Herzogenrath: Konsequenz aus den wachsenden Kosten: Gastrobereich schließt

Herzogenrath: Konsequenz aus den wachsenden Kosten: Gastrobereich schließt

Mit akkurat gestärkten weißen Tischtüchern, roten Weihnachtsservietten und hübschen Gestecken ist der ganze Saal festlich eingedeckt. Bis zum 20. Dezember wird hier noch Hochbetrieb herrschen. Geburtstagsfeiern, Weihnachtsessen, Betriebsfeste.

Danach wird die Restaurantküche erst einmal kalt bleiben und der Zapfhahn am weihnachtlich geschmückten Tresen hochgedreht. Nach 58 Jahren schließt im Hotel Stemper der Gastrobereich, vorbehaltlich neuer Pläne. Der Hotelbetrieb indes bleibt wie bisher bestehen und gestaltet sich mit Blick auf Firmenkunden und Touristen vor allem für Ziele im benachbarten Ausland durchaus erfolgreich.

Der Mindestlohn, der eine 30-prozentige Steigerung auf dem Personalsektor nach sich gezogen habe, und die nachträgliche Gewerbesteuererhöhung seien es letztlich gewesen, die ihn zur Änderung des Betriebskonzepts bewogen haben, sagt Ralph Stemper.

Einst Heimat vieler Vereine

Im Jahr 2000 hatte er das traditionsreiche Haus übernommen. Gegründet wurde es von seinen Großeltern Fritz und Elisabeth Stemper. Und auch an seine Eltern Karin und Karl-Heinz Stemper werden sich viele Herzogenrather noch als Gastwirte erinnern. Denn das Gros der Ortsvereine hatte bei ihnen einmal seine Heimat, von Kaninchen- und Taubenzüchtern über Obst- und Gartenbauer bis zu den Fußballern des SVS.

Dann brach die Ära der Bürgerhäuser und Vereinsheime an. Wie überall wurden auch in Merkstein Gasthaussäle von der Vereinswelt immer weniger in Anspruch genommen. Einzig der IGBCE sei geblieben, wie Stemper darlegt, mit regelmäßigen Weiterbildungsveranstaltungen und Festen.

Das Nichtraucherschutzgesetz war ein weiterer Eckpunkt. Stemper: „Wir haben es von Anfang an strikt umgesetzt, nämlich 15 Prozent des Gastraums für Nichtraucher zur Verfügung zu stellen.“ Andere indes, „schwarze Schafe“, wie Stemper sagt, seien nicht so gesetzestreu gewesen. Und viele Raucher seien abgewandert. Das komplette Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Gebäuden sei dann zwei Jahre zu spät gekommen.

Und da wären noch die Verbrauchskosten. Stemper: „Bierpreiserhöhungen kann man nicht jedes Mal an den Gast weitergeben.“ Müsste man aber, damit einem selbst die Kosten nicht davon laufen. Doch in der Branche gebe es mittlerweile zu viele, die einfach „wild kalkulierten“. Und so zur Verzerrung im Wettbewerb betragen: „Preise für Speisen und Getränke müssten viel mehr angepasst werden“, sagt der gelernte Restaurantfachmann und Hotelbetriebswirt. Als Chef muss er sein Augenmerk überall haben, rund um die Uhr: auf der Vermarktung des Hauses genauso wie der Personalplanung, dem Einkauf, der Küche, dem Service, den Zimmern. „Und dann will man ja auch Gastgeber sein!“, sagt Stemper.

Dass ein Gastronomiebetrieb Knochenarbeit bedeutet, ist für den 49-Jährigen kein Thema. Doch auskömmlich soll der ganze Aufwand bleiben, und Tochter Emily (9) und Sohn Richard (16) sollen auch zu ihrem Recht kommen. So wollen sich Ralph Stemper und seine Frau Katrin nun auf ihre Hotelgäste konzentrieren. 14 Zimmer hat das Drei-Sterne-Haus an der Geilenkirchener Straße. Aus ganz Deutschland kommen die Reservierungen. Stemper weiß, worauf er setzen kann: „Die allgemeine Gewerbeansiedlungssituation in Baesweiler ist fantastisch.“

Montagegruppen, Geschäftsreisende, Vertreter — auch aus Geilenkirchen respektive dem Alsdorfer Businesspark — sind in der Woche die Gäste. Am Wochenende werden Familien beherbergt. Auch hier partizipiert der Herzogenrather Hotelier von Entwicklungen außerhalb der eigenen Stadt: Eng arbeitet er mit dem Fremdenverkehrsverein in Kerkrade zusammen, denn dort gibt es die Attraktionen, wegen derer die Gäste anreisen: Snowworld, Mondoverde, Gaiazoo. In Herzogenrath indes, so Stemper kritisch, seien die Bemühungen in Sachen Tourismus eingeschlafen ...

Mehr von Aachener Zeitung