Würselen: Kronenbrot-Halle schmeckt nicht jedem

Würselen : Kronenbrot-Halle schmeckt nicht jedem

Ein Unternehmen prosperiert, die Zahl der Arbeitsplätze ist stabil, eine neue Produktionshalle soll gebaut werden - im Grunde eine tolle Situation für Beschäftigte und Standort. Doch in der Nachbarschaft wird Kritik laut.

Am Stammsitz möchte die Kronenbrot KG in Linden-Neusen an der Neusener Straße auf einem eigenen Grundstück, wo sich derzeit einige Garagen und eine Freifläche befinden, zur Verbesserung der Produktionsabläufe eine moderne Halle bauen.

Die Maße: 80 Meter Länge und 12 Meter Höhe - imposante Ausmaße für ein Bauwerk in einem 2000-Seelen-Ort. Im Rücken des geplanten Projektes befinden sich bereits Produktionsanlagen des Unternehmens, auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen Wohnhäuser.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Bei den Anliegern des Areals hat sich Widerstand gegen das Bauvorhaben formiert. „Die Halle selbst stört uns nicht”, sagt Franz-Herbert Dohmen, „aber die Art und Weise der Bebauung”. Sein Haus liegt direkt vis-a-vis der kommenden Kronenbrot-Erweiterung. Dohmen befürchtet, dass ein so hohes Gebäude viele Häuser des Straßenzuges dauerhaft im Schatten verschwinden lässt.

Außerdem sei zu erwarten, dass die hoch aufragende Front den Lärm der vielen Lkw, die das Unternehmen täglich anfahren, reflektiert. Dohmen: „Wer möchte denn schon in einer dunklen und lauten Umgebung leben?”

Mit seinen Befürchtungen steht er nicht alleine da. Mehr als 260 Menschen, deren Unterschriften er bisher gegen das Projekt zusammengetragen hat, sorgen sich mit ihm. „Natürlich haben wir Vorschläge gemacht, wie sich die negativen Folgen umschiffen ließen”, erklärt Mitstreiter Karl Schmitz. „Eine Staffelbauweise, bei der die Halle treppenförmig nach hinten an Höhe gewinnt, oder das Gebäude ein wenig tiefer ins Erdreich abzusenken, wären Lösungen. Technisch ist das absolut machbar.”

Das war aber noch nicht alles. Hauptargument gegen das Vorhaben aus Sicht der Kritiker: Es passt schlicht und einfach nicht nach Linden-Neusen. Wohnbebauung, viele alte Bauernhäuser, teils noch aus dem 18. Jahrhundert, und dann soll direkt in die Nachbarschaft eine große, moderne Halle gebaut werden? Dohmen und Schmitz sehen dadurch den Paragraphen 34 des Baugesetzbuches verletzt.

Der besagt unter anderem: Das Ortsbild dürfe von Bauvorhaben nicht beeinträchtigt werden. Sie müssen sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen. „Das alles ist hier nicht der Fall. Die Halle wäre eine Verunstaltung des Ortsbildes”, erklärt Franz-Herbert Dohmen.

Neuer Mittelpunkt für den Ort

Die Kronenbrot KG sieht die Sache naturgemäß anders. Nach Fertigstellung des Projektes soll dort nicht nur die Produktion von Brot und anderen Backwaren unterstützt werden. „Im Hallenneubau ist ein Bäckereiverkauf mit Café geplant. Hierdurch erhält der Ortsteil Linden-Neusen einen neuen Mittelpunkt.

Aufgrund von Anwohneranregungen ist weiterhin eine Verkaufsfläche für Obst und Gemüse geplant”, erläutert Lothar Mainz, Geschäftsführer der Großbäckerei. Ende 2009 führte das Unternehmen im eigenen Hause eine Bürgerinformationsveranstaltung durch, ohne dass eine gesetzliche Verpflichtung dazu bestand. Auch im Nachgang seien, so Mainz, Einzelgespräche mit betroffenen Anwohnern geführt worden.

Nicht bloß reine Makulatur. „Der ursprüngliche Bauantrag ist dann noch einmal modifiziert worden, wobei die obersten zwei Geschossmeter circa zwei Meter zurückgesetzt wurden. Diese veränderte Variante sorgte für zusätzliche Kosten, wie Statikänderungen und Gutachtenänderungen”, führt Lothar Mainz weiter aus. Übrigens sollen durch die neue Produktionshalle zwar keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, bestehende aber langfristig gesichert werden.

Im Würselener Rathaus nehme man die Bedenken der Anwohner immer noch sehr ernst, gibt Till von Hoegen, Technischer Beigeordneter der Stadt, an. Das Bauvorhaben der Kronenbrot KG sei jedoch bauordnungsrechtlich ausführlich geprüft worden. Auch hinsichtlich des Paragraphen 34 Baugesetzbuch sei das Projekt am Anfang des Verfahrens bereits unter die Lupe genommen worden.

Nichts weise demnach darauf hin, dass gegen die Bestimmungen darin verstoßen werde, so von Hoegen. Mit übermäßigem Schatten für die Anwohner sei im übrigen auch nicht zu rechnen, da sich die Halle in Bezug zu den Wohnhäusern der gegenüberliegenden Straßenseite im Norden befände.

Der endgültige Bauantrag sei im Dezember gestellt worden und werde derzeit im Rathaus bearbeitet, gibt der Technische Beigeordnete weiter an. Ohne unvorhergesehene Zwischenfälle könne mit einer Entscheidung über den Antrag in Kürze gerechnet werden.

Politik nimmt sich zurück

Bei einem Treffen der Fraktionsvorsitzenden hat der von Kronenbrot beauftragte Architekt die Planungen zur neuen Halle erläutert. Die CDU-Fraktion kann die Ängste der Anwohner nachvollziehen. „Die Politik sollte sich in diesem Fall aber zurücknehmen, da die Angelegenheit im Kompetenzbereich der Verwaltung liegt”, sagt Manfred Wirtz, Vorsitzender der CDU in Würselen-Mitte.

Auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Knauf weiß, dass die Politik keine Handhabe hat. In ihrer Partei teile man jedoch die Ansicht von Franz-Herbert Dohmen und Karl Schmitz, die Halle füge sich nicht sehr harmonisch in das Ortsbild.

Die beiden Wortführer der Anwohnerproteste indes haben ihren nächsten Schritt bereits fest im Blick: Sobald der Bauantrag genehmigt ist, wollen sie klagen - auf Verletzung des Paragraphen 34 des Baugesetzbuchs. Wie es weitergeht, liegt dann in den Händen der Juristen.