Baesweiler: „Kultur nach Acht“: Liza Kos entdeckt nach Moskau Baesweiler

Baesweiler: „Kultur nach Acht“: Liza Kos entdeckt nach Moskau Baesweiler

Im knallbunten Hawaiihemd hechtet Frank Küster auf die Bühne. Was steht an? Vieles. Aber vor allem der nicht stattgefundene Sommer. „Also habe ich mich entschlossen, noch mal mein Frühlingshemd rauszuholen“, will der Düsseldorfer Kabarettist einen sommerlichen Nachschlag zusammenstellen. Und los geht‘s mit den ersten Lästereien.

Man ist ja mittlerweile bei den Herbstferien angekommen. „Wer sich jetzt auf die Ferien freut, hat keine Kinder“, legt Küster los.

Um sich dann in seinem eigenen Garten umzusehen und den Hobbygärtnern aus den Seelen zu sprechen. Wie lecker wären doch jetzt Tomaten mit Mozarellakäse und Basilikum. Aber: Basilikum gibt’s nicht mehr. Überhaupt: Im Garten ist alles weggefressen. „Überall nur Schleimspuren und eklige Schnecken“, hat Küster seine ureigene Methode, diese Plage zu bekämpfen. Spaten raus aus dem Schuppen und dann „zack, mittendurch und die Schnecken sind erledigt“. Die werden im Hause Küster aber noch verwendet. Man nehme ein Stück Lebkuchen, garniere die Schnecken darauf und gieße reichlich heiße Kuvertüre aus Schokolade drüber — fertig sind die Dominosteine für den anstehenden Weihnachtsmarkt. Die lassen sich gut verkaufen.

Das Publikum in der Alten Scheune scheint’s zu mögen. Denn es amüsiert sich bei den Backexperimenten des Künstlers, der zum zweiten Mal in diesem Jahr im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur nach Acht“ in Baesweiler gastiert.

Küster ist der Garant für Aktualität des Programms. So geht’s rund zwischen Datenklau, dem Knaller des Monats, der Landes-, Bundes- und Europapolitik, die Krisenherde der Welt sind dran, die neuesten Gerichtsurteile. Küster hat alles drauf. Den Knaller des Monats findet er in „Digital-Kommissar“ Günter Öttinger. „Der kommt mir vor wie ein trockener Alkoholiker an der Warenausgabe von Jägermeister“. Ein neues Urlaubsziel hat Küster bei den Russen ausgemacht. „Immer mehr Russen verbringen ihre Ferien im Osten der Ukraine. Das könnte der neue Ballermann für die Russen werden.“ Auch für Vladimir Putin hat er eine Keule parat. „Putins Friedensbemühungen sind doch eindeutig. Er will die Ostukraine kampflos haben.“

Mit zwei speziellen Gästen peppte Küster sein knapp zweistündiges Programm auf. „Open Spot“ Liza Kos ist gebürtige Moskauerin, lebt aber seit Jahren in Aachen. „Meine Eltern wollten damals aus der Stadt heraus und aufs Land. Also sind wir nach Deutschland gezogen.“ Auszüge ihres neuen Programms „Wer bin ich, und wenn ja, wie voll“ gefallen. Ebenso wie der Gastauftritt von Marcel Wagner dem Publikum reichlich Applaus abgewinnt. Ein Mann, ein Chor, Marcel Wagner. Einer singt, viele Stimmen sind zu hören. A-capella-Gesang mit der Loop-Maschine! Die „Ohrenschmäuse“ klingen sehr gut. Das Programm an diesem Abend ist rund. Küster und Freunde haben überzeugt.

(mas)
Mehr von Aachener Zeitung