Langjähriger Leiter von Alsdorfer Wache und Wehr geht in den Ruhestand

Peter Adenau verabschiedet : „Mein Vater hat mich schon zur Feuerwehr mitgenommen“

Nach fast zwölf Jahren als Leiter der Feuer- und Rettungswache Alsdorf und der Feuerwehr geht Peter Adenau (60) in den Ruhestand. Über seine Arbeit, was er vermissen wird und mit der ganzen Zeit anfängt, die er bald haben wird, hat sich unser Redakteur Thomas Vogel mit ihm unterhalten.

Zwölf Jahre Leiter der Feuer- und Rettungswache und genauso lange Leiter der Feuerwehr enden für Sie nun mit dem Ruhestand, Ihre Leidenschaft zur Feuerwehr nahm ihren Anfang aber schon viel früher. Wann war das?

Adenau: 1977 habe ich bei der Feuerwehr Alsdorf, Löschzug Hoengen, angefangen. Ich war familiär schon Feuerwehr-belastet. Mein Vater war früher in der Freiwilligen Feuerwehr Hoengen tätig. Ich bin das Älteste von vier Kindern und mein Vater hat mich damals schon immer zur Feuerwehr mitgenommen. Ende der 60er Jahre war das. Dort habe ich damals auch Willi Michels, den damaligen Chef der Freiwilligen Feuerwehr Hoengen, kennengelernt. Mein Vater war KFZ-Meister und hat damals auch die Feuerwehrautos repariert und einen alten VW Käfer zu einem Kommandowagen umgebaut. Ich habe damals sehr viel Zeit auch außerhalb von Übungen dort verbracht und kann mich noch an Fahrzeuge dort erinnern, die heute eigentlich ins Museum gehören – einen Opel Blitz zum Beispiel. Oder eine Mercedes-Drehleiter mit Lenkradschaltung, auf der die Feuerwehrmänner noch draußen gesessen haben. Die Leiter war nicht motorbetrieben, die musste man mit großen Kurbeln von Hand ausfahren.

Wann kam für Sie der Zeitpunkt zu sagen: Das will ich auch beruflich machen?

Adenau: Zu einer Silvesterfeier Ende der 70er Jahre hatte mein Vater einen Freund eingeladen, der Wachabteilungsführer auf der Feuer- und Rettungswache Alsdorf war. Der erzählte, dass er nach Stolberg als Leiter einer Betriebsfeuerwehr wechseln würde. Und da habe ich gedacht: Jetzt bewirbst du dich mal und schaust, ob du aus deinem Hobby einen Beruf machen kannst. Dann gab es ein Auswahlverfahren, an dem circa 90 Leute teilgenommen haben. Gemeinsam mit meinem früheren Kollegen Alois Straßl, der später nach Eschweiler gegangen ist, habe ich mich durchgesetzt. Am 1. Januar 1980 haben wir dann als berufliche Kräfte auf der Feuer- und Rettungswache Alsdorf angefangen.

Was hat Sie an dem Feuerwehr-Beruf denn so fasziniert?

Adenau: Da gibt es nicht nur eine Sache – die Technik, die Kameradschaft und wie abwechslungsreich dieser Beruf ist. Kein Tag ist wie der andere, immer neue Einsätze, immer neue Geschichten. Natürlich gibt es bestimmte Sachen, die sich wiederholen, aber im Grunde weiß man morgens nie, wie der Tag abends endet.

Haben Sie charakterliche Eigenschaften, von denen Sie später feststellten: Das hat mir in meinem Beruf geholfen?

Adenau: Ich glaube, eine Eigenschaft muss jeder Feuerwehrmann haben, und das ist Teamfähigkeit. Ohne geht’s nicht. Einzelkämpfer sind bei uns völlig fehl am Platz und gehen unter.

Gibt es denn etwas, das ein Leiter bei der Feuerwehr unbedingt mitbringen muss?

Adenau: Manchmal starke Nerven. (lacht) Und Durchhaltevermögen muss man auch mitbringen. Wie in jedem Beruf gibt es schöne Sachen und weniger schöne Sachen. Unterm Strich fand ich alles okay, ich bin dankbar für alles, was gewesen ist, aber manchmal musste man auch Dinge aushalten und durchhalten.

Gibt es etwas aus Ihrer Amtszeit, über das Sie besonders froh sind?

