Würselen: Kulturstiftung hat Singergebäude im Blick

Würselen: Kulturstiftung hat Singergebäude im Blick

Achim Großmann bedankt sich auf seine Weise für die Verleihung des Rheinlandtalers am Montagabend im Alten Rathaus Würselen. Der Vorsitzende der Kulturstiftung Würselen hat auch ein Geschenk parat — natürlich mit einem Hintergedanken, um ein ihm und der Kulturstiftung am Herz liegendes Projekt ins Blickfeld zu rücken.

Er stellt die Broschüre „Schlaglichter“ vor, die Auftakt für weitere „heimatgeschichtliche Aufsätze“ über „Geschichten und Geschichte aus Bardenberg, Broichweiden & Würselen“ sein soll. Der Sonderdruck aus Anlass seiner Auszeichnung durch den Landschaftsverband Rheinland befasst sich mit „Zigarren aus Würselen“.

Nutzt die Verleihung des Rheinlandtalers, um die neue Reihe „Schlaglichter“ vorzustellen: Achim Großmann, Vorsitzender der Kulturstiftung. Foto: Stüber

Die will der Parlamentarische Staatssekretär a.D. aber keinesfalls Widersachern verpasst wissen. Vielmehr geht es ihm um die historische Darstellung der wirtschaftlichen, sozialen und damit auch historischen Bedeutung dieser Fertigung in der Aachener Region — mit Schwerpunkt natürlich Würselen. Von 1861 bis in die 1950er Jahre wurden Zigarren in Würselen produziert.

Damit war die Tabakindustrie neben dem Bergbau, der Nadelindustrie und der Sodafabrikation einer der großen Arbeitgeber in Würselen. Die Broschüre (Auflage 700 Stück), die in Geschäften und Banken ausliegen wird, hat er (finanziell) gestemmt, wie er sagt.

Das Fabrikationsgebäude für Zigarren nebst Treppenturm existiert noch heute — auf dem alten Singer-Gelände im Zentrum der Stadt Würselen. Die Betonung liegt auf „noch“. Denn Groz-Beckert, Eigner des Geländes, auf dem bis zur Stilllegung Singer Nadeln produzierte, hat die Abrissgenehmigung für das gesamte Areal in der Tasche und will auch bald mit dem Freiräumen anfangen, wie jüngst im Ausschuss für Umwelt- und Stadtentwicklung zu hören war.

Schon länger bemüht sich Großmann um den Erhalt der beiden Backsteingebäude — auf den Erhalt des später angebauten Galvanik-Traktes kann aus seiner Sicht durchaus verzichtet werden. Mit dem potenziellen Investor glaubt er sich auf einem guten Weg, Neubebauung und -nutzung im sinnvollen Einklang mit der weiteren Nutzung der alten Backsteingebäude zu bringen. Nun sieht er diesen sich abzeichnenden Kompromiss in Gefahr.

„Ich werde natürlich den Eigentümer bitten, diese beiden Gebäude an die Kulturstiftung zu verkaufen und nicht abzureißen“, setzt Großmann darauf, mit Hilfe von Gönnern das hierfür notwendige Geld — bei angemessenem Preis — auch aufzutreiben, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. Zudem will Großmann sich umgehend mit den Vorsitzenden der Ratsfraktionen zusammensetzen und auch bei der Verwaltung für dieses Ziel werben.

Dabei wird ein Konzept eine wichtige Rolle spielen, das Großmann seinem Mitstreiter und Vorstandsmitglied in der Kulturstiftung Würselen, Thomas Laarz, zuschreibt. Hier geht es unter dem Stichwort „ReissBrett“ um die neue Nutzung des Singergeländes — in Anspielung auf die Bretter, auf denen fleißige Finger die Zigarren in Form brachten, und auf den Namen des Fabrikanten. Die Stichworte heißen Kreativwirtschaft, Kultur/Kunst sowie Heimat für Vereine und Bürger. Hierfür sollen Backsteingebäude und Turm dienen. Gedacht wird dabei unter anderem auch an Gastronomie, kulturaffine Läden, Künstlerateliers, Vereinsstätten, Räume der Begegnung und anderes mehr. In drei Etagen zu jeweils 500 Quadratmetern bieten sich entsprechende Räumlichkeiten an.

Großmann sieht darin keinesfalls eine Konkurrenz zum Kulturzentrum Altes Rathaus, das bereits aus allen Nähten platzt, sondern eine ideale Ergänzung. Der Kulturstiftung und ihm geht es um die Belebung der Innenstadt. „Wir hoffen, auf diese Weise ein gutes Stück Urbanität beitragen zu können.“

Natürlich passt das Konzept sehr gut in die Entwicklung des „Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt“ und die damit verbundenen städtebaulichen Fördermöglichkeiten durch das Land Nordrhein-Westfalen, sagt Großmann.

Die Stadt Würselen hat für Mittwoch, 28. Oktober, ohnehin zur Bürgerbeteiligung eingeladen. Ab 18 Uhr haben Würselener die Möglichkeit, im großen Saal des neuen Rathauses auf dem Morlaixplatz ihre Vorstellungen einzubringen. Verschiedene Workshops sind geplant.