Merkstein: Weitere Beschicker für Wochenmarkt gesucht

Sorge um den Merksteiner Wochenmarkt : Nur noch zwei Stände sind übrig geblieben

Nur noch zwei Verkaufsstände stehen freitags auf dem August-Schmidt-Platz. Das bereitet nicht nur den Politikern Sorge: Ohne den Wochenmarkt würde vielen Menschen etwas fehlen. Wie ließe sich gegensteuern?

„Wie immer“, sagt die ältere Dame und reicht eine Plastikdose rüber. Wie immer, das sind zehn Eier einmal die Woche, umweltfreundlich verpackt in der mitgebrachten Schachtel. Kartoffeln braucht die ältere Dame noch. Lauch und Möhren. Seit Jahren schon kommt sie her, jeden Freitag. Ohne den Wochenmarkt würde ihr etwas fehlen, sagt sie, packt ihre Einkäufe auf den Rollator und schiebt eilig von dannen.

„Viele Kunden kenne ich schon sehr lange, teilweise sogar mehrere Generationen und dadurch auch so manche Familiengeschichte“, erzählt Annelie von den Driesch, Landwirtin aus dem Raum Heinsberg, die mit ihrem Mann Josef seit fast 33 Jahren den Gemüsestand auf den Wochenmärkten in Merkstein und Kohlscheid betreibt. Eier und Kartoffeln sind eigene Erzeugnisse, von den Driesch liebt die Direktvermarktung, den unmittelbaren Kontakt zu den Konsumenten.

„Größeres Angebot ist für alle gut“: Annelie von den Driesch hält seit 33 Jahren die Stellung. Foto: Beatrix Oprée

Doch während in Kohlscheid der Umsatz erfreulich ausfalle, ist er in Merkstein zurückgegangen. Noch „zufriedenstellend“, wie von den Driesch es etwas zögerlich ausdrückt. Gerade einmal zwei Stände sind übrig geblieben vom Wochenmarkt auf dem August-Schmidt-Platz. Zum umfangreichen freitäglichen Angebot aus Heinsberg gesellt sich ein Fischwagen. „Alle anderen sind nach und nach weggeblieben“, bedauert die Landwirtin und betont: „Auch wir haben Interesse am größeren Sortiment an Markttagen. Wir leben ja alle voneinander.“

Vielfalt belebt das Geschäft, sorgt für den nötigen Umsatz, der aber für einige in Merkstein offenbar nicht mehr gereicht hat. „Früher gab es hier noch einen Käsestand, Geflügel und einen Bäckerwagen. Und eines ist klar: Es geht keiner weg, wenn er einen guten Umsatz hat.“ Als seinerzeit bekannt geworden war, dass der Netto wegzieht vom August-Schmidt-Platz, „war das schon schlimm“, erinnert sich die Landwirtin. „Denn Kunden machen beim Einkauf die Runde. Supermarkt und Wochenmarkt ergänzen sich da gut.“

Versuchsweise hatte die Stadt die Wochenmarktstände deswegen bereits an die Geilenkirchener Straße verlegt, unmittelbar neben den neuen Netto-Standort. Umsatzmäßig, so bestätigt von den Driesch, sei es dort tatsächlich besser gelaufen. Doch die Lage auf den Parkstreifen an der viel befahrenen Landesstraße sei eben nicht so schön wie auf dem August-Schmidt-Platz. Des öfteren hätten zudem morgens erst noch Wagen abgeschleppt werden müssen, die trotz Hinweis dort noch geparkt waren.

Seit September stehen die Marktstände wieder am angestammten Platz. Doch immer noch, nach all den Monaten, gebe es Passanten, die den erneuten Wechsel mit Erstaunen quittierten: „Die Leute sagen immer, dass es ein Angebot wie den Wochenmarkt unbedingt geben müsse. Schön wäre aber auch, wenn sie tatsächlich auf dem Markt einkaufen würden!“ Ein deutlicher Appell der Händlerin an die Bevölkerung: Angebot und Nachfrage müssen stimmen, sonst geht es nicht.

Dauerbrennerthema

Bei Politik und Verwaltung ist der schrumpfende Wochenmarkt ein Dauerbrennerthema, das in sporadischen Abständen immer wieder auf den Tisch kommt. Ziemlich genau drei Jahre ist ein Antrag der großen Koalition alt. SPD und CDU stellten seinerzeit fest, dass der Markt in Merkstein ein „sehr bescheidenes Dasein“ friste.

Die Vertreter der Groko sahen damals noch den Netto als direkten Konkurrenten, weswegen sich nur Marktbeschicker mit „ergänzenden Waren“ einfänden. Lage und Gesamtangebot in Merkstein seien „nicht angetan, viele Kunden anzulocken“. Ein neues Konzept für den Wochenmarkt wünschte sich die Groko, unter Umständen mit einer „speziellen Ausrichtung“, um ihm ein Alleinstellungsmerkmal zu geben, etwa durch Bioartikel. „Das Zusammenspiel eines Wochenmarktes mit dem stationären Einzelhandel ist besonders von Bedeutung,“ stellte die Verwaltung in ihrer Stellungnahme fest. „Denn ein Wochenmarkt dient dem Einzelhandel als Kundenmagnet und Frequenzbringer und sorgt mit regionaltypischer Eigenheit für einen Marketingeffekt. Der Wochenmarkt  ergänzt die angebotenen Sortimente und bindet Kaufkraft an dem Standort des August-Schmidt-Platzes.“

So die Theorie. Und: Die Bereithaltung eines Marktes sei „sicher eine gesetzliche Aufgabe nach der Gewerbeordnung“. Die „Attraktivierung“ indes sei „nicht zwingend gesetzlich erforderlich“. Alle dennoch angestellten Versuche, neue Marktbeschicker zu finden, seien ergebnislos gewesen, wie die Verwaltung mehrfach berichtete. Unter anderem einen Feierabendmarkt regte die Politik bei Beschlusskontrollen in den Folgejahren an. Oder den Wechsel auf einen anderen Wochentag.

Alles keine probate Lösung, sagt Annelie von den Driesch, die Fachfrau, die den Markt und seine Besucher seit Jahrzehnten kennt: „Der Wochentag ist wichtig, Freitag und Samstag die begehrtesten Tage bei Beschickern.“ Weil sie am kundenträchtigsten sind. Für Spezialangebote wie Feierabend- oder Biomarkt indes sieht sie in Merkstein nicht unbedingt das passende Publikum. In Kohlscheid mit der Nähe zu Aachen sei dies schon anders.

„Gesunde Größe“

Fünf bis sechs Wagen schätzt Herzogenraths Technischer Beigeordneter Ragnar Migenda als „gesunde Größe“ für einen kleinen Wochenmarkt, wie er in Merkstein angemessen wäre. Allein, die müssen erst gefunden werden. Eine zusätzliche Attraktion müsse dazu her, hofft Migenda auf „vielversprechende Gespräche“, auch mit umliegenden Betreibern, die er aber noch nicht weiter erläutern will. Mehr Leben soll auf den Platz, dessen lange geplante Umgestaltung in die konkrete Phase geht. Und ein „Impuls“ für weitere mögliche Beschicker sein könnte. Die verbliebenen Marktbeschicker würden es gerne glauben.

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