Würselen: „Lucivers“ bieten auch modernen Gospel

Würselen: „Lucivers“ bieten auch modernen Gospel

Ein außergewöhnliches Konzert fernab ausgetretener traditioneller deutscher Pfade gab der Chor „Lucivers“ bei Kerzenschein — das Gotteshaus war von außen prächtig angestrahlt — in der Kirche St. Lucia. Geboten wurden sowohl vom Chor als auch von den beiden Gesangssolisten Kathrin Büscher (Sopran) und Ralf Pütz (Tenor) Gospelsongs und anglikanischer Chorgesang, unter anderem von dem zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter.

Seiner Freude über die große Resonanz — die Kirchenbänke waren voll besetzt — verlieh der aktive Sänger, Gemeindereferent Thomas Krieger, verbunden mit Gedanken zum Advent, Ausdruck.

Mit dem modernen Gospelsong „Player Of The City“ des Norwegers Tore W. Aas stimmten die Gesangsolisten im Duett in das facettenreiche Programm ein, während die mehr als 40 Sängerinnen und Sänger über die Seitenschiffe Einzug in das Gotteshaus hielten und sich anschließend im Gesang mit dem Duo Büscher und Pütz vereinten. Eine erste Kostprobe der gesanglichen Qualitäten von Solisten und Chor, den die junge Dirigentin Severine Joordens durch intensive Probenarbeit bestens eingestellt hatte.

Auch bei allen weiteren Darbietungen erlebten die Besucher des Konzertes einen stimmlich ausgewogenen und harmonischen Klangkörper. Besinnlich und erwartungsfroh stimmte er das „English Advent Carol“ von John M. Neale an. Bewegung kam in den Chor beim Gospel-Ohrwurm „Oh Happy Day, When Jesus Born“ auf. Die Zuschauer ließen sich nicht lange bitten und klatschten vor Freude eifrig mit. Der Chor drückte dem Song seinen eigenen Stempel auf. Als Kontrast dazu das Lied „Geht zu den Ställen“ des in Pulheim lebenden deutschen Komponisten und Verlegers Ludger Edelkötter.

Paul Simons „Bridge Over Troubled Water“ war ein weiterer Kontrapunkt. Die engagierte Dirigentin lotete die klangliche Vielfalt ihres Chores nach vielen Seiten aus. Ohne technische Hilfen versetzte das Gesangsduett mit seiner fein abgestimmten Darbietung „Angel Carol“ von John Rutter in Verzückung. Anhaltender Applaus war der schönste Lohn. Zeitgenössisch ging es weiter im Programm, als sich das Instrumentalensemble „Lucitones“, Iris Donner-Hermanns (Saxophon/Klarinette), Claudia Pütz (Flöte), Werner Wienands (Orgel), Bernd Bresseler (Gitarre) und Gast Margret Kremer (Geige), zu „Wort“ meldete.

Vor allem brillierten sie bei der Klezmersonate, bei der Elton- John-Kompositionen erst mit der Klezmer-Musik in einen Dialog eintraten und am Ende eine Symbiose eingingen. Das Ensemble brillierte sowohl im Ganzen als auch durch die solistischen Einlagen. Bemerkenswert ist, dass es sich um ein eigenes Arrangement handelte.

Eine wunderschöne Bereicherung des Programms waren die beiden subtilen Darbietungen von Philipp Strüber (Frankfurt) auf dem Vibraphon. Sphärenklänge erfüllten den Kirchenraum beim „Blues For Gilbert“ von Mark Glentworth.

Daneben glänzte der Solist mit seinem „Texas Hoedown“ des amerikanischen Jazzers David Friedman. Mit „Tochter Zion“ des Barockkomponisten Johann Friedrich Händel meldete sich der Chor zurück, begleitet von Karl Graf an der Orgel. Der Kirchenraum hallte wider vor erwartungsvoller Freude. Den Schlussakkord setzten Chor, Instrumentalisten und Gesangsolisten mit „Gabriellas Song“ des Norwegers Stefan Nilsson. Donnernder Applaus brandete auf.

Mit Karl Graf kam schließlich in einem gemeinsamen Singen die traditionelle deutsche Weihnacht zu ihrem Recht, von „Kling, Glöckchen“ und „Leise rieselt der Schnee“ über „In der Weihnachtsbäckerei“ und „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ bis hin zu „Engel auf den Feldern“ und „Adeste Fideles“, in Deutsch, Lateinisch und Öcher Platt. Zum Einsatz kam beim Konzert ein neues Elektropiano. Für eine großzügige Spende zur Anschaffung bedankte sich der Vorsitzende des Chores, Bernd Bresseler, bei der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen.

(ehg)
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