Adenau: Sehr gut war, dass wir mancher Bestrebung widerstanden haben, den Rettungsdienst bei der Feuerwehr abzugeben. Ich selbst habe auch massiv mit darum gekämpft und wir haben uns durchgesetzt. Heute ist es überall, auch in der Politik, sehr anerkannt, und niemand in Alsdorf möchte den Rettungsdienst von der Feuerwehr abgekoppelt sehen. Ich halte es auch für absolut notwendig, dass er dort bleibt, denn die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst kann nur so gut funktionieren, wenn alles aus einem Haus kommt.

Was machen Sie denn mit der ganzen Freizeit, die Ihnen jetzt zur Verfügung steht?

Adenau: Das ist mein kleinstes Problem. Ich arbeite sehr gerne im Garten, bin passionierter Oldtimertraktorfahrer. Einen Schweizer Hürlimann von 1966 habe ich über mehrere Jahre komplett restauriert. Und wenn gutes Wetter war, dann kam es häufig vor, dass ich mir den Traktor geholt habe und eine kleine Runde durch die Felder gefahren bin. Sie sitzen schön hoch und der läuft ja nicht schnell, rundherum wächst alles, man sieht das Getreide hochkommen, im Mai die Rapsfelder ... ich liebe das. Außerdem fahre ich leidenschaftlich gerne Cabrio. Mit anderen Cabriofreunden unternehme ich Wochenendtouren und auch schon mal längere Fahrten.

Bleiben Sie denn der Feuerwehr in irgendeiner Art und Weise verbunden?

Adenau: Wir haben ja mehrere Abteilungen. Die Feuerwehr setzt sich zusammen aus den Aktiven zwischen 18 und mittlerweile 67 Jahren, die bei den Einsätzen rausfahren. Dann gibt es die Jugendfeuerwehr, also den Nachwuchs. Und wenn jemand aus dem aktiven Dienst ausscheidet, dann bleibt er in der Feuerwehr und geht automatisch in die Ehrenabteilung. Am Samstag war meine offizielle Verabschiedung, und mein Nachfolger Markus Dohms hat seine Urkunde bekommen. Damit bin ich jetzt auch Mitglied in der Ehrenabteilung. Und die ist in Alsdorf sehr aktiv, ich glaube sogar, es ist eine der aktivsten in der Städteregion, mit Besichtigungen, Veranstaltungen, Ausfahrten. Ich habe keine Verpflichtungen mehr, werde mich aber sicher das ein oder andere Mal sehen lassen.

Was glauben Sie, wird Ihnen am meisten fehlen im Ruhestand?

Adenau: Die vielen Menschen um mich herum. Ich habe auf jeden Fall gute Kollegen gehabt. Wenn man gute Arbeit abliefern will – ich glaube, das habe ich getan – , dann geht es nur, wenn man gute Kollegen um sich herum hat. Denn es gibt so viele Bereiche, so viele Aufgaben, einmal von der Menge her und auch was den Anspruch betrifft, das kann man alleine gar nicht bewältigen. Wenn man dann nicht die richtigen Leute hat oder die richtigen Strukturen nicht geschaffen hat, dann hat man ein Problem. Das Geschäft ist im Laufe der Zeit schwieriger geworden und wird noch schwieriger werden. Die Aufgaben wachsen und die Ansprüche von allen Seiten genauso.

Was hat sich in der Feuerwehr während Ihrer Zeit dort verändert?

Adenau: Die Feuerwehrleute sind heute viel besser ausgebildet als sie es früher waren, zu der Zeit, als ich anfing. Insgesamt waren wir damals 18 Berufskollegen in Alsdorf auf zwei Wachabteilungen, und davon waren nur fünf Beamte, von denen ich einer war. Die Arbeit hat sich komplett gewandelt, nichts ist mehr vergleichbar mit früher. Auch was die Qualität angeht, die abgeliefert wird. Wir haben früher auch unser Bestes gegeben, aber Umstände und Ausrüstung waren einfach anders.

Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie nun hinterlassen, oder gibt es noch viele Baustellen, an denen Sie gerne noch gearbeitet hätten?

Adenau: Ich glaube schon, dass ich eine leistungsfähige, gut funktionierende Feuer- und Rettungswache und auch Freiwillige Feuerwehr hinterlasse, sage aber gleichzeitig dazu, dass es sicherlich Dinge gibt, die ich gerne noch verbessert hätte. Das wird mein Nachfolger machen. Wir haben ein gutes Verhältnis und ich wünsche ihm wirklich alles Gute und Glück, das er immer die richtigen Berater hat und die richtigen Entscheidungen trifft. Ich werde das Ganze aus der Ferne beobachten und mich auf keinen Fall einmischen. (lacht)

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