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Manche Autos wechseln nie den Halter

Manche Autos wechseln nie den Halter

Kreis Aachen. Wenn im täglichen Feierabendstau wieder einmal die bohrende Frage nach dem „Warum” aufkommt, dann könnte Reinhold Radermacher weiterhelfen. Mit der Zahl „360876”.

Genau so viele Autos, Busse, Traktoren, Anhänger, Motorräder und Lastwagen rollen nämlich durch Stadt und Kreis Aachen und sorgen für Gedränge auf den Straßen - oder tun es bald wieder: Der Computer auf Radermachers Schreibtisch listet die Fahrzeuge auf, die derzeit zugelassen oder aber vorübergehend stillgelegt sind.

Radermacher sitzt im Zentrum der automobilen Daten für Stadt und Kreis. Er ist Koordinator für die elektronische Datenverarbeitung im Straßenverkehrsamt am Aachener Kreuz in Würselen. Sein Rechner weiß Bescheid über jedes Auto und seinen Halter, die Erstzulassung und den nächsten fälligen TÜV-Termin - um nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Spektrum der Abfragemöglichkeiten zu nennen.

Der Rechner beherrscht auch ein kleines Zeit-Kunststück: Er kann zurück gehen in eine Zeit, in der der Computer in die Kategorie „Fremdwort” fiel und Datenbanken aus dicken Wälzern bestanden. Radermacher kann dem Computer entlocken, welche Fahrzeuge in Kreis und Stadt dem Rest viel voraus haben - an „Lebensjahren”.

Alte Schätzchen

Das älteste ohne Unterbrechung zugelassene Fahrzeug in Stadt und Kreis ist - recht unspektakulär - ein geschlossener Anhänger.

Der Lastenesel erhielt die erste Zulassung am 4. Mai 1949, der Halter - dessen Herkunft und Name natürlich dem Datenschutz im Straßenverkehrsamt unterliegt - schritt am 15. Februar 1951 zur Zulassungsbehörde, meldete den Hänger im Kreis Aachen an - und wurde danach in Sachen Anhänger nicht mehr tätig: Seit 53 Jahren ist das gute Stück ohne Unterbrechung angemeldet.

Platz zwei belegt ein Fahrzeug, das schon eher die Erwartungen in Sachen „altes Schätzchen” erfüllt: ein Lanz-Traktor; erste - und bis heute bestehende - Zulassung im heutigen Kreis Aachen: 9. Februar 1953. Auf Rang drei rangiert ein echter Hingucker für Auto-Fans: Die historische Drehleiter der Feuerwehr Eschweiler, ein Mercedes LF 3500, amtliches Kennzeichen: AC - 2089, ununterbrochen angemeldet seit 21. Mai 1954. Die Wehrleute nutzen das Fahrzeug heute natürlich nicht mehr zu Einsätzen, unterwegs ist es nur noch zu Festen, etwa Jubiläen.

Was erwartete nun den Autobesitzer, wenn er in den 50er Jahren in die Zulassungsstelle schritt? Die Antwort lässt sich in eine Formel fassen: viel Papier wälzen.

Denn natürlich war von elektronischen Helfern noch keine Rede, auch elektrische waren nicht in Sicht - also griffen die Damen und Herren vom Kreis zum Stift und nahmen das dicke Buch aus dem Schrank: Für jede Buchstabenkombination hinter dem „AC” gab es einen dicken Wälzer, in den wurden handschriftlich die Daten eingetragen. Meistens war die Schreibarbeit fest in der Hand der Auszubildenden.

Fehler im Computer

Heute werkeln 34 vernetzte Computer an den Auto-Daten für den Kreis (und seit der Zusammenlegung der Straßenverkehrsämter 2001 auch für die Stadt) Aachen; keine Zahl rund ums Auto wird noch handschriftlich auf Papier geschrieben.

Und doch kommen das Papierzeitalter und die dicken Wälzer aus den Anfangsjahren manchmal zurück. Schuld dran ist die Umstellungsphase in den achtziger Jahren, erklärt Reinhold Radermacher: „1984 wurde die EDV eingeführt, damals haben Studenten die bestehenden Daten in die Computer eingegeben.”

Und dabei sind einige Pannen unterlaufen. „Wir finden immer wieder ein paar Sachen, bei denen wir sagen: âDas kann einfach nicht sein.” Etwa der jüngst in der Statistik „entdeckte” Halter eines - laut Computer - noch zugelassenen Fahrzeuges. Sein Geburtsjahr: 1898.