Herzogenrath: Lob für Rodas engagierte Bevölkerung

Herzogenrath: Lob für Rodas engagierte Bevölkerung

Bis zur letzten Minute war sie in ihrem Amt voll und ganz gefordert, vor allem durch die neue Entwicklung in Sachen Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt. Die Abschiedstour durch die einzelnen Abteilungen in der Stadtverwaltung hat sie in mehreren Schichten absolviert.

Am Mittwoch hatte Herzogenraths Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann ihren letzten Arbeitstag in Herzogenrath. Zum Jahresbeginn wird die gebürtige Münsteranerin ihre Arbeit in der Stadt Herford fortsetzen, wo sie Ende September zur Beigeordneten für Schule und Soziales gewählt worden war. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht sie Bilanz nach sieben Jahren in der Rodastadt:

Natürlich haben Sie schon alles zusammengepackt, welche Dinge nehmen Sie denn aus Ihrem Herzogenrather Büro mit ins Herforder Rathaus?

Froese-Kindermann: Es gibt schon das eine oder andere persönliche Erinnerungsstück, das mitkommt und in Herford einen Ehrenplatz erhält. Zum Beispiel das bei „Kunst für Kohle“ erworbene Dekostück, ein mit persönlichen Widmungen versehenes gerahmtes Foto des Stadtsportverbands, die extra für mich von Kolleginnen und Kollegen als Erste Hilfe in Herford beschriftete Kaffeetasse, ein inhaltsreicher Wandkalender, Handreichungen zum Umgang mit Fördermitteln und Quartiersprojekten, die mir für einen guten Start dort geschenkt wurden, und und ...

Wie war der Abschied von Ihren Kollegen? Was werden Sie von den Herzogenrathern in Erinnerung behalten?

Froese-Kindermann: Viele persönliche Einzelgedanken zu meinem Weggang haben wir austauschen können, und manche Anekdote kam wieder ans Tageslicht. Neben den Verabschiedungen aus den Ausschüssen und im Stadtrat hatten wir auch einen Sektempfang außerhalb der Arbeitszeit — dort und auf der jährlichen Betriebsfeier wurde es dann ausgelassener. Aus der Herzogenrather Zeit wird mir zudem besonders in Erinnerung bleiben: die lebendige, vielfach organisierte und im Ehrenamt engagierte Bevölkerung.

Was hat Ihnen in Ihrem Aufgabenbereich am meisten Freude bereitet?

Froese-Kindermann: Die fortwährende Antriebsfeder in meinem Beruf ist es, für und mit den Menschen der Kommune arbeiten zu dürfen.

Und was ist in Herzogenrath die härteste zu knackende Nuss gewesen?

Froese-Kindermann: Der Herzogenrather Schulkonsens — Gründung einer zweiten Gesamtschule und in der Folge die Schließung von Haupt- und Realschule — wurde mit einstimmigen Beschlüssen in den entsprechenden Gremien besiegelt. Da haben alle an einem Strang gezogen, aber die Überzeugungsarbeit war für alle Beteiligten ein langer Weg.

Gibt es Bereiche in Ihrem bisherigen Dezernat, die aufgrund des Nothaushalts wie auch immer geartete Einschnitte hinnehmen mussten?

Froese-Kindermann: Leider ja, im Bereich der sogenannten freiwilligen Leistungen. Kultur, Vereinssport oder gar Sport für die Allgemeinheit, Angelegenheiten der demografischen Entwicklung oder der Altenarbeit, die Unterstützung des Ehrenamts, neue Angebote der präventiven Jugendarbeit und Beiträge zur Unterstützung von Sozialverbänden werden von der Kommunalaufsicht als solche freiwilligen Leistungen angesehen. Kürzungen sind da besonders schwer zu verkraften, da vorhandene Strukturen damit gefährdet werden.

Wo sehen Sie im Bereich Jugend und Soziales dem größten Handlungsbedarf in den kommenden Jahren?

Froese-Kindermann: Es gibt ein großes Thema, für das jedoch die Kommune nicht alleine verantwortlich zeichnen kann: für alle hier lebenden und bleibenden Schulkinder den besten Abschluss zu vermitteln. Bildungsgerechtigkeit ist das Mittel der ersten Wahl, um soziale Disparitäten zu vermeiden, präventiv zu wirken und Integration und Inklusion zu verwirklichen, beginnend im Vorschulalter. Lehrerstellenbesetzung, Finanzunterstützung und Förderung flankierender Maßnahmen durch das Land sind jedoch dazu erforderlich.

Welchen Tipp würden Sie Ihrem Nachfolger/Ihrer Nachfolgerin dazu mit auf den Weg geben?

Froese-Kindermann: Die Fachbereiche sind gut aufgestellt. Mit den vorhandenen und den zu aktualisierenden Planungsdaten und einem vollen Ideenkoffer kann sozialraumscharf gearbeitet werden.

Und welche Aufgabe gilt es für Sie in Herford als Erstes anzupacken?

Froese-Kindermann: Die Führungskräfte der Stadtverwaltung Herford werden Anfang Februar auf Initiative des Bürgermeisters in zweitägiger Klausur die aus ihrer Sicht notwendigen und erreichbaren Ziele erarbeiten und abstimmen. Dem kann und will ich natürlich nicht vorgreifen.

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