Würselen - Martin Schulz: Stimmabgabe im Blitzlichtgewitter

Martin Schulz: Stimmabgabe im Blitzlichtgewitter

Von: mas
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Prominenter Wähler und EU-Spitzenkandidat: Martin Schulz und Ehefrau Inge bei der Stimmabgabe im Jugendheim St. Pius in Würselen. Foto: Sigi Malinowski
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Anschließend ist der Sozialdemokrat ein gefragter Interviewpartner. Foto: Sigi Malinowski

Würselen. Keine Limousine, keine Polizei, kein Sicherheitsdienst: Martin Schulz (SPD) spazierte, Ehefrau Inge an der Hand, ganz entspannt die Ahornstraße hinunter. Pünktlich ist der Präsident auch noch. Drei Minuten vor 11 schlendern „die Schulzens“ ins Pfarrheim St. Pius. Dort bricht plötzlich Hektik aus. Vor allem unter den Kameramännern der großen Fernsehstationen.

„Können Sie die Leute mal alle aus dem Raum schicken“, wird Würselens Pressesprecher Bernd Schaffrath nochmals aufgefordert. Doch der hatte schon im Voraus, die Bedingungen an die Medienvertreter weitergegeben. „Wir dürfen den Wahlvorgang nicht unterbrechen. Das ist gesetzlich so vorgegeben“, appelliert Schaffrath an die mit Foto- und Fernsehkameras bewaffneten Journalisten.

Gelassen wie Bernd Schaffrath bleibt auch der Mann an der Wahlurne. „Doh künnt’e“, begrüßt Karl-Heinz Pütz seinen alten Freund „Tien“ und „et Inge“. „Nein, nervös bin ich nicht“, versichert Pütz, der nicht in Teut sondern in Morsbach selbst noch wählen muss. „Ich mach den Job schon zwanzig Jahre und habe erst heute Morgen erfahren, dass Martin hier wählen wird“, geht der Urnenbewacher seiner Arbeit ganz akkurat nach.

Zehn Minuten dauert es etwa, bis der EU-Ratspräsident hinter der Wahlkabine entfleucht und sich seiner Stimmzettel widmet. Eine Fernsehjournalistin lästert im Hintergrund: „Der wählt sich doch jetzt nicht selbst, oder?“ Man darf glauben, dass er das doch tun wird. Jede Bewegung, jede Geste wird von den Medienvertretern per Foto oder Video aufgezeichnet. Ein „Bonbon“ bietet Schaffrath der arbeitenden Fraktion auch noch an: „Sie können gleich im Garten Herrn Schulz interviewen“. Doch „gleich“ ist noch ganz weit weg.

Denn nun ist der Wahlraum tatsächlich von Otto-Normalverbraucher einen Moment frei. Die beiden Urnen dürfen in die Mitte des Raumes geschoben werden, damit das Blitzlichtfeuer nochmals kollektiv eröffnet werden kann. Martin und Inge Schulz machen das geduldig mit, obwohl der prominente Einwohner und Nachbar noch ein straffes Tagesprogramm zu bewältigen hat. Gegen Mittag startet sein Flieger in Richtung Berlin. Dort wird er den Abend verbringen.

Für das Verständnis bedankt

Draußen gibt er seine Hoffnung preis, „EU-Ratspräsidenten zu werden“. Er ist optimistisch, „die Sozialdemokraten werden zulegen“. Und das nicht nur auf europäischer Ebene. Schulz, der ehemalige Bürgermeister der Stadt Würselen drückt nebenbei auch seinem Freund Arno Nelles die Daumen, das Bürgermeisteramt ab Morgen wieder als Chef zu betreten. Doch bis zur Auszählung ist es noch lange.

Die stellvertretende Wahlversammlungsleiterin Concetta Tusa („so einen Wahlmorgen habe ich noch nie erlebt“) ist froh, dass alles reibungslos gelaufen ist. Nun dürfen Frau Hinz und Herr Kunz wieder die Wahlkabinen für sich haben. Eigentlich hätte sich Bernd Schaffrath bei jedem per Handschlag bedanken dürfen. Für das Verständnis und für die Geduld. Martin Schulz tat das dann. Wobei fast jeder im Raum von ihm noch einen Händedruck bekam. Das ist professionell, im Gegensatz zu manchen Vertretern der großen Sender.

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