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Kultur und Spiritualität in Herzogenrath 2019

Kultur und Spiritualität in Herzogenrath : Clara Schumanns 200. Geburtstag: Ein Leben voll Glück und Schmerz

„Kultur und Spiritualität (KUS) in Herzogenrath“ heißt seit einiger Zeit ein Veranstaltungsformat, das wechselweise in kirchlichen und weltlichen Räumen der Roda-Stadt angeboten und zunehmend auch gut angenommen wird.

So auch der jüngste Abend, der in der evangelischen Markuskirche stattfand und der Pianistin Clara Schumann anlässlich deren 200. Geburtstages gewidmet war.

In Literatur und in Musik sollte die starke Frau und Ausnahmepersönlichkeit vorgestellt werden – doch es gab einen Wehrmutstropfen: Kantorin Guiomar Marques-Ranke war erkrankt und so konnte sie die vorbereiteten Werke von Clara Schumann nicht zu Gehör bringen – schade!

So blieb Pfarrer Joachim Wehrenbrecht die Rolle des literarischen Solisten vorbehalten, die er aber sensibel und mit profundem Wissen über Clara Schumann ausfüllte. Er spannte dabei einen großen Bogen von der Kindheit des pianistischen „Wunderkindes“ bis zu ihrem Tod – nach einem Leben voller künstlerischer Erfolge und privatem Glück, aber auch schmerzlichen Tragödien, die sie dennoch menschlich nicht zerbrechen konnten.

Als hochbegabte Tochter des studierten Theologen, autodidaktischen Pianisten und Musikpädagogen Friedrich Wieck schon früh auf Virtuosität am Klavier und Konzertreisen „getrimmt“, entwickelte sie sich aber auch durch Eigenständigkeit und die – vom Vater lange missbilligte und mit Eifersucht begleitete – Liebe zum Pianisten Robert Schumann zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit. Die achtfache (!) Mutter war lange Jahre die Haupternährerin der Familie: Ihr geliebter Mann Robert war anfangs noch nicht berühmt und seine letzten Jahre verbrachte der manisch-depressive Künstler in einem Nervensanatorium in Endenich bei Bonn. Eine besondere Episode ihres Lebens beleuchtete Joachim Wehrenbrecht,

All diese Aspekte bedachte Pfarrer Joachim Wehrenbrecht, der sich vor allem über Romane von Peter Hertling („Schumanns Schaffen“) und Rosemarie Marschner („Das Mädchen am Klavier“) der Künstlerin, dem Menschen und der Frau Clara Schumann näherte. Hinzu kamen Tagebuchaufzeichnungen von Clara und der Briefwechsel, den sie mit ihrem Mann und Johannes Brahms führte.

Der aufstrebende Hamburger Pianist und Komponist Brahms war nach Vater Wieck und Ehemann Robert der dritte wichtige Mann in ihrem Leben. Es war beiderseitige Zuneigung und Liebe mit im Spiel, allerdings jene der platonischen Art. Anders wäre es im 19. Jahrhundert auch nicht möglich gewesen: Clara war 15 Jahre älter als Brahms. So eine Liebeskonstellation wäre damals eher unmöglich gewesen. Das zeigte sich nach dem Tod von Robert Schumann: Obwohl sie danach frei füreinander gewesen wären, kam es nicht zu einer Verbindung als Liebespaar. Dennoch blieben beide menschlich zeitlebens eng verbunden. Brahms blieb zeitlebens Junggeselle und starb bereits kurz nach dem Tod der wesentlich älteren Clara.

Eine besondere Episode von Claras Leben beleuchtete Joachim Wehrenbrecht, als er – dem Roman Rosemarie Marschners folgend – ihren Besuch beim Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe in Erinnerung rief. Über Claras beeindruckendes Leben könnte jenes Motto stehen, welches Robert

Schumann einst über die Beziehung der beiden Künstler formuliert hatte: „Wie kein Glück ohne Schmerz sein kann, so ist man doch auch schmerzlich im Glück“.

(jope)