Würselen: Kulturforum: Texte über die Liebe beim Literarischen Abend

Würselen: Kulturforum: Texte über die Liebe beim Literarischen Abend

Die Liebe mit all ihren Facetten kam — meist in Prosatexten — auf dem Literarischen Abend 2016 des Kulturforums zur Sprache, wozu der Vorsitzende Günter Kölling trotz schlechtem Wetter und Fußball rund 100 Besucher im Alten Rathaus begrüßen konnte. Dabei wurde der Bogen gespannt von der ersten Liebe, der Altersliebe und der unerfüllten Liebe über die enttäuschte Liebe, die neue Liebe und die verbotene Liebe bis hin zur Liebe zur Musik, der Liebe zu den Düften und der Liebe zur Literatur.

Zur Sprache gebracht wurden in den fast professionell von Angela Ortmanns-Dohrmann sowie Gudrun und Dietrich Hoppe vorgetragenen hochkarätigen Texten auch Unarten der Liebe. Am Ende des mehr als zweistündigen Programms wurden die Rezitatoren und dessen „Macher“ mit frenetischem Beifall überschüttet.

Selbst bei dem ausgewählten 40-minütigen Abschnitt aus dem Roman „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ des kolumbianischen Nobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez war keinerlei Langeweile aufgekommen. So fesselnd wurde er von drei Rezitatoren dargeboten.

Vorweg geschickt wurde „Was es ist“, eines der grundlegenden Gedichte über die Liebe, von Erich Fried. Musikalisch eingestimmt wurde in das Thema durch das „Trinklied“ aus Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“, in der es um eine außergewöhnliche, aber unerfüllte Liebe geht. Folgerichtig begonnen wurde mit der ersten Liebe, wie sie Joseph Roth in „Radetzkymarsch“, dem Lieblingsbuch von Günter Kölling, schildert. Erzählt wird von Roth die Geschichte der dem Kaiserhaus der Habsburger schicksalhaft verbundenen Familie Trotta. Eine reife Frau verführt unschuldigen Leutnant! Eine alltägliche und uralte Geschichte, die schon Lessing im 18. Jahrhundert in „Nix Bodenstrom“ auf den Punkt gebracht hat.

Dann das Kernstück des Programms, der Abschnitt aus dem besagten Roman von Marquez, der die Lebens- und Liebesgeschichte von Fermina Daza und Florentino Ariza beschreibt, die sich als Jugendliche in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena im ausgehenden 19. Jahrhundert kennenlernen. In ihm wird die Liebe zum Ehemann eher als ein Gewöhnungsprozess dargestellt, der schließlich noch emotionale Tiefe gewinnt. Als Musterbeispiel für unerfüllte, nicht realisierbare Liebe, in der die Partner unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben haben, präsentierte sich Hermann Hesse. Seine drei Ehen brachten ihm kein dauerhaftes Glück. Er konnte seine Partnerinnen nur aus der Distanz ertragen. In der kurzen Erzählung „Müll“ des brasilianischen Schriftstellers Luis Fernando Verissimo war das Interesse der beiden Protagonisten aneinander schon geweckt, ehe sie sich überhaupt begegneten.

Mit „Verbotene Liebe“ machten die begeisterten Besucher in einem Gedicht von Gustav Falke, einem bekannten norddeutschen Dichter, der schon für den Nobelpreis nomiert war, Bekanntschaft. Hans Magnus Enzensberger konfrontierte in dem Gedicht „Süße Kleine...“ mit hemmungsloser Sexualität.

Entspannung nach harter Kost

Szenenwechsel zu Patrick Süskinds „Das Parfum“. Gelesen wurde das Kapitel, in dem das erste von insgesamt 25 Mädchen wegen eines persönlichen Duftes sterben musste. Zur Entspannung nach harter Kost gab es ein Gedicht von Ralf Kramp, in dem die Hassliebe thematisiert wurde. „Ausgegraben“ hatte Günter Kölling noch die Erzählung „Seltsame Beichte“ von Elin Pelin. Sie hat mit der Liebe eines einfachen Menschen zur Natur zu tun, seinem kindlichen Vertrauen zu Gott und mit der Gabe im Einklang mit den Gegebenheiten ein zufriedenes Leben zu führen. Am Ende des unterhaltsamen und spannenden Exkurses durch die Literatur nahm sich das Programm des Films „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ an, der unter der Rubrik Liebesfilme eingeordnet werden konnte. In seinem Mittelpunkt stehen die Liebe, acht Freunde, 16 Schwiegereltern, unzählige Hochzeitsgäste, noch mehr Champagnergläser und der Junggeselle Charles. Je mehr Hochzeiten er besucht, desto sicherer ist er sich, dass er selber nie heiraten wird. Der Abend schloss mit einem großartigen Liebesgedicht von W. H. Auden.

(ehg)