Kritik an Standort für Seniorenheim in Baesweiler

Bürgermeister bleibt zuversichtlich : Seniorenheim in Baesweiler mit dem Naturschutz vereinbar?

Das Vorhaben, auf einer mit reichlich Strauchwerk und Bäumen umsäumten Wiese im Bereich Stegerhütte/Schugansgasse ein Seniorenheim mit Pflegeplätzen zu bauen und vorgelagert einen Parkplatz anzulegen, ist in der jüngsten Stadtratssitzung auf deutliche Kritik gestoßen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Rolf Beckers, setzte sich generell für eine „Entwicklung mit Augenmaß“ im Stadtgebiet ein. Frischluftzonen und Grünflächen seien für ein gesundes und angenehmes Klima gerade im bebauten Teil des Stadtgebietes wichtig. „Nicht zuletzt sind Grünflächen ein wichtiger Bestandteil städtischer Kultur.“ Um eine solche Grünfläche gehe es bei dem für das Seniorenheim vorgesehenen Fläche. Die Schugangsgasse stehe nicht ohne Grund unter Landschaftsschutz.

Auch den Grünen sei klar, dass es nach der Pflegebedarfsplanung der Städeteregion Aachen Bedarf für eine große Pflegeeinrichtung in Baesweiler gibt. „Wir bestreiten jedoch mit Nachdruck, dass die begrenzte Innenfläche im beschriebenen Bereich der richtige Bauplatz für ein großgeschossiges Pflegeheim mit bis zu 80 Plätzen und zusätzlichen separaten Seniorenwohnungen ist, zumal die notwendige verkehrliche Anbindung für eine Einrichtung dieser Größe an dieser Stelle nicht umsetzbar ist“, sagte Beckers.

„Alternative Fläche“?

Linke-Frakionsvorsitzende Marika Jungblut kritisierte, dass die Stadt Baesweiler bislang gar nicht eine „alternative Fläche“ in Erwägung gezogen habe und das ganze Verfahren nur das Ziel habe, genau in dem anvisierten Bereich Baurecht zu schaffen. Es ginge der Stadt Baesweiler darum, eigene Grundstücke zu veräußern und den Erlös dem Haushalt zuzuführen.

Auch in der Nachbarschaft des Areals war schon Protest erhoben worden. So stoppten, wie berichtet, nach eigener Darstellung Anwohner eine groß angelegte Rodungsaktion des städtischen Bauhofs. Wie mit Fotos, die der Redaktion vorliegen, dokumentiert wurde, waren Arbeiter mit Bagger, Schaufellader, Traktor nebst Anhänger und Motorsäge und anderem Schneidewerkzeug angerückt und hatten begonnen, Unterholz sowie Totholz zu beseitigen und vor allem eine Hainbuche stark zurück zu schneiden (Beitrag „Seniorenheim geplant, Hirschkäfer fliegt“, Ausgabe vom 29. Oktober). In dem Bereich gibt es unter anderem eine Population der unter Schutz stehenden Hirschkäfer und weiterer Käferarten. Die Rede ist zudem von Grünspechten und verschiedenen Fledermausarten.

Technische Dezernentin Iris Tomczak-Pestel verteidigte die Rodungsaktion seinerzeit gegenüber unserer Zeitung: Wolle man das Gelände mit dem Seniorenpflegeheim bebauen, müsse die Erschließung über die Stegerhüttestraße erfolgen. Um zu sehen, ob dies überhaupt möglich ist, ohne die Bäume zu gefährden, habe die Stadt Baesweiler „in Vorabstimmung mit der Landschaftsbehörde“ den Bereich „freigelegt“, um die Bäume und das Wurzelwerk prüfen zu können. Dafür hätten Büsche und Unterholz beseitigt werden müssen. Das noch ausstehende Gutachten zum Artenschutz werde nicht tangiert, da die entscheidende Begehung zur Feststellung, ob dort schützenswürdige Tiere leben, vor dem Freischneiden erfolgt sei.

Seitens der Stadt hieß es zudem, Zentrumsnähe und die „fußläufige Erreichbarkeit von sozialen Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten“ sprächen für das Areal.

Die Untere Landschaftsbehörde (Städteregion Aachen) rügte indes das Vorgehen der Stadt. Gerade das Zurückschneiden der Hainbuche als „Teil eines geschützten Landschaftsteils war so, ohne Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehöre, nicht zulässig“. Zwischenzeitlich ist diese Behörde mit der Erstellung von Gutachten beschäftigt.

Bürgermeister Dr. Willi Linkens (CDU) verteidigte im Stadtrat das Vorgehen der Kommune. „Es war kein schweres Gerät im Einsatz. Es wurden nur zwei Äste mehr abgeschnitten.“ Aus Sicht von Anwohnern wird dagegen vorgebracht, dass Bagger und Schaufellader sehr wohl als schweres Gerät zu bezeichnen sind. Durch den Einsatz solcher Fahrzeuge, die viel auf engstem Raum rangieren, werde der Boden verdichtet, worunter vor allem die direkt unter der Erdoberfläche liegenden Wurzeln leiden würden.

Laut Bürgermeister Linkens gebe es Anzeichen dafür, dass das Projekt mit dem Naturschutz vereinbar sei. Die Auswertung der Untersuchungen sei noch nicht fertig, würde aber wohl Ende Januar im Fachausschuss vorgelegt und diskutiert werden können.

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