantwortungslos, einen Kunstrasenplatz zu bauen“. Der koste immerhin 650.000 Euro und müsste nach einer 15-jährigen Nutzung nochmals mit einem finanziellen Aufwand von etwa 200.000 Euro aufgemöbelt werden. Zudem seien auch die Kosten für die Pflege des gesamten Umfelds nicht unerheblich. Auch CDU-Sprecher Daniel Koch äußerte im Ausschuss schwere Bedenken, einen solchen Platz zu bauen, den man spätestens 2022 dann nicht mehr nutzen dürfe: „Vor dem gerade gehörten halte ich einen Bau für äußerst fahrlässig.“

Die Stadt werde, das versprach Linkens, mit den Vereinen im Dialog bleiben. Vor allem interessiere die Verwaltung, ob die Gespräche über eine gemeinsame Jugendarbeit der Baesweiler Fußballvereine in eine neue Runde gehen. Vor Ostern hatte es auf Nachfrage unserer Zeitung bei Birgit Gillessen, Jugendleiterin SC 07/86 Setterich, geheißen, „die Gespräche werden nach Ostern weiter geführt. Die Vereine werden dann zum geeigneten Zeitpunkt eine Presseerklärung herausgeben“. Eine neuerliche Nachfrage blieb bislang ohne Reaktion.

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