Herzogenrath: Kunst im Eurodebahnhof: Einblick in faszinierende Gedankenwelt

Herzogenrath: Kunst im Eurodebahnhof: Einblick in faszinierende Gedankenwelt

Die Auswahl der Ausstellung spricht für die hervorragenden euregionalen Beziehungen und die hochwertige Ausrichtung des „Forums für Kunst und Kultur Herzogenrath in der Euregio”.

Mit Sander van Deurzen hat der Verein einen vielversprechenden jungen Künstler aus den Niederlanden gewonnen, der mit seinen Arbeiten weit über seine Heimat hinaus Eindruck hinterlässt. In seiner ersten Ausstellung in Deutschland zeigt der Niederländer im Eurodebahnhof, Bahnhofstraße 15, 22 Arbeiten unter dem Titel „Neue Auslage”.

„Was sich wie ein roter Faden durch das Oeuvre van Deurzens zieht, ist das Thema Vergänglichkeit”, erklärt Professor Dr. Fritz G. Rohde, Leiter des Forums. Hätten die niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts noch ausgelöschte Kerzen, schimmeliges Obst oder verdorrte Blumen gezeigt, würde van Deurzen dieses Thema in die heutige Zeit transportieren. „Er malt vergängliche Dinge der Gegenwart, Sahnetörtchen, Ballons, grellfarbene Bonbons und schlauch- beziehungsweise darmartige Schlieren.” Schläuche beziehungsweise darmartiges Geflecht zeigt auch das 270 x 230 Zentimeter große Titelbild der Ausstellung „Dustcurtains”. Vor einem holzartig anmutenden Hintergrund fällt der Blick auf auf einen schlangenartigen Haufen, der einen großen Schatten wirft. Die Verwendung von wässriger Acrylfarbe und eine dynamische, breite Strichführung sind typisch für den 1975 im niederländischen Venlo geborenen Maler.

Schwämme anstelle von Pinseln

„Anstelle von Pinseln benutzt er Schwämme und für ein Werk braucht er selten länger als zwei Stunden”, erklärte Ton Slits, ehemaliger Ausbilder van Deurzens und Dozent an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht. Er gab den zahlreichen Gästen der Vernissage eine Einführung in das Werk seines Schülers. Das rasche Tempo sei die Stärke van Deurzens, der Spannungsbogen entstehe meist in der ersten Viertelstunde. „Danach wird nichts verändert, nichts ausgebessert. Alles, bis auf die Schattenbereiche, wird in einer Bewegung auf die Leinwand aufgetragen”, betonte Slits. Dadurch würden die Werke einen flüchtigen Charakter erhalten und das Vergänglichkeitsthema unterstreichen.

Abstrakt sind van Deurzens Arbeiten nicht: Der Betrachter erkennt vieles, das ihm bekannt vorkommt: einen Tisch, Schläuche, Figuren. Jedoch stimmt hier die Perspektive nicht und dort lässt sich eine Figur nicht recht einordnen. Auf den zweiten Blick erkennt man bizarre Kreaturen, Vorhänge öffnen sich auf einer Bühne und geben Einblick in die faszinierende Gedankenwelt des Künstlers. „Jeder Betrachter ist eingeladen, innerhalb eines engen Spielraums seine eigene Interpretation zu finden, etwas in die Schattenwürfe hineinzudenken”, sagt der Künstler, der sich auch mit Kultur und Religion auseinandersetzt.

Das tut er unter anderem in dem Gemälde „Pietá”. Das ikonische Bild von Michelangelo wird begleitet von einer umgefallenen Buddha-Skulptur und einer nicht klar erkennbaren Figur - es könnte eine Maske oder eine Karnevalsnase sein. „Die Werke schwanken zwischen Figuration und Abstraktion, haben meist eine große räumliche Wirkung”, erklärte Slits. Die Ausstellung ist noch bis 20. Mai dienstags bis freitags sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.