Würselen: Konrad Beikircher ist ganz seiner Meinung

Würselen : Konrad Beikircher ist ganz seiner Meinung

Konrad Beikircher ist ein Garant für einen stimmungsvollen Abend: Mit viel rheinländischem Charme und Aachener Lokalkolorit begeisterte der Kabarettist jetzt das Publikum im Alten Rathaus Würselen. Seit 50 Jahren steht er auf der Bühne. Klar, dass jede Pointe zündet.

Sein Jubiläums-Kabarettprogramm begann er mit einem typisch rheinländischem Zwiegespräch unter Nachbarn. Bereits mit den ersten Sätzen der Figur „Frau Weilerscheidt“ brachte er die Gäste im ausverkauften Saal zum Lachen. In karierter Weste gab er Vollgas, parlierte wild gestikulierend über senile Bettflucht und die polnische Pflegerin für den Hubert. Die müsse blond sein — „denn brünett passt schließlich nicht zur Tapete“.

„Facebook ist nichts für Öcher“ stellte Beikircher mit bestimmtem Tonfall fest. Während sich der eine oder andere Zuhörer noch wunderte, lieferte er die Erklärung gleich hinterher: „Da muss man ja ständig den Daumen hochdrücken — und die Öcher-Platt-Variante ‚jefällt mich‘ gibt es da auch nicht.“ Auch stellte der Kabarettist schonungslos fest, dass in diesem sozialen Netzwerk sogar Menschen miteinander befreundet seien, die im wahren Leben noch nicht mal ein Kölsch miteinander trinken würden.

Beikircher hatte viel zu erzählen, machte kaum eine Verschnaufpause. Zwischendurch musste er über sich selbst lachen und das machte ihn nur umso sympathischer. Er erzählte von seinem allerersten Auftritt am 19. Oktober 1965, von fünf Jahrzehnten Streifzügen durch das rheinische Universum. „Südtirol ist meine Heimat, aber das Rheinland mein Zuhause. Und Euskirchen ist quasi das Manhattan der Voreifel“, sinnierte er.

Auch das Verhältnis von Jung und Alt beleuchtete der 70-jährige Beikircher. Er selbst sei mittlerweile „melatenblond“ — und er habe festgestellt dass graue Schläfen nicht nur Respekt, sondern auch Verlangen auslösen.

Musik, Kirche, Heilige, Sprache, Alltag, Rheinland, Deutschland, Italien, Zukunft und Vergangenheit kamen in Beikirchers Programm zum Zuge. Sogar ein wenig Politisches mischte er bei. „Denn bei all dem ist es so: Ich hab zwar nur selten auf der Bühne darüber gesprochen, aber auch auf diesem Feld bin ich völlig meiner Meinung, das können Sie mir glauben“, erklärte er schmunzelnd.

„Ich war nie ein Miesepeter und das werde ich auch niemals sein, auch da bin ich völlig meiner Meinung“, sagte Beikircher strahlend und sein Publikum dankte es ihm am Ende eines wahrlich vergnüglichen Abends mit großem Applaus zum 50-jährigen Bühnenjubiläum.

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