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Alsdorf: Lernerfahrungen in der Pfütze

Alsdorf : Lernerfahrungen in der Pfütze

„Viele Bildungspolitiker wollen am liebsten nur den Kopf eines Kindes in den Kindergarten schicken.” Das kann Renate Zimmer, Professorin für Sportpädagogik an der Universität Osnabrück, nicht verstehen. Denn der Rest vom Kind hängt nun mal am Kopf dran. Und erst wenn der Körper ausreichend bewegt wird, tut sich auch im Gehirn so richtig was.

„Lernen braucht Bewegung” - diese Botschaft stellte der Gast des fünften Alsdorfer „Kita-Tages” in der Stadthalle in den Mittelpunkt. Rund 70 Erzieherinnen aller städtischen Kindergärten kamen beim Info- und Workshop-Tag zusammen. Auf diesen stimmte sie das gut zweistündige Referat der Professorin ein.

„Von Geburt an tragen alle Bewegungserfahrungen zur Entwicklung der Selbstständigkeit und des Denkvermögens bei.” Zahlreiche Studien hätten belegt, so Zimmer, wie Bewegung in den ersten Lebensjahren die Synapsenbildung im Gehirn fördere.

Wer sein Kind anregen möchte, sollte es also tunlichst nicht in dessen Bewegungsdrang einschränken. „Wenn ein Kind in einer matschigen Pfütze spielt, macht es sich dabei nicht in erster Linie dreckig - es macht dabei etliche wertvolle Erfahrungen und entdeckt seine Umwelt.”

Kontraproduktiv sei hingegen das „klassische Lernklima” in Schulen. „Das Stillsitzen im Klassenzimmer führt nur zu Konzentrationsverlust und ist lernfeindlich.” So genannten „bewegten Unterricht”, bei dem Schüler im Klassenraum umherlaufen und etwa im Sachunterricht durch Experimente im wahrsten Wortsinn etwas begreifen, nannte Zimmer als erfolgversprechendes Modell der Zukunft.