Würselen: Literaturkurs des Heilig-Geist-Gymnasiums: So werden Kerle gefügig

Würselen: Literaturkurs des Heilig-Geist-Gymnasiums: So werden Kerle gefügig

Es tobt ein Krieg zwischen Männern und Frauen! Und zwar deshalb, weil die Frauen keinen Krieg mehr wollen. Das alles zum Glück nur auf der Bühne im Pfarrheim St. Lucia, gespielt vom Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 des Heilig-Geist-Gymnasiums.

Im wirklichen Leben ist ja alles ganz anders als bei dieser Komödie des Aristophanes. Sage und schreibe 2400 Jahre alt ist das Werk - und doch gibt es einige Parallelen zu unserem heutigen Leben. Oder haben die Schülerinnen und Schüler mit ihrer lebhaften Phantasie einfach alles aktualisiert?

Haben sie nicht, wie ihr Regisseur und Literatur-Lehrer Wilfried Bonn verrät. Beim Text jedenfalls kannte er kein Pardon. Die jungen Schauspieler mussten wortgetreu bleiben und den ganzen Aristophanes auswendig können.

Hut ab, das haben sie gemeistert bei erstklassigen schauspielerischen Leistungen. Und hatten noch richtig Spaß dabei. So richtig begeistert gehen im Stück Männer und Frauen aufeinander los, angeführt von Lysistrata. Die hat ihre Geschlechtsgenossinnen überredet, sich ihren Männern sexuell zu verweigern, bis diese die Kriegsführung beenden.

Das Unternehmen gelingt nach einigen Turbulenzen - bester Stoff für ein Lustspiel mit Anspielungen von anzüglich bis ernsthaft. Wenn ein Weib beiläufig eine Salatgurke in der Hand hält und von Lysistrata gefragt wird „Was hast du vor? Ein großes Ding?”, schallt Gelächter aus dem Zuschauerraum, denn die Mädels auf der Bühne bleiben völlig gelassen.

Selbstironie blitzt durch, wenn die Frauen über Schönheitspflege und die Männer reden. Letztere sind mit viel Getöse unterwegs, zeigen aber auch ironische Untertöne. Kämpferisch erheben sie Waffen und Worte gegen das schöne Geschlecht, im Zweifel sind sie aber ganz schön schwach und flüchten vor Wasserkrug, Nudelholz und Kochlöffel.

Überraschung im Stück: Zu Aristophanes Zeiten war Griechenland ziemlich pleite, weil immense Summen für Kriegsmaterial ausgegeben wurden. Lysistrata thematisiert das Geld im Stück. „Das Geld steht doch meistens dahinter” - hinter Krieg und anderen schlimmen Sachen, analysiert sie. „Ihr müsst eure Regierung vom Schmutz befreien und Gesindel vertreiben. Gemeinwohl schaffen und die Bürger zurück in den Korb holen”, sind ihre Lösungsvorschläge.

Es gab Lachen und Staunen, starken Applaus. Das Publikum war rundum begeistert von dieser gelungenen Aufführung.

Der zweite Literaturkurs des Gymnasiums führt am Mittwoch und Donnerstag, 4. und 5. Juli, jeweils 19.30 Uhr, das Stück „Die Widerspenstige” in Anlehnung an das Shakespeare-Stück auf.

Der Vorhang hebt sich im Pfarrheim St. Lucia, Luciastraße.

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