Würselen/Eschweiler: Merzbrück: Faszination Fliegen zieht viele Gäste an

Würselen/Eschweiler: Merzbrück: Faszination Fliegen zieht viele Gäste an

Einer wie „Leines“ redet nicht lange. Der macht. Ob er denn auch eine Maschine besteigen und sich durch die Gegend fliegen lassen würde, wird der Rocker gefragt. „Nö, das ist mir zu langweilig. Wenn, dann würde ich mit dem Fallschirm springen“, nennt der Bambi-Preisträger — Sparte Stille Helden — aus 2011 seinen Vorsatz. Schließlich hat er als Legionär eine Grundausbildung genossen.

Heute arbeitet der Aachener für die „Hazienda Arche Noah“ und sammelt an diesem Tag Spenden, die an Krebs erkrankten Kindern zugute kommen. Die Büchsen von „Leines“ und Co. sind schon nach Stunden prall gefüllt. Denn fast 4000 Zuschauer werden zur Eröffnung des an zwei Tagen gefeierten Jubiläums auf dem Flugplatz Aachen-Merzbrück gezählt.

„Tanta Anna“ hebt ab: : Der Doppeldecker Marke Antonov war einer der Publikumsmagneten auf und über dem Flugplatz Merzbrück. Fotos (5): Sigi Malinowski Foto: Sigi Malinowski

Am Samstag zwei Stunden nach Einlassbeginn zum 100-jährigen Jubiläum strahlen die Veranstalter. Jeden Moment könnte es zu regnen beginnen, aber es bleibt trocken. Den ganzen Nachmittag über. Auch deshalb fallen Flughafen-Geschäftsführer Uwe Zink ganz schnell viele Steine vom Herzen. „Wenn ich jetzt sehe, was hier los ist, kann ich nur sagen, unsere Erwartungen sind schon jetzt weit übertroffen“, zog Zink ein erstes Resümee am Samstag. Mit der Hoffnung, „Sonntag werden es — wenn das Wetter stimmt — ganz sicherlich noch mehr Besucher.“.Allerdings setzte am Sonntagvormittag leider Regen ein, dem wieder Sonnenschein folgte ...

Der Geschäftsführer sah aber allein schon mit Blick auf den ersten Tag das Konzept des Veranstalters als aufgegangen an. Sowohl die laufend vorgeführten Kunstflüge als auch (unter anderem) das Kinderprogramm oder auch die Aktionen der Kunstakademie gefielen Zink und seiner Mannschaft.

Unter all den Kunstflugvorführungen und Shows „zog“ beispielsweise auch der Rundflug mit der liebevoll benannten „Tante Anna“, einer Antonov 2. Das mit 1000 PS ausgestattete und 13 Meter lange Flugzeug (Doppeldecker) war vielbeachtetes Fotomotiv, aber auch Lufttransporteur für viele kleine Gesellschaften, die sich die Region von oben ansahen.

Weitere Zugnummern des Jubiläums durften sogar mal auf der Start- und Landebahn zwei Runden drehen. Den Fahrern von 20 Oldtimern war es gestattet, unter großem Applaus mal ausgiebig aufs Gaspedal treten zu dürfen. Zu sehen waren Modelle der Marken Oldsmobile, Porsche, Triumph, BMW Isetta, MG und weitere „Schnauferle“ aus den Jahren von 1914 bis 1974.

Schier unglaubliche Kunststücke mit seinem Hochleistungs-Kunstflugzeug Extra 330 LX demonstrierten Flieger Walter Kampsmann oder auch Jürgen Kraus mit seiner Boing Stearman. Mit einem solchen Flugzeug waren Helga Hansen und ihr Partner Michael Knöll nicht unterwegs. Dafür aber mit einer Propeller-Maschine der Gesellschaft Westflug. Helga Hansen, zum ersten Mal in der Luft unterwegs, hatte ihre Angst spontan überwunden und folgte ihrem Partner ins Cockpit: „Es war überhaupt nicht schlimm, und die Aussicht ist sehr schön. Ich hoffe, meine Fotos sind etwas geworden“.

Gleich an einen Pilotenschein dachte Michael Knöll. Der IT-Mann aus Eschweiler dachte aber auch an seine Geldbörse. „7000 bis 10 000 Euro muss man dafür hinblättern. Das kann ich dann doch nicht so einfach.“

Für Margot Jacob — sie war mit ihrem Mann Manfred, ihrer Freundin Nelly Gänsler und weiteren Begleitern aus Setterich unterwegs — hatte der Besuch in Merzbrück dann auch eine sehr interessante Komponente. „Vielleicht treff‘ ich ja gleich Walter Kampsmann. 1964 habe ich bei ihm das Autofahren gelernt und den Führerschein gemacht.“ Für einen Flugschein wird sie sich, trotz der hohen Kompetenz von Kampsmann, aber nicht anmelden. „Dafür habe ich zu viel Angst vor der Fliegerei . . .“

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