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Alsdorf: Letzte Justierung vor den US-Open

Alsdorf : Letzte Justierung vor den US-Open

„Au Banan”, „dat is der Hammer”. Man hört es von den rund 20 Zuschauern: Man befindet sich in Alsdorf. Die Ausrufe des Erstaunens sind authentisch und haben durchaus ihre Berechtigung. Denn was die Männer und Frauen, Jungs und Mädchen an diesem Nachmittag im Sportforum zu sehen bekommen, ist absolute Weltklasse.

Nicolay Davydenko, die aktuelle Nummer 5 der ATP-Weltrangliste, trainiert vor ihren Augen - live und in Farbe - auf dem „Rebound Ace”-Platz, der jüngst im Sportforum verlegt wurde. Der 27-jährige Russe bereitet sich dort auf die Master-Series-Turniere in den USA vor. „In Wimbledon war ich nicht optimal vorbereitet und bin in der ersten Runde rausgeflogen. So etwas passiert mir nicht wieder”, berichtet Davydenko etwas zerknirscht über die Gründe, die ihn nach Alsdorf führten.

Zustande gekommen waren die Trainingseinheiten in Alsdorf durch Tomás Behrend. Bei einem Turnier in Köln waren sich die alten Bekannten aus aktiven Zeiten Eduard Davydenko, Trainer und Bruder des Topspielers, und der Leiter des Alsdorfer Leistungszentrums „ToBeTennisprofessional” begegnet. Ein Telefonat zwischen den beiden und Familie Davydenko - mit im Tross sind auch Nicolays Frau Irina und der 15-jährige Neffe Philipp - reiste nach Alsdorf.

Bevor es nun in der kommenden Woche zu den anstehenden Turnieren in Toronto, Cincinnati und zu den US-Open nach New York geht, will sich Davydenko einige Tage intensiv mit dem Bodenbelag, der ihn in Amerika erwartet, vertraut machen. Und ein solcher befindet sich eben in „der Provinz”, in Alsdorf.

Außer dass die geschlagenen Bälle von beeindruckender Präzision und Härte sind, fällt dem ungeschulten Auge nicht auf, was der Ausnahmespieler, der bereits 14 Einzeltitel für sich verbuchen kann, denn gerade besonders trainiert.

Auch Tomás Behrend, der das Training mit seinem Future-Nachwuchsteam kurzerhand von der verregneten Tennisanlage von Rot-Weiß Alsdorf zur Theoriestunde in die Tennishalle verlegt hat, grübelt: „Das sind oftmals nur Kleinigkeiten. Top-Ten-Spieler sind perfekt. Sie funktionieren wie ein Motor, an dem nur hier und da etwas justiert wird”, erklärt er seinen Schützlingen, die sich sehr beeindruckt von dem drahtigen, „nur” 1,79 Meter großen Top-Athleten zeigen.

Nach dem Training lüftet der sympathische „Motor” das Geheimnis - übrigens in einem sehr flüssigen Deutsch: „Bei dieser ersten Einheit ging es zunächst einmal darum, nach den vielen Turnieren auf Sand und Rasen wieder das Gefühl für den Hartplatz zu bekommen. Bewegung und Koordination sind nämlich anders, als bei den anderen Untergründen.”

Dass das Training nur ein Herantasten an den Belag war, leuchtet ein, doch der Laie staunt, wie ein solches aussieht: Vorhand, Rückhand, Slice, Volley, Aufschlag, Return - Nicolay Davydenko spult in einer bestechenden Dynamik das gesamte Repertoire ab, das diesen Sport so attraktiv macht. Hin und her wird er gejagt von seinem Bruder Eduard und seinem unglaublich talentierten, erst 15-jährigen Neffen.

Ein Raunen geht durch die kleine Zahl Schaulustiger, wenn Philipp seinen Onkel immer wieder einmal „alt aussehen” lässt. Zur Erinnerung: Nicolay ist Fünfter der Weltrangliste, hat Nadal und Federer geschlagen! Auch Tomás Behrend ist überzeugt: „Von Philipp wird man in ein paar Jahren noch einiges hören.”

Gerne hätte er selbst ein paar Bälle mit Nicolay Davydenko geschlagen - „schließlich habe ich bereits zweimal gegen ihn gewonnen.” Doch der straffe Trainingsplan lässt an diesem Tag einen weiteren Vergleich nicht zu. Chancen hätte der 33-jährige Behrend heute wohl kaum mehr.