Kritik an Hundefreilaufwiese im Wurmtal

Hundewiese im Wurmtal : Naturschützer übt Kritik, Verwaltung sieht „Verbesserung“ der Situation

Es war ein gemeinschaftlicher Antrag der CDU-SPD-Kooperation, über den unsere Zeitung in der vergangenen Woche berichtete und der Günter Kalinka aufmerken ließ.

Nicht etwa, weil die Groko die im Jahr 2016 wegen Baufälligkeit demontierte Maubacher Brücke als Fuß- und Radwegeverbindung ins Wurmtal wieder errichten lassen möchte: Denn die beiden Pfade, die zurzeit bis zu der Stelle im Tal führen, an der man nun alternativ durch einen düsteren Fußgängertunnel ins Naturschutzgebiet gelangt, sind steil und für gebrechliche Spaziergänger nicht geeignet.

Gestoßen hat sich der streitbare Naturschützer und Vorsitzende der AG Wurmtal vielmehr an der ergänzenden Feststellung in dem von den beiden Fraktionsvorsitzenden unterzeichneten Antrag, dass „mit Erstellung der Hundefreilaufwiese auf dem Gelände des ehemaligen Schäferhundevereins“ ein weiterer Mehrwert im Wurmtal geschaffen worden sei, „für den es gilt, kurze Wegeverbindungen herzustellen“.

„Schlichtweg illegal“

Unterhalb dieses wild blühenden Terrains soll die neue Hundewiese entstehen. „Im Zentrum des Naturschutzgebietes“, kritisiert Günter Kalinka. Foto: Beatrix Oprée

Hundefreilaufwiese? Mehrwert im Wurmtal? Bei Kalinka schwillt der Kamm, wenn er so etwas liest. Er zählt auf: Seit 1989 ist besagter Bereich des Wurmtals Naturschutzgebiet (NSG) und genießt seit 1998 sogar europäischen Natur- und Landschaftsschutz, ist nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) ausgewiesen.

Seither, so Kalinka, sei der Schäferhundeverein, der sich dort nach Schließung der einstigen Maubacher Kläranlage angesiedelt hatte, „fehl am Platze“ gewesen und eigentlich nur noch geduldet worden. Umso erstaunter war der Naturschützer, jetzt einer Vorlage der Verwaltung zu entnehmen, dass die betroffene Parzelle im Mai an einen neuen Verein verpachtet worden ist.

Gesamtfläche: rund 5800 Quadratmeter. Teil des Pachtvertrags: dass der Verein „offene Begegnungszeiten für Hundebesitzer und deren Hunde ohne Notwendigkeit einer Vereinszugehörigkeit an mindestens zwei Tagen in der Woche“ zusagt. Der Verein habe seinerseits sogar „dreimal wöchentlich an noch festzulegenden Öffnungszeiten eine öffentlich zugängliche Hundefreilaufwiese für alle Bürgerinnen und Bürger und deren Hunde auf dem Gelände in Verlängerung der Eisenbahnstraße“ angeboten, so die Verwaltung. Größe der potenziellen Hundefreilaufwiese: rund 2700 Quadratmeter.

Für Kalinka ein Unding, wie er beim Ortstermin mit unserer Zeitung darlegt: „Die Planung und Schaffung einer Hundefreilaufwiese im dort festgelegten Naturschutz- und FFH-Gebiet Wurmtal ist schlichtweg illegal und nicht im Einklang mit den Schutzbestimmungen für die Natur!“ Noch während er das ausspricht, nähert sich ein Tiertransport über die Eisenbahnstraße: ein Heinsberger Landwirt, der im Auftrag der Unteren Landschaftsbehörde drei Longhorn-Rinder auf der Wiese just neben dem früheren Schäferhunde-Verein ablädt. Die stattlichen „lebendigen Rasenmäher“ nehmen unverzüglich und in aller Ruhe die neue Umgebung in Augenschein. Ökologisches Biotop-Management durch die Städteregion Aachen.

Und unmittelbar daneben möchte die Stadt Herzogenrath eine Hundewiese einrichten? Auf einer Fläche im Verlauf der wild blühenden Terrassenlandschaft, die bis direkt an die Wurm herunter reicht, die fernab der Wege und damit genau im Zentrum des NSG liegt und daher einen „hochsensiblen Bereich“ darstellt?

Kalinka schüttelt den Kopf: Damit werde auf die einstige Duldung des Schäferhundevereins sogar noch eins draufgesetzt: Denn bis dato sei besagte Fläche nur vereinsintern und nicht (teil-)öffentlich zugänglich gewesen. Und da sei es bereits vielfach zu Spannungen mit Spaziergängern gekommen, weil der Bereich rund um den Eingang des Hundegeländes regelmäßig zugeparkt gewesen sei. Kalinka wird richtig wütend: „Dat is bekloppt hier!“ Endlich müssten Kommunen doch einsehen, „dass ein ökologisch ausgewiesenes Gebiet kein Planungsraum ist. Punkt. Ende!“

„Schutzcharakter voll bewusst“

Herzogenraths Technischer Beigeordneter Ragnar Migenda indes weist auf Nachfrage darauf hin, dass die Verwaltung einen politischen Auftrag habe, in allen drei Stadtteilen Hundewiesen auszuweisen. Damit die Vierbeiner auch mal frei laufen könnten, „ohne durch Wald und Flur zu rasen“, was bekanntlich verboten sei. Am Eisenbahnweg würde dies unter fachkundiger Leitung möglich, aufgrund der Bereitschaft des neuen Pächters.

Den er als „sehr honorig“ und kooperativ einstuft und der ein „sehr gutes pädagogisches Konzept“ vorgelegt habe. Mit Blick auf „zu viele Hundehalter, die ihre Tiere jetzt schon im Wurmtal frei laufen lassen“, sieht Migenda nunmehr Gegensteuerungsmöglichkeiten: „Mit dem neuen Pächter verbessert sich die Situation deutlich.“

Er betont überdies: „Wir sind uns des Schutzcharakters des Wurmtals voll bewusst.“ Aber in Herzogenrath seien die Möglichkeiten eben begrenzt, die verschiedenen Interessen in Gleichklang zu bringen. So setzt Migenda nun auf ein für Anfang September anberaumtes Gespräch mit der Städteregion – in Sachen Kompromiss, um den Belangen des Naturschutzes Rechnung tragen zu können.

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