Alsdorf: Massenschlägerei bei Fußballspiel in Alsdorf: Fünf Verletzte

Alsdorf : Massenschlägerei bei Fußballspiel in Alsdorf: Fünf Verletzte

In der 40. Spielminute war dann endgültig Schluss mit Fußball. Nach einem Foul und anschließendem Handgemenge stürmten Spieler und Anhang vom SC Kellersberg II und von Blau-Weiß Alsdorf den Platz und lieferten sich eine wilde Rauferei.

Bei der Polizei ging am Dienstagabend der Notruf ein, dass sich auf dem Sportplatz von Kellersberg rund 40 Männer einen Kampf unter Einsatz von Messern liefern würde. Als die Beamten mit sechs Streifenwagen eintrafen, hatte sich die Situation bereits ein wenig beruhigt. Messer waren glücklicherweise nicht zum Einsatz gekommen. Doch was übrig blieb, waren fünf Verletzte — zwei mussten im Krankenhaus behandelt werden — und eine schlaflose Nacht für die Vereinsverantwortlichen auf beiden Seiten, weil sie um den Ruf ihrer Clubs fürchten.

Aus Kreisen der Vereine heißt es, dass man sich bereits im Vorfeld des Spiels Gedanken zu der Ansetzung in der Aachener Kreisliga D, Staffel 2 gemacht habe. Denn in der zweiten Mannschaft von Kellersberg spielen überwiegend türkischstämmige Spieler, während das Team von Blau-Weiß fast ausschließlich aus syrischen Flüchtlingen besteht. Da habe es schon Bedenken gegeben, dass der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien auf einem Alsdorfer Fußballplatz fortgeführt werde, berichten Augenzeugen.

Mit Anpfiff hätten sich diese Befürchtungen bestätigt. Das Spiel sei von beiden Seiten sehr hart geführt worden. „Ich habe von Beginn an nicht daran geglaubt, dass beide Teams mit elf Spielern den Platz verlassen“, so ein Augenzeuge. Laut Polizeibericht habe kurz vor der Halbzeit ein Kellersberger Spieler ein Foul begangen. Der Gefoulte habe daraufhin dem Kellersberger ins Gesicht geschlagen, worauf die Situation eskalierte.

Hier gibt es allerdings auch andere Aussagen von Augenzeugen, die von einem umgekehrten Hergang berichten. Demnach soll der Faustschlag eines Kellersberger Spielers Ursache für die anschließende Schlägerei gewesen sein. Maßgeblich beteiligt an der Eskalation waren nach Aussagen aller Augenzeugen aber auch die Zuschauer. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab. Das soll aber kaum einer der Beteiligten zur Kenntnis genommen haben.

Aus Kreisen der beteiligten Spieler wird den Vermutungen vehement widersprochen, dass die Nationalitäten der Spieler bei der Schlägerei eine Rolle gespielt haben. Vielmehr sei eine unglückliche Dynamik zwischen Spielern und Zuschauern der Grund für den Tumult gewesen. Das ändert aber nichts daran, dass beide Teams mit empfindlichen Strafen durch den Fußballverband Kreis Aachen rechnen müssen.

Dort will man sich derzeit noch nicht zu den Vorgängen in Kellersberg äußern, mit Verweis auf das schwebende Verfahren. Beide Teams sind im Laufe der Saison aus Sicht des Fußballverbandes noch nicht negativ auffällig geworden. Am Ende wird aber die Spruchkammer des Fußballkreises urteilen müssen, wie es für die Teams weitergeht.

Eine etwas tragische Rolle spielt in diesem Zusammenhang Blau-Weiß Alsdorf. Noch vor etwas mehr als zehn Jahren sportliches Aushängeschild der Stadt, mit soliden Auftritten in der Verbandsliga, ist der Verein in die sportliche Bedeutungslosigkeit abgestürzt. Mehr noch — der Verein stand vor dem Aus, weil er kaum noch Spieler fand. Da traf es sich bestens, als im vergangenen Jahr ein sozialer Träger in Alsdorf an den Verein herantrat mit einer Gruppe von syrischen Flüchtlingen, die den Wunsch hatte, Fußball zu spielen.

Insgesamt 20 Flüchtlinge spielen nun seit Sommer 2017 für Blau-Weiß Alsdorf. Sponsoren haben sich gefunden, die das Team eingekleidet haben. Die Spieler sind glücklich, weil sich der Verein ihrer angenommen hat. Der Verein hat sein Überleben zunächst einmal gesichert. Das Projekt ist ein Vorzeigemodell in Alsdorf bei dem Bemühen von Vereinen, Flüchtlingen eine neue Heimat zu bieten. Dass Blau-Weiß nun in den Schlagzeilen steht, weil ein Spiel nach Gewalteskapaden abgebrochen wurde, macht viele betroffen.

Frank Dohmen ist der 1. Vorsitzende des SC Kellersberg und um Deeskalation bemüht. Er war am Dienstagabend nicht auf dem Sportplatz, „bin aber quasi per Liveschaltung am Telefon informiert worden“. Er sei vorsichtig mit Schuldzuweisungen. „Wenn eine Situation derart eskaliert, ist das wohl kaum die Schuld einer einzelnen Mannschaft“, sagt Dohmen. In den kommenden Tagen werde der SC Kellersberg die Vorgänge intern aufarbeiten und an Blau-Weiß Alsdorf herantreten. „Ich habe zu mehren Akteuren von Blau-Weiß ein sehr gutes Verhältnis“, betont Dohmen.

Darüber hinaus bewundere er den Verein für seine Arbeit mit den Flüchtlingen. „Das ist ein sehr wichtiges Engagement“, sagt er. Empört ist er nun über das Verhalten einiger Spieler und Zuschauer auf beiden Seiten: „Die Vereine im Amateurfußball haben es schwer genug. Solche Geschichten sind das Letzte, was wir brauchen können.“ Der SC Kellersberg werde nicht davor zurückschrecken, die Urheber auf der eigenen Seite zu bestrafen.

Mehr von Aachener Zeitung