Würselen: „Lemmon”: Mathe mit Laptop macht mehr Spaß

Würselen: „Lemmon”: Mathe mit Laptop macht mehr Spaß

Ein bisschen erinnert es immer noch an Science-Fiction, wenn man Frajo Ligmann beim Unterrichten zuschaut. „Fahrt bitte die Laptops hoch und geht ins Bettermarks-Portal. Dort habe ich Aufgaben für Euch bereitgestellt”, fordert der Mathematiklehrer des Würselener Gymnasiums seine Schüler auf.

Danach hört man Geräusche, die man eher in einem Büro vermuten würde als in einer Schulklasse: Laptops werden aufgeklappt, Mäuse klicken, Tasten rattern.

Als die Schüler fertig sind, schaltet Ligmann die elektronische Tafel an. Über einen Beamer erscheint dort der Bildschirm des Lehrer-Laptops, bedienen kann Ligmann die Tafel durch einfache Klicks direkt an der Wand. Nur verglichen werden die Ergebnisse dann doch ganz konventionell: Aufzeigen, Lösungswege vorschlagen, das Endergebnis vorstellen - zumindest das läuft im modernen Matheunterricht im Gymnasium noch genau so wie schon vor 30 Jahren.

Das, was stellenweise wie eine Zukunftsvision wirkt, hat einen Namen. „Lemmon - Lernen mit modernen Medien online” heißt ein Projekt, das seit 2008 an Würselener Schulen läuft. Dabei gibt es zum einen „Laptopklassen”, in denen jede Schülerin und jeder Schüler durch Leasing einen Laptop sein Eigen nennen kann. Zum anderen verfügen die Schulen über Klassensätze von Computern, so genannte Laptopwagen, so dass auch die übrigen Schüler bei Bedarf mit Computern arbeiten können.

Die Weichen sind gestellt

Tief in das Projekt eingearbeitet hat sich mittlerweile Frajo Ligmann. Der Mathematik- und Informatiklehrer kam in diesem Sommer neu ans Gymnasium der Düvelstadt und soll sich als Projektkoordinator vor allem um die didaktische Einbindung der neuen Medien in den Unterricht kümmern. „Enorme Kompetenzen” bescheinigen der stellvertretende Schulleiter Matthias Bartz und Volker Richterich dabei ihrem neuen Kollegen, der speziell wegen des Lemmon-Projekts an die Schule geholt wurde.

Volker Richterich ist ebenfalls eng in das Projekt eingebunden. Gemeinsam mit Christian Kroll kümmert er sich vor allem um die technische Seite von Lemmon. Eine Aufgabe, die gerade in der Vergangenheit nicht immer einfach war. „Wir haben das Projekt von Anfang an intensiv begleitet”, meint Bartz, doch Startschwierigkeiten konnten trotzdem nicht vermieden werden.

„Wenn so ein großes Projekt anläuft, ist es normal, dass nicht alles direkt funktioniert. Wir mussten die Fehler erst einmal finden. Es ist aber auch normal, das Eltern und Schüler dabei ungeduldig werden”, zeigt sich Richterich verständnisvoll. Mittlerweile sind die Weichen aber gestellt: „Das System läuft jetzt stabil, die Startschwierigkeiten sind behoben”, kommentiert der engagierte Lehrer. Wichtig ist dies natürlich auch für seine Kolleginnen und Kollegen: Denn den Laptop wirklich sinnvoll ins Unterrichtsgeschehen einbeziehen kann man natürlich nur, wenn auf die Technik auch Verlass ist.

Was dann aber alles möglich ist, das weiß Koordinator Ligmann ganz genau. Das Zauberwort heißt dabei „individuelle Förderung.” Immer wieder wird die schließlich gefordert, doch im Alltag bleibt den Lehrern angesichts zu großer Klassen oft schlicht gar nicht die Zeit, auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers eingehen zu können. Dabei kann die Technik eine echte Hilfe sein, etwa bei der Hausaufgabenkontrolle.

Ligmann erklärt: „Die Schülerinnen und Schüler reichen ihre Hausaufgaben online über ein Portal ein. Die Software zeigt mir dann sofort, wer seine Aufgaben nicht gemacht hat und welcher Schüler in welchem Bereich Probleme hat. Ich sehe also, woran ich mit den Schülern noch arbeiten muss und kann die Aufgaben ganz gezielt zusammenstellen. Die Schüler selbst bekommen zugleich automatisch eine Empfehlung, welche Aufgaben sie wiederholen sollten.”

Im normalen Unterricht könnte sich Ligmann einen so umfassenden Überblick über die Ergebnisse seiner Schüler schon alleine aus Zeitgründen nicht verschaffen. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Hausaufgaben in der Fünf-Minuten-Pause abschreiben ist dank der neuen Software nicht mehr möglich, der Lehrer kann genau definieren, bis wann die Aufgaben eingereicht werden müssen.

Doch dieser Kontrolle unterwerfen sich die Schüler gern, denn dank der modernen Medien wird selbst der ungeliebte Matheunterricht für die Schüler attraktiver. „Sie freuen sich, wenn wir mit dem Laptop arbeiten und ich merke, dass die Motivation dann höher ist. Müssten sie die selben Aufgaben im Heft lösen, hätten sie wahrscheinlich keine Lust”, meint Ligmann.

Langfristig möchte er diese Möglichkeiten noch ausbauen. „Uns schwebt ein Lernmanagmentsystem vor, mit Hilfeforen und der Möglichkeit, den Lernfortschritt zu verfolgen”, erläutert der Lehrer. Die Foren sollen Schülern einfache Möglichkeiten geben, sich gegenseitig zu unterstützen, für alle einsehbare Kalender die Planung von Klassenarbeiten erleichtern, Portfolios mit den Leistungen der Schüler die individuelle Förderung ermöglichen und ein internes Nachrichtensystem die Kommunikation erleichtern.

Den Schülerinnen und Schülern wird so auch ein ganzes Stück mehr Selbstständigkeit verliehen. „Wer ein Studium beginnt, ist oft mit dem selbstständigen Lernen überfordert. Die Computerlernsysteme geben den Schülern mehr Selbstständigkeit und Möglichkeiten, sich gegenseitig zu helfen. Das ist noch viel wichtiger, als den Umgang mit Word und Excel zu erlernen”, meint Koordinator Ligmann.

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