Baesweiler: „Kultur nach Acht”: Frisch, frech und sehr angriffslustig

Baesweiler: „Kultur nach Acht”: Frisch, frech und sehr angriffslustig

„Das Mädchen mit den drei blauen Augen”, hat sich Frank Küster ausgesucht. Mit verschränkten Armen steht er da und singt den Titel in Erinnerung an Georg Kreisler. Das „Urgestein” des deutschen Kabaretts, Kreisler, ist, so hört es sich heraus, ein großes Vorbild für den Kabarettisten Küster.

Und als ob es Symbolkraft hätte, sieht der vom Lichtspot an die Wand geworfene Küster-Schatten wie der kürzlich verstorbene große Kreisler aus, der sich da im Licht wiegt.

Frank Küster erzählt, wie er 1986 eine selbst aufgenommene Musikkassette zur Rezension an den Meister geschickt hat. Und sogar eine „DIN A4 Seite voll geschriebene Aufmunterung” zurück bekommen hatte. Die Hommage an den zuweilen sehr schwarzsinnigen aber auch poetischen Satiriker Kreisler gehört zum Besten, was Frank Küster an diesem Abend zu bieten hat.

Küster ist im Rahmen der Reihe „Kultur nach Acht” in Baesweiler. Aufgeräumt, frisch, frech und sehr angriffslustig - und nicht allein kommt er in die „Alte Scheune” des Kulturzentrums Burg Baesweiler. Er hat das Eins-Live” Comedy-Duo „Onkel Fisch”, das die „Grillstube Saloniki” oder „Calmund” erfand und als „Open Spot” Gerd Normann mit „sauerländischen Grotesken” mitgebracht.

In der Scheune sind zwar ein paar Stühle frei geblieben, aber Kulturamtsleiter Wolfgang Ohler juckts nicht. „Die Karten sind fast alle verkauft, aber einige hatten wohl einen Weihnachtsmarktbesuch eingeplant.” Schade, denn den Nikolaus machte Küster dem Baesweiler Publikum auch. In Hillibilli-Klänge verpackt, besingt er den Nikolaus, lästert über die in diesen Tagen überall zu entdeckenden „Freeclimbing-Nikoläuse” und kommt zur Feststellung: „Meine Kinder wollten die Stiefel schon aufs Dach stellen.” Oder: „Erklär den Blagen mal, dass sie in diesem Jahr zum 1. Advent kein Törchen aufmachen durften und bis zum 1. Dezember warten mussten.”

Übers schneidig kommentierte und dringend geforderte NPD-Verbot („Das V bei V-Leuten steht für Verarschung”) kommt Küster zum nächsten Highlight des Abends. „Giovanni Lorenzo von und zu Guttenberg, über den jeder jetzt schreibt, wie er denn nun aussieht. Aber keiner schreibt, was er eigentlich noch bei uns will.”

Der ehemalige Verteidigungsminister komme in etwa daher, als sei er reingewaschen. Küster: „Er verzichtet auf Pomade und Brille und sieht nun so aus, als hätte er gerade das Badezimmer verlassen.” In seinem Zusammenhang bekommt die Weisheit, „die Zeit heilt alle Wunden, eine völlig neue Bedeutung”. Küster ist überzeugt, „die Laudatio auf den neuen Ordensritter Ottfried Fischer wird zu Guttenberg komplett selbst schreiben”.

Einen Kandidaten für den ausscheidenden Thomas Gottschalk bei „Wetten dass” findet Küster auch: „Joopi Heesters, der macht gerade Probeaufnahmen.” Noch einen Newcomer des Jahres würdigt der Kabarettist im Block „Jupp der Woche”: den Beaujolais Primeur. „Den trinken nur die Deutschen, die Franzosen trinken keinen halbfertigen Wein.”

Rasant gestaltet sich das Schlussviertelchen, als die WDR-Stars und Küster-Gäste „Onkel Fisch” auf die Bühne springen. In Rapperrollen, als Bauchredner oder Botox verspritzte Nuschel-Ladys läuten die Kölner Ehrengäste ein spritziges Finale plus Zugaben ein. So dass Amtsleiter Wolfgang Ohler am Schuss laut nachdenkt: „Unser Programm 2012 steht ja. Aber für 2013 könnten wir uns gut vorstellen, sie zu verpflichten.”

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