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Nordkreis: Laub-Bläser hoffen auf Wind und ersten Frost

Nordkreis : Laub-Bläser hoffen auf Wind und ersten Frost

Er ist einer der wenigen, die sich in diesen Tagen „einen anständigen Frost und einen kräftigen Wind” wünschen: Johannes Corall, Gärtnermeister bei den Technischen Diensten der Stadt Alsdorf.

Selbstverständlich bereitet auch ihm die herrliche herbstliche Farbenpracht beim Anblick der bunten Blätter an den Bäumen persönliche Freude. Beruflich sehnt er aber einen kurzen winterlichen Rundumschlag der Natur herbei, der das Laub möglichst auf einen Schlag von den Ästen fegt. Denn für Corall und seine Kollegen von den Bauhöfen bedeutet Herbstzeit Hochsaison.

„Wir haben alle verfügbaren Leute im Einsatz.” Ihr Auftrag: Städtische Grünflächen und Wege vom Laub befreien. Mit Blättern gefüllte Kanaleinlässe gehören in Alsdorf übrigens nicht dazu. „Das machen die Kollegen vom Straßenbau.” Der Kampf gegen die Unmengen an Laub dauert dabei viele Wochen lang, wenn die Natur nicht - wie in diesem Jahr - zeitig für nächtliche Minusgrade sorgt, die Arbeit so beschleunigt.

Technik plus Rechen und Besen

Dies machen indes bereits seit einigen Jahren technische Hilfen, die den Mitarbeitern der Bauhöfe bei der Laubbeseitigung jede Menge Arbeit abnehmen: Laubgebläse, Laubsauger, Achsengebläse oder Saugwagen machen Rechen und Besen zwar nicht überflüssig, sind den insgesamt rund 80 Einsatzkräften in den Nordkreis-Kommunen aber mittlerweile unverzichtbare Werkzeuge.

Denn: „Alles von Hand zu machen wie früher, dazu haben wir gar nicht mehr das Personal”, präzisiert Rainer Schulte, der beim Herzogenrather Bauhof für die Grünanlagen zuständig ist. Ohnehin sind zurzeit „alle Leute, die verfügbar sind, draußen”.

Wie Achim Göttlich vom Alsdorfer Bauhof. Mit dem gut zehn Kilo schweren Motor des Laubgebläses auf dem Rücken pustet er an der Mariadorfer Kirche großflächig das Laub auf große Haufen. „Hoffentlich sind wir bald durch”, sehnt auch er sich Frost und Wind herbei, die für einen großen Laub-Schub sorgen sollen.

Laut wie ein Düsenjet

Göttlich trägt wie seine Kollegen einen Gehörschutz, weil die mit extrem hoher Drehzahl laufenden Einzylindermotoren fast wie ein Düsenflugzeug lärmen. Was manchen noch schlafenden Anwohner zu früher Stunde aus den Träumen reißt und zu Beschwerden animiert, Heinz Mertens, dem Leiter des Baesweiler Bauhofs, aber egal ist: „Wir können doch nicht nachts arbeiten.”

Seine Kolonnen beginnen um halb acht mit der Gebläse-Arbeit. Die von Willi Grotenrath, Werkleiter der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe Würselen, hingegen „nicht vor acht Uhr. Wir respektieren die morgendliche Ruhezeit und arbeiten an Kindergärten und Schulen erst nachmittags.”

Etwa 170 Kubikmeter Laub- und andere Grünabfälle kommen so momentan täglich im Nordkreis zusammen. Das Bio-Material wird größtenteils in Containern zu Kompostieranlagen transportiert und im nächsten Jahr im Sinne einer verträglichen Kreislaufwirtschaft wieder eingesetzt. Nur das von der Kastanienminiermotte befallene Laub kommt in die MVA, betont Rainer Schulte.

„Laub gehört zur Natur”

Dort, wo das Laub nicht unbedingt weggeblasen werden muss, bleibt es in Würselen beispielsweise liegen. „Laub gehört zur Natur, und wo es geht, sollte es wegen der Kleinstlebewesen liegen bleiben”, so Grotenrath.

Rund 50 Prozent aller Blätter sind bislang zu Boden geflattert. Während Eichen und Pappeln fast frei sind, tragen Akazien und Weiden noch fast ihr volles Laub. Viel Arbeit also für die Bauhof-Mitarbeiter in den Nordkreis-Städten mit ihren insgesamt gut 30 Laubgebläsen. Und ihr Hoffen auf Frost und Sturm geht weiter.