Nordkreis: Loverichs Zwergschule ist ein Stück heile Welt

Nordkreis: Loverichs Zwergschule ist ein Stück heile Welt

Die große Adventskerze ist schon angezündet. 17 Schüler sitzen um sie herum und warten auf eine neue Weihnachtsgeschichte. Einer von ihnen wird sie gleich vorlesen dürfen. Der Grundschulalltag in Loverich vermittelt ein Stück heile Welt.

„Die Schüler haben ihre festen Rituale”, sagt Schulleiterin Gudrun Tribbels. Die Rituale gehören für sie zu den Vorteilen einer kleinen ländlichen Grundschule wie der in Loverich. „Die Kinder wachsen hier sehr behütet auf”, sagt sie.

Darum ist Tribbels froh, dass NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann ein Sicherungskonzept für sogenannte Mini-Grundschulen, auch Zwergschulen genannt, vorgestellt hat. Besonders begrüßt sie die Senkung der Klassengröße. „Nur so ist eine individuelle Förderung möglich.”

Zurzeit besuchen in Loverich 83 Kinder die Grundschule, für das kommende Schuljahr gab es 20 Anmeldungen. Die Einzügigkeit (sprich: eine Klasse pro Schuljahr) wurde vorgeschrieben.

Seit 22 Jahren leitet Gudrun Tribbels (60) die Schule, seit 1981 unterrichtet sie dort. In dieser Zeit hat sie ähnlich viel Wirbel um die kleinen Schulen erlebt wie Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Für ihn ist der Kampf um den Fortbestand der sieben Grundschulen seit Beginn seiner Amtszeit ein Thema. 26 Jahre lang hat er um den Erhalt, besonders um die der kleinen Schulen, bangen müssen. Vor zwei Jahren konnte die Grundschule Beggendorf gerettet werden. Doch nur, indem sie zum Teilstandort der Grengrachtschule wurde.

„Wir sind froh, dass das Schulministerium jetzt umdenkt und das umsetzt, was von allen in den letzten Monaten gefordert worden ist”, sagt Linkens. Das Prinzip „Kurze Beine, kurze Wege” hält er für einen unverzichtbaren Bestandteil eines funktionierenden Dorflebens. „Das ist absolut wichtig für die Gemeinschaft. Welche Familie würde in einen Ort ziehen, in dem es keine Grundschule gibt?”

In Alsdorf steht im kommenden Jahr die Zusammenlegung der Grundschulen Kellersberg und Ost am Standort Pommernstraße an.

Die Städte Würselen und Herzogenrath konnten bislang noch recht unbesorgt auf ihre Grundschullandschaften blicken. Werner Birmanns, Erster Beigeordneter der Stadt Würselen, bezeichnet keine der Grundschulen als „Mini-Schule”. „Alle haben noch mehr als 92 Schüler.” Auch die kleinste Grundschule in Linden-Neusen sei in ihrer Selbstständigkeit nicht gefährdet. Mit der Einrichtung der Wurmtalschule, des gemeinsamen Grundschulverbunds zwischen Morsbach und Scherberg, konnte man vor zwei Jahren beide Standorte erhalten.

Demografischer Wandel

In Herzogenrath sind alle neun bestehenden Grundschulen mindestens zweizügig, ebenso die Förderschule. „Aber der demografische Wandel wird auch hier anrücken”, weiß Jugend- und Bildungsdezernentin Birgit Froese-Kindermann. „Doch bis dahin bleibt uns noch etwas Zeit.” Jahrgangsübergreifenden Unterricht zumindest gibt es in den Herzogenrather Grundschulen schon seit Jahren. „Da besteht ein zunehmendes Interesse vonseiten der Schulen.”

Gudrun Tribbels hält von dem Konzept nichts, nachdem sie in anderen Schulen mit jahrgangsübergreifendem Unterricht hospitiert hat. „Das ist Abteilungsunterricht, da gibt es keine Kontrolle und keine Gemeinschaft mehr”, findet sie. „Man muss nicht jedem neuen Trend hinterherlaufen. Manches muss man auch mal aussitzen.”

Bürgermeister Linkens ist optimistisch, was die Zukunft von Loverichs Zwergschule betrifft. „Wir werden keine Schule schließen müssen.” Tribbels geht es jedoch nicht nur darum, eine Schließung zu verhindern. Auch ein Verbund wie in Beggendorf ist für sie für Loverich nicht vorstellbar. „Eine Schulleiterin muss immer vor Ort sein”, findet sie. „Ich hoffe sehr, dass unsere Schule selbstständig bleiben kann.”

Hoffnung gibt Tribbels und Linkens, dass sich die Orte Puffendorf und Loverich im Wandel befinden. Zwei neue Wohngebiete sollen in naher Zukunft entstehen und junge Familien anlocken. Die heile Welt soll sich so in Loverich weiterdrehen.