Würselen: „Metropolis“: Kaffee, Kino und das neue Montagsangebot

Würselen: „Metropolis“: Kaffee, Kino und das neue Montagsangebot

Es riecht schon vor dem Eingang des alten Bahnhofs Würselen verführerisch nach Kaffee und Kuchen. Geschirrgeklapper und Stimmgewirr sind zu hören. In dem kleinen Café genießen Gäste älteren Semesters die Atmosphäre. Evelyn Haller, Brigitte Zimmermann und Ilona Fischer, allesamt von der evangelischen Gemeinde Würselen, haben das Café gut im Griff.

Sie sorgen dafür, dass Getränke und feste Nahrung gezielt ihre Abnehmer finden. Mitglieder des Vereins, der das kommunale Kino „Metropolis — Filmtheater — Kunst“ betreibt, fiebern einer Premiere entgegen: „Blue Monday — Montagskino im Metropolis Filmkunsttheater.“

Dieses Angebot gibt es ab sofort einmal im Monat an der Bahnhofsstraße 165, jeweils um 15 Uhr. Dabei startet der Film etwa eine Dreiviertelstunde später, stehen Kaffee, Kuchen und Konversation im Mittelpunkt, bevor das Kino beginnt (siehe Info).

Wie ein Wohnzimmer

Filmwissenschaftlerin Brigitte Esser führt ins Thema ein. Gezeigt wird zum Start des neuen Angebots von „Metropolis“ am Nachmittag passend „Cinema Paradiso“ aus dem Jahre 1988, also ein Kinofilm über Kino. Ein Werk des Regisseurs Guiseppe Tornatore — mit autobiografischen Motiven.

Das ist kein lautes Kino, aber doch großes. Auf jeden Fall geht es um die Faszination, die von Filmen und Filmemachern ausgeht. Die Geschichte spielt in einem Dorf auf Sizilien nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie handelt von dem Filmvorführer Alfredo und dem jungen Toto (Salvatore), die sich anfreunden. Der Kleine lernt von dem Erwachsenen, Filme vorzuführen — und wird später ein Regisseur, ein großer. Aber „Cinema Paradiso“ zeigt auch, dass das kleine Kino Begegnungsstätte des Dorfes ist, sein Wohnzimmer, sagt Esser.

Dieses Angebot will auch „Metropolis“ Interessierten machen. Kooperationspartner Pfarrer Harry Haller von der evangelischen Kirchengemeinde Würselen begrüßt die Besucher im Kinosaal. Der Raum, der rund 100 Besuchern Platz bietet, versprüht den Charme längst vergangener Jahre und wirkt gerade deshalb so gemütlich und einladend, um sich auf bewegte Bilder und Geschichten einzulassen. Haller weist dezent auf das am Projekt beteiligte Evangelische Bildungswerk hin und sagt: „Wir wollen Produktionen zeigen, die Teil der Biografie und damit Relexionsfläche des eigenen Lebens sind.“

Filmvorführer Heinrich Baecker, Presbyter und begeisterter Cineast, bedient zwar nicht mehr den guten alten 35-mm-Projektor. Der steht als Schmuckstück im Café. Aber auch mit der aktuellen Projektionstechnik via Kino-Server und Beamer wird im „Metropolis“ Atmosphäre vergangener Jahre auf die Leinwand projiziert.

Filmfachfrau Esser erzählt am Rande der Premiere der neuen Reihe — natürlich bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen —, dass es bei dem Projekt nicht um Mainstream-Kino, sondern um Arthouse-Productions, also anspruchsvollere Filme geht, in denen sich vor allem — angesichts der Vorführzeit am Nachmittag — die ältere Generation wiederfinden soll. Die (alte) Liebe zum Kino soll wiederbelebt werden.

Gerd Möhlendick, zweiter Vorsitzender des Metropolis-Vereins, erzählt, dass generell bei der Filmauswahl von „Metropolis“ ein Team aktiv ist, wobei der Kassierer des Vereins, Christian Jendrzej, der „Programmdirektor“ ist.

Möhlendick weist auf eine weitere Komponente hin. „Das ist ein Angebot für alle, die nicht gerne abends in Kino gehen oder gehen können.“ An jedem zweiten Mittwoch wird der Beamer um 10 Uhr „in Gang gesetzt“. Die Reihe heißt „Mittwoch-Morgen-Metropolis“.

Interessierte können mitmachen

Am 14. Oktober flimmert der Streifen „Learning to drive — Fahrstunden fürs Leben“ auf der Leinwand. Zum Inhalt: Eine New Yorker Schriftstellerin nimmt bei einem indischen Fahrlehrer Stunden — und beide werden sich klar darüber, worauf es im Leben wirklich ankommt. Und mehr noch: An jedem letzten Samstag im Monat werden ausgewählte Filmschätzchen gezeigt. Am 31. Oktober steht „Harold & Maud“ auf dem Spielplan, Beginn 20 Uhr.

Etwa 30 Aktive im Verein leisten die Arbeit, hinzu kommen rund 100 Freunde und Gönner, sagt Möhlendick. Auch wenn es im Café sehr gemütlich zugeht, ist viel zu tun. Das macht Spaß, neue Leute und Begegnungen warten — die eigene Begeisterung fürs Kino lässt sich gut und gerne teilen. Gerne lässt sich der Vorstand darauf ansprechen, wie man sich passend zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen einbringen kann. Wer Interesse an Audio- und Video-Technik hat, kann sich zum Filmvorführer schulen lassen. Thekenkräfte sind gern gesehen. Und das ehrenamtlich erstellte Programmheft will in Würselen und Umgebung verteilt werden.

Übrigens: Vor kurzem wurde am Kinosaal ein barrierefreier Zugang geschaffen, so dass die Einrichtung auch für Rollstuhlfahrer gut erreichbar ist.