Nordkreis: Kommentiert: Anspruch und Wirklichkeit

Nordkreis: Kommentiert: Anspruch und Wirklichkeit

Die Baesweiler waren als erste am Start mit der Narretei. Was sicherlich einerseits der großen Freude Ausdruck verleiht, nach zweijähriger Enthaltsamkeit wieder ein schmuckes Prinzenpaar in Amt und Würden heben zu können. Und andererseits wohl auch der Terminfülle in dieser Session geschuldet ist.

Denn schon an diesem Wochenende geben sich die versammelten Karnevalisten des Dachverbands VKAG ein ausgiebiges Stelldichein in Baesweiler — bei der nur alle fünf Jahre stattfindenden „Grenzlandbegegnung“. Mit Jecken aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich sowie aus Österreich und der Schweiz — eine interessante Mischung. Tipp: Zum Programm gehört auch Werner Mezger, der heute um 10 Uhr im ITS am Arnold-Sommerfeld-Ring zum Thema „Karneval — Gestern, Heute und Morgen“ referiert. Der Professor vom Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Uni Freiburg wird auch für Nichtnarren Erhellendes zu berichten haben. Über das illustre Gäste dann am Podium diskutieren. Damit das Gestern auch morgen noch präsent ist, wirbt VKAG-Präsident Reiner Spiertz unermüdlich für den Ausbau des Karnevalsmuseums an der Balbinastraße 3 in Würselen, dem „Haus des Grenzlandkarnevals“, wie der Hort der Zeugnisse reger Brauchtumspflege in der Region offiziell heißt. Eine wirklich sehenswerte Stätte.

Wenig zu lachen haben hierzulande derweil die niedergelassenen Apotheker mit Blick auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, das Pharma-Anbieter aus dem europäischen Ausland auf dem deutschen Markt von der Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente befreit. Diese stelle eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des freien Warenverkehrs dar, so die Begründung. Der Online-Handel könne deutschen Kunden nun Boni und Preisnachlässe gewähren, was ihnen versagt sei, empören sich auch die Apotheker in den Nordkreisstädten — mit Verweis auf ihre hohen Auflagen und wichtige Beratungsfunktion. Und wieder lässt die Globalisierung grüßen. Die Apotheker sehen jetzt Bundesgesundheitsminister Gröhe in der Pflicht.

Dass es was bringt, gegen Dinge, die fast schon beschlossene Sache sind, Einspruch einzulegen, haben nicht nur die Wallonen in Sachen Ceta bewiesen, sondern auch die Eltern in Bierstraß. Gegen die ins Auge gefasste Schließung der örtlichen Grundschule sammelten sie Unterschriften. Die große Bürgerresonanz auf ihren Protest hat, sagen wir mal, den Blick der Politiker noch mal geschärft. Zurzeit ist übrigens noch eine andere Elterninitiative aktiv — in Straß. Sie setzt sich für eine auskömmliche Kita-Finanzierung ein, Tariferhöhungen bringen freie Träger in die Bredouille. Gewerkschafter warnen zudem vor zu hoher Arbeitsbelastung des Kita-Personals auch aufgrund wachsender Anmeldezahlen. Hier muss landespolitisch nachjustiert werden — um Anspruch und Wirklichkeit abzugleichen.