Alsdorf: Kubiz-Realschule verliert eine Eingangsklasse

Alsdorf : Kubiz-Realschule verliert eine Eingangsklasse

Wie erwartet hat der Stadtrat am Donnerstagabend mit klarer Mehrheit beschlossen, dass es an der städtischen Kubiz-Realschule bei der Reduzierung von drei auf zwei Eingangsklassen bleibt. Die SPD-Fraktion und der ABU-Mandatsträger gaben der Petition von Befürwortern (Erziehungsberechtigte hatten 1100 Unterschriften gesammelt) nicht statt.

Zudem wurden die Anträge von CDU- und FDP-Fraktion auf Wiederherstellung der Dreizügigkeit ab dem Schuljahr 2018/19 abgelehnt. In der dem Tagesordnungspunkt vorausgehenden Fragestunde für Einwohner meldete sich keiner der betroffenen Erziehungsberechtigten zu Wort.

Das überrascht nicht, hatte doch die Stadtverwaltung bereits in der Sitzungsvorlage, über die unsere Zeitung zum Tag der entscheidenden Ratssitzung ausführlich berichte, nochmals unmissverständlich ihre Position angesichts der Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen im Stadtgebiet klar gemacht: Um alle derzeitigen Viertklässler für das Schuljahr 2018/19 an Bildungseinrichtungen innerhalb der Kommune unterbringen zu können, sei die Fortführung der Dreizügigkeit der Kubiz-Realschule nicht notwendig. Die Zahl der aus- und einpendelnden Schüler sei fast identisch.

„Aufgrund der aktuell erhobenen Daten können wir zu keinem anderen Ergebnis kommen“, sagte Manfred Schmidt, Leiter des Referats Jugend, Schulen und Sport. Es sei gewährleistet, dass alle Schüler alle Schulformen besuchen und entsprechende Schulabschlüsse anstreben können. In der vergangenen Woche sei zudem die Genehmigung dafür eingegangen, dass die Realschule Marienschule in Mariadorf einen Hauptschulzweig einrichtet.

Reduzierung der Eingangsklassen

Josef Nevelz (FDP) machte sich vor der Abstimmung für die 40 Schüler und deren Erziehungsberechtigte stark, die auf Grund der Reduzierung von drei auf zwei Eingangsklassen von der Kubiz-Realschule hatten abgewiesen werden müssen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Stadtrat seinen bisherigen Beschluss nicht doch noch korrigiert.

CDU-Fraktionsvorsitzender Franz Brandt bemängelte, dass dem deutlich erkennbaren Elternwunsch nicht nachgekommen werde. „Der Bürgerwille wird in diesem Punkt mit den Füßen getreten.“ Zudem zweifelte Brandt die perspektivische Aussagekraft des Schulentwicklungsplans an. Es gebe „böse Zungen“, die sagten, dass es darum gehe, die Realschule im Kubiz kaputt zu machen und die Gesamtschule zu stützen.

Horst-Dieter Heidenreich (Grüne), dessen Fraktion sich bei dem in Rede stehenden Grundsatzbeschluss des Stadtrats im Dezember 2017 enthalten habe, schlug sich nun klar auf die Seite der Eltern, welche die Petition angestrengt hatten. Er konfrontierte Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) mit der Einschätzung, dass es letztlich darum gehe, dem (wachsenden) Platzbedarf des Alsdorfer Dalton-Gymnasiums im Kubiz Rechnung zu tragen (aus Kostengründen ohnehin reduzierte Raumplanung und nun wegen Rückkehr von 8 auf G9 Mehrbedarf) und dass das Ganze letztlich hinauslaufe, nur noch die Realschule in Mariadorf zu erhalten.

Sonders widersprach dem entschieden: „Niemand in der Verwaltung hegt die Absicht, die Kubiz-Realschule aufzulösen oder umzulegen. Das ist reine Spekulation!“ Die Stadt Alsdorf habe alles unternommen, um die Option auf sämtliche Schulabschlüsse vor Ort zu gewährleisten. „Keine Kommune im Umfeld hat in den letzten Jahren mehr in Schulen investiert als Alsdorf.“

Es habe sich gezeigt, dass die Zahlen aus dem Schulentwicklungsplan zu Fakten geworden seien. Verständlich sei, dass Eltern für ihre Kinder Wunschschulen haben. Es sei aber jedes Jahr so gewesen, dass Schüler an Wunschschulen hätten abgewiesen werden müssen.

Sandra Niedermaier (SPD) sprach die Eltern auf den Zuschauerrängen direkt an: Sie täten das Richtige, indem Sie das Beste für ihre Kinder wollen. Die Stadt wolle aber Chancengleichheit und -gerechtigkeit allen Schülern gewährleisten. Es gebe auch Dinge, „die wir nicht zusagen können. Die Stadt Alsdorf kann als Schulträger nicht garantieren, dass jedes Kind seinen Platz an jeder Schule, an seiner Wunschschule bekommen kann.“

Das sei nicht nur eine Frage der Finanzen. Die Entscheidung, die Marienschule dreizügig zu belassen, hänge zum Beispiel damit zusammen, dass in der ehemaligen Gemeinde Hoengen rund 50 Prozent der Alsdorfer Bevölkerung leben. Diese weiterführende Schule werde nun auch den Hauptschulzweig anbieten.

Niedermaier betonte: „Was wir in der aktuellen Situation brauchen, ist ein weiterer Zug an einer Schule, die jeden Bildungsabschluss gewährleistet und jetzt schon die Voraussetzungen dafür erfüllt.“ An der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Alsdorf-Mitte seien derzeit noch Kapazitäten für den sechsten Zug frei. Dort werde hervorragende Arbeit geleistet. Die Schule verdiene es, „in einem guten Licht zu stehen“.

Unterschiedlich fallen die Reaktionen betroffener Eltern auf die Ratsentscheidung aus. Die Rede ist von einer Petition beim Landtag, andere denken an den Klageweg. Weitere wiederum wollen sich nun der Entscheidung fügen und ihre Kinder zur Gesamtschule schicken — allerdings widerwillig.

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