Alsdorf: Kubiz-Realschule: War die Verkleinerung eine Fehlentscheidung?

Alsdorf : Kubiz-Realschule: War die Verkleinerung eine Fehlentscheidung?

Der Beschluss, die Realschule im Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) Alsdorf um eine Klasse zu reduzieren, liegt noch nicht lange zurück, da könnten theoretisch zwei neue aufgemacht werden. Denn: Ab dem kommenden Schuljahr startet die Jahrgangsstufe 5 nur noch mit zwei statt drei Klassen, was sich dann sukzessive in den nächsten Jahren nach oben hin fortsetzt.

Nach Ablauf der Anmeldefrist für 2018/2019 am vergangenen Freitag hat sich aber herauskristallisiert, dass Eltern von 91 Kindern diese gerne an der Kubiz-Realschule anmelden würden — so sie denn könnten. Zusagen können zunächst nur an 50 rausgehen.

Hält die Reduzierung auf zwei Eingangsklassen für eine Fehlentscheidung: Kubiz-Realschulleiterin Reinhild Behr-Bennemann. Foto: Verena Müller

Werden pro Klasse zwei Förderschüler zugewiesen, wären die Klassen am Ende 27 Kinder stark. Ohne Förderschüler maximal 29. Viel Luft ist also nicht. „Das ist eine ziemlich blöde Situation für die Eltern, nicht zu wissen, ob sie noch einen Platz für ihr Kind bekommen oder nicht“, weiß die Leiterin Reinhild Behr-Bennemann selbst als Mutter. „Das lässt einen nicht kalt.“ Vor den Osterferien könne sie aber nichts Verbindliches sagen, da die Inklusionsrunde erst an diesem Mittwoch tagt.

Für den enormen Zulauf hat Behr-Bennemann mehrere Erklärungen: „Eltern haben mehrfach das neue Gebäude, die zentrale Lage und nicht zuletzt die gute Arbeit der Schule genannt.“ Kinder mit allen Empfehlungen für weiterführende Schulen seien darunter, von der Hauptschule bis zum Gymnasium.

Die Realschulleiterin glaubt nicht, dass es sich um eine Eintagsfliege handelt, da der Zuspruch bereits zum jetzt laufenden Schuljahr sehr groß gewesen ist.

Und jetzt?

„Theoretisch besteht die Möglichkeit, beim Schulträger einen Antrag auf Mehrklasse zu stellen“, sagt Behr-Bennemann, darüber führe sie gerade Sondierungsgespräche. „Mehrklasse“ ist bewusst im Singular formuliert, denn über Raum für einen dritten Zug — so nennt man die Erweiterung um eine Klasse je Jahrgangsstufe — verfügt die Schule ja; für diese Größe war dieser Teil des Kubiz-Neubaus schließlich konzipiert und gebaut worden. Aber damit wäre auch schon das Ende der Flexibilität erreicht. Ein Grund dafür ist der gebundene Ganztag, den die Schule eingeführt hat. „Derzeit befinden sich die Klassen 5 und 6 im Ganztag, im nächsten Jahr folgt die Klasse 7 und so weiter“, erklärt die Leiterin. Bislang seien entsprechende Räume an zwei Nachmittagen pro Woche mit speziellen AGs belegt, bald wären es drei. Dabei müsse bei der Belegung der Kunsträume und der Turnhalle schon jetzt jongliert werden.

Müßig zu erwähnen, dass Behr-Bennemann die Verkleinerung ihrer Schule für einen fatalen Fehler hält: „Da wird der Elternwillen mit Füßen getreten“, der ja angeblich immer für den Schulentwicklungsplan ausschlaggebend sei, tatsächlich würden aber Schülerströme gelenkt.

Alternativ könnte der Überhang zur Gesamtschule Am Klött oder zur Marienschule (die aber kein Ganztagsangebot hat) ausweichen.

Während an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule nach Auskunft der Schulleitung noch ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage besteht, gibt auch die Marienschule an, Schüler ablehnen zu müssen. 92 Anfragen lägen vor, sagt Leiterin Susanne Kaempf auf Nachfrage unserer Zeitung. Damit schrumpfen die Alternativen für manche Eltern, die ihr Kind auf einer Alsdorfer Realschule sehen, auf null.

Der zuständige Referatsleiter für Schulen bei der Stadtverwaltung Alsdorf, Manfred Schmidt, erklärt auf Nachfrage dazu, dass es „immer einzelne gibt, die nicht hundertprozentig zufriedengestellt werden können.“ Das sei nicht nur bei der Wahl der Schule, sondern auch bei Kita-Plätzen so. Es bleibe alles wie beschlossen: die Kubiz-Realschule zweizügig, die Marienschule dreizügig, die Gesamtschule fünfzügig mit der Option auf Sechszügigkeit. „Wir haben da eine eindeutige Beschlusslage“, sagt Schmidt, wenigstens, was das kommende Schuljahr anbelangt. Langfristig gelte es jedes Jahr aufs Neue, die Lage zu beurteilen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. „Nichts ist auf Jahre zementiert.“

Von der rein rechnerischen Seite her gesehen könne jedes Kind in Alsdorf jeden Schulabschluss machen. Nur eben nicht unbedingt an der Schule der ersten Wahl.

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