1. Lokales
  2. Nordkreis

Kohlscheid: Kolumbien statt Kohlscheid: Mut und Ungewissheit im Gepäck

Kohlscheid : Kolumbien statt Kohlscheid: Mut und Ungewissheit im Gepäck

Angst ist vielleicht das falsche Wort. Es ist ein Gemisch aus großer Vorfreude und banger Ungewissheit, das Katharina Bollermann derzeit verspürt. Am 1. August wird die 19-Jährige zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug steigen. Das bringt sie nach Kolumbien, wo sie ein Jahr lang leben und Armen und Kranken helfen will.

Im Internet hat sie so manches über ihre südamerikanische Heimat auf Zeit erfahren. „Danach will man eigentlich gar nicht mehr dort hin!”

Sie hat Artikel gelesen über das Land, das angeblich die höchste Entführungsrate der Welt hat und vor dem das Auswärtige Amt Touristen warnt. Wo der Gegensatz von stinkreich und bettelarm enorm groß ist und die meisten Menschen zur zweiten Gruppe zählen.

Wo Guerillakämpfer immer wieder für blutige Unruhen sorgen. Einerseits ein Schock für die fröhliche junge Dame, die seit kurzem ihr Abitur in der Tasche hat. Andererseits sind da der Reiz des Unbekannten und der Drang, etwas zu bewegen.

Engagiert ist sie allemal. Als Mitglied der Schülervertretung des Herzogenrather Gymnasiums hat sie sich eingesetzt, und gern unterstützt sie die Christliche Arbeiterjugend. In Herzogenraths rumänische Partnerstadt Bistritz hat sie vor fünf Jahren eine Schulfahrt geführt.

„Dort habe ich viel Elend gesehen. Bettelnde Kinder, die an die Scheiben des Busses geklopft haben. Tote Tiere auf den Straßen.” Damals hat sie schon beschlossen, dass sie einmal irgendwo helfen will. Dass es nun Kolumbien geworden ist, war eher ein Zufall.

Eine Nachbarin hatte Katharina Bollermann auf ein Projekt des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Aachen aufmerksam gemacht, das mit Bolivien partnerschaftlich verbunden ist. Zwei junge Menschen entsendet der Diözesanrat im August nach Kolumbien. Gegen 24 weitere Bewerber hat sich Katharina in Auswahlgesprächen durchgesetzt. Sie reist nach Ibagué, rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Bogotá.

Sprache lernen

Dort gibt es die Hilfsorganisation „Concern Universal”, bei der die Kohlscheiderin arbeiten wird. Wie, weiß sie noch nicht so genau. „Bislang spreche ich kein einziges Wort Spanisch.” In der fremden Sprache will sie möglichst in Rekordzeit einigermaßen fit werden. Während der ersten vier Wochen in Kolumbien stehen deshalb täglich sieben Stunden Crashkurs mit einem Privatlehrer auf dem Programm.

Dann wird sie vielleicht in Schulen gehen und mit Jugendlichen über Aids und Verhütung sprechen. Oder mit Straßenkindern arbeiten. „Hoffentlich bekomme ich das mit dem Spanisch gut hin, Englisch soll in Kolumbien nicht so verbreitet sein.”

Erfahrungsberichte und Spenden

Damit der Diözesanrat auch im kommenden Jahr Jugendliche zum Freiwilligendienst nach Kolumbien schicken kann, wirbt Katharina Bollermann um Spenden.

Wer den sozialen Dienst im Ausland unterstützen möchte, kann eine Spende auf das Konto 1012698018 der Pax-Bank Aachen, BLZ 370601 93, einzahlen. Inhaber ist der Partnerschaftsfonds des Diözesanrates Aachen.

Spender erhalten regelmäßige Berichte, in denen Katharina Bollermann ihre Erfahrungen in Kolumbien schildert.