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Würselen: Mackie Messer macht Burg Wilhelmstein unsicher

Würselen : Mackie Messer macht Burg Wilhelmstein unsicher

„Das Lampenfieber steigt noch an”, ist sich Dominique Muszinski sicher. Gemeinsam mit dem Literaturkurs des Euregio-Kollegs probt die 23-Jährige für den großen Auftritt im Rahmen der Schultheatertage.

Das 30 Personen starke Ensemble hat sich dieses Mal der „Dreigroschenoper” von Bertolt Brecht und Kurt Weill angenommen.

Spartanische Bühne

„Noch haben wir das Stück nicht ganz durchgespielt, der letzte Feinschliff fehlt noch. Aber der Text sitzt bei den meisten bereits sicher”, freut sich Lehrerin Sylvia Sayer-Marx.

Das spartanische Bühnenbild nach einer Idee von Frank Rommerskirchen vom Aachener DasDa-Theater besteht hauptsächlich aus mehreren Holzpaletten.

Der Umbau geht schnell und einfach, etwa bei der Verwandlung vom Gefängnis in eine Spelunke. „Die Zuschauer werden innerhalb der zweistündigen Aufführung den Umbau des Bühnenbildes hautnah miterleben”, erklärt Sayer-Marx.

Das komplette Rund von Burg Wilhelmstein wird zur offenen Bühne. 27 Schauspieler und drei Sänger unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. „Aber die Dreigroschenoper ist ein Stück mit vielen Rollen, sodass jeder einen Charakter übernehmen kann”, betont Sayer-Marx.

„Geben ist seliger als Nehmen!”, so lautet der Wahlspruch von Jonathan Peachum (Mario Lennartz), seines Zeichens Bettlerkönig von London.

Um das Mitleid der Besitzenden zu erregen, staffiert er gesunde Menschen wirkungsvoll zu Krüppeln aus, lässt diese für sich betteln und schlägt somit aus dem Elend Kapital.

Ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt sein Konkurrent, der smarte Gangster Macheath (Daniel Leufgens), genannt Mackie Messer, der durch Bestechung, Erpressung und mit Hilfe seiner durchtriebenen Gang Londons Unterwelt in Soho kontrolliert.

Als Mackie Gefallen an Peachums Tochter Polly (Nadine Heimann) findet und die beiden sich in einem Pferdestall heimlich das Ja-Wort geben, werden auch noch der korrupte Polizeichef, dessen Tochter Lucy (Lucy Freundel) und die vom Leben gebeutelte Spelunken-Jenny (Marika Jungblut) ins Geschehen verstrickt.

Schnell wird klar: Hier ist eigentlich jeder korrupt, denn „nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm”.

Die Käuflichkeit des Menschen ist es auch, die der Literaturkurs des Euregio-Kollegs in Würselen zum zentralen Thema seiner Inszenierung des modernen Klassikers gemacht hat.

Der Zeitgeist des Schauspiels mit Musik - Amüsierbetrieb hier, Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit da - hat viele Parallelen zur Gegenwart.

Der Zuschauer mag am Ende entscheiden, ob es sich dabei um unterhaltsame Gesellschaftskritik oder gesellschaftskritische Unterhaltung handelt.

Die fetzigen Weill-Songs aus den 20er Jahren wie die berühmte „Moritat von Mackie Messer” oder das „Lied der Seeräuber-Jenny” werden in Originalversion live gespielt von einem achtköpfigen Orchester unter Leitung von Willy Beckers, Realschule Kohlscheid.

Die Premiere findet am Samstag, 3. Juli, 20 Uhr, auf Burg Wilhelmstein statt.