Würselen: „Lemmon“-Projekt: Wer bezahlt die iPads für Lehrer?

Würselen : „Lemmon“-Projekt: Wer bezahlt die iPads für Lehrer?

Auf den ersten Blick sieht alles prima aus: Das Gymnasium Würselen ist mit seinem „Lemmon“-Projekt zu einem Aushängeschild der Stadt Würselen geworden. Ab Jahrgang sieben werden iPad-Klassen angeboten. Nun kommt der erste Jahrgang der iPad-Klassen im Schuljahr 2018/19 in die Einführungsphase der Oberstufe.

„Um den Schülern eine dem 21. Jahrhundert angemessene Medienkompetenzbildung anbieten zu können“, heißt es seitens des Gymnasiums, haben sich Enthusiasten, allen voran „Projektmanager“ Frajo Ligmann, intensiv mit dem Einsatz von iPads im Unterricht beschäftigt — und das weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus. Das fand reichlich Anerkennung. Das Projekt erhielt den Innovationspreis 2017 „Digitale Bildung“, der von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka in Berlin übergeben wurde.

Ligmann ist bundesweit gefragt, um in Vorträgen und Schulungen diese Form von modernem Unterricht auch an anderen Schulen zu implementieren.

Schlechter Internetanschluss

So weit, so gut. Aber das Projekt gerät an seine (Wachstums-)Grenzen, wie Ligmann jetzt in der Sitzung des Würselener Bildungsausschusses deutlich machte. Besonders wirke sich die vollkommen unzureichende Kapazität des Internetanschlusses negativ aus. Ein deutlich leistungsfähigerer Breitbandanschluss sei dringend geboten, wie Ligmann sagte. Der aktuelle Anschluss sei seit sieben Jahren unverändert. Die Zahl der eingesetzten Geräte sei hingegen ständig gewachsen.

Und auch die Stadtverwaltung konstatiert: Nachdem die Erfahrungen der ersten iPad-Klasse durchweg positiv waren, wurden in den Schuljahren 2016/17 und 2017/18 jeweils zwei iPad-Klassen jeweils in der Jahrgangsstufe 7 eingerichtet. Demnach sind in diesem Schuljahr fünf von 20 Klassen iPad-Klassen. Für das nächste Schuljahr sind auch wieder so viele Anmeldungen eingegangen, dass auch hier voraussichtlich zwei iPad-Klassen eingerichtet werden. Hinzu kommen laut Ligmann noch etliche Laptops. Dies führe zu teilweise vollkommen unakzeptablen Zugriffszeiten.

Beigeordneter Roger Nießen bedauerte: In der Ausschreibung der Städteregion Aachen sei dies zwar enthalten, könne aber nicht vor Ende 2019 realisiert werden. Allerdings sei die Telekom auf das iPad-Projekt am Würselener Gymnasium aufmerksam geworden und möchte dort gern eine „Pilotschule“ zum Thema Breitbandnutzung installieren. Ende Juni laufe die Ausschreibungsfrist aus. Würde die Telekom den Zuschlag bekommen, solle das Gymnasium bei der Umsetzung vorgezogen werden. Sollte ein anderer Anbieter zum Zuge kommen. wäre die Telekom bereit, mit diesem über eine schnellstmögliche Umsetzung zu verhandeln, hieß es ergänzend seitens der Verwaltung.

„Dass der Anschluss an das Glasfasernetz erst Ende 2019 vorgesehen ist, ist für uns zu spät und wird uns schaden“, warnte Ligmann.

Wiederholt hat sich das Gymnasium Würselen zudem bei der Stadt Würselen darum bemüht, iPads auch für Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen, „um adäquat unterrichten zu können“. Im März 2017 wurde die Anschaffung von 40 iPads inklusive Schutzhüllen für Lehrer beantragt — nebst zehn HDMI-Beamern und zehn Apple-TVs. Der Einsatz von privaten Geräten werde als datenschutzrechtlich bedenklich angesehen, „da es eine Vermischung von dienstlichen und privaten Daten auf dem Gerät gibt“.

Aus Sicht der Verwaltung ist die Bereitstellung von Dienst-iPads rechtlich nicht möglich. Zwar sei der Schulträger, also die Stadt Würselen, verpflichtet, die für einen ordnungsgemäßen Unterricht erforderlichen Einrichtungen entsprechend dem Stand der Technik zur Verfügung zu stellen. Aber dies gelte nicht für die Arbeitsgeräte der Lehrer, da diese Landesbediensteten seien, zumal Geräte zur Vorbereitung des Unterrichts zur Verfügung ständen.

Ligmann sagte: „Die Ausstattung auch von Lehrern mit iPads wäre der wesentliche Kern für weitere Projekte und um mehr Lehrer für diese Form von Unterricht zu gewinnen.“ Wenn ein Kollege erst einmal mit diesen zeitgemäßen Mitteln Unterricht erteilt habe, wolle er nichts anderes mehr, berichtete der Projektmanager aus seiner Erfahrung.

Andreas Dumke (SPD) lobte wie andere Fraktionssprecher auch das iPad-Projekt und das Engagement am Gymnasium Würselen. Allerdings teilte er die Einschätzung der Stadtverwaltung, dass die Ausstattung von Lehrern mit iPads Sache des Landes sei. Zu dem von Ligmann in Aussicht gestellten Besuch der Landesministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer (CDU), des Würselener Gymnasiums sagte SPD-Mann Dumke: „Die Anschaffung von iPads für Lehrer können Sie ja dabei der Ministerin mit auf den Weg geben.“

Letztlich beschloss der Bildungsausschuss, im Rahmen der Lemmon-Projekts für Schüler 60 iPads sowie weitere Ausrüstung (zwei iPad-Trolleys und einen Gigabit-Switch) für das Gymnasium anzuschaffen und die Access Points (Schnittstelle für kabellose Kommunikationsgeräte) gegen neue auszutauschen. Dafür sollen 34.900 Euro ausgegeben werden.

Damit dürfte das Thema Ausstattungsbedarf am Gymnasium aber nicht beendet sein. So wurde im Ausschuss darüber diskutiert, erst einmal keinen Beschluss zu fassen und dies dem Stadtrat, der am heutigen Dienstag ab 18 Uhr im Rathaus auf dem Morlaixplatz tagt, zu überantworten. Dieser Vorschlag wurde aber verworfen — was nicht bedeutet, dass die Diskussion über iPads für Lehrer im Rat nicht erneut aufkommt.

Deutlich wurde im Bildungsausschuss, dass neben dem Gymnasium weitere Schulen, so Gesamtschule und Grundschulen, gerne iPads im Unterricht einsetzen möchten. Angeregt wurde, dass das Gymnasium Würselen mit Rat bei Einführung und Umsetzung hilft.

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