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Nordkreis: Läden sonntags geschlossen lassen

Nordkreis : Läden sonntags geschlossen lassen

Die Entscheidung war zwar knapp, das Urteil aber eindeutig: Das Ladenschlussgesetz ist mit dem Grundgesetz vereinbar und wird nicht außer Kraft gesetzt. Das hat am Mittwoch das Bundesverfassungsgesetz entschieden. Geklagt hatte die Metro AG, die gegen das Öffnungsverbot an Sonntagen und nach 20 Uhr vorgehen wollte.

Im Einzelhandel der Region wurde das Urteil durchweg positiv aufgenommen. „Es hat sich gezeigt, dass durch längere Öffnungszeiten keine größeren Umsätze erzielt werden”, erklärte Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Aachen-Düren auf Anfrage der Nachrichten. „Die meisten Einzelhändler in der Region sind gegen eine völlige Freigabe der Ladenöfffnungszeiten. Wir hoffen, dass in die Diskussion jetzt langsam ein bisschen Ruhe einkehrt.”

„Kaum zumutbar"

Karl Jongen, Geschäftsführer der Kaisers Filiale in Würselen, gibt ihm Recht: „Das Urteil ist vollkommen in Ordnung. Wir haben so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Familie, die von morgens acht bis abends um acht arbeiten. Wenn die jetzt auch noch sonntags arbeiten sollten, wäre das kaum noch zumutbar.”

Als richtiges Signal im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes wertet auch Viktor Petje, der als Verdi-Gewerkschaftssekretär unter anderem für den Kreis Aachen zuständig ist, das Urteil aus Karlsruhe: „Wir hoffen, dass das Thema endlich von der Tagesordnung verschwindet. Die Metro AG wollte ja eine komplette Abschaffung des Ladenschlussgesetzes. Davon würden aber nur die ganz großen Unternehmen profitieren, die kleineren Händler in der Region hätten eher Nachteile, was auch weniger Arbeitsplätze im Handel zur Folge hätte.”

Sonntag als Ruhetag

In erster Linie an die Familien denkt Heribert Brendt, Dechant aus Mariadorf: „Im Interesse der Familien ist es besser, wenn sonntags nicht eingekauft wird. Ich kann zum Beispiel schon jetzt in Mariadorf in vielen Geschäften werktags bis acht Uhr einkaufen. Wenn ich dann immer noch nichts gefunden habe, dann finde ich sonntags wohl auch nichts. Der Sonntag sollte Ruhetag bleiben. Was haben denn zum Beispiel Kinder davon, wenn ihre Mutter sonntags arbeiten muss?”

Heinz Intrau, Dechant aus Herzogenrath, ist der gleichen Meinung: „Wenn sonntags die Geschäfte geöffnet hätten, würde das doch unsere ganze Sonn- und Feiertagskultur, die sowieso schon immer mehr abnimmt, kaputt machen. Ich bin der Ansicht, dass die Menschen Zeiten der Ruhe und des Entspannens brauchen, die sich vom normalen Alltag unterscheiden. Deshalb ist es gut, dass es auch Tage gibt, an denen man nicht alles haben kann und nicht alle Dienstleistungen zur Verfügung stehen.